Mittwoch , 28. September 2016
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Ralf Ossenbroich (2.v.r.) ist Initiator der Laufgruppe der IHK. Sandra Bengsch, Kirsten Deising und Lars Heidemann gehören zu den Mitarbeitern der IHK, die das Angebot gerne nutzen. Foto: t&w
Ralf Ossenbroich (2.v.r.) ist Initiator der Laufgruppe der IHK. Sandra Bengsch, Kirsten Deising und Lars Heidemann gehören zu den Mitarbeitern der IHK, die das Angebot gerne nutzen. Foto: t&w

Laufen, strecken, Obst

as Lüneburg. Lauftreffs, Yoga, Kooperationen mit Fitness-Clubs, gesundes Kantinenessen, ergonomische Bürosessel Gesundheitsförderung von Mitarbeitern wird in vielen Betrieben groß geschrieben. So belegt eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), dass 90 Prozent der befragten Unternehmen Maßnahmen ergriffen haben oder planen. Michael Zeinert, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg, sagt zu den Gründen: „Gesunde Mitarbeiter sind bessere Mitarbeiter. Deshalb sind Investitionen in die Gesundheit auch Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit. Das ist besonders mit Blick auf die Bindung von Fachkräften immer wichtiger.“ Die LZ hörte sich in Lüneburger Firmen um, wie ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) aussieht.

Laut DIHK-Studie bindet ein Drittel der befragten Unternehmen seine Beschäftigten durch Befragung in Planung und Organisation der Aktivitäten zur Gesundheitsförderung ein. Aber auch die Einstellung der Chefs zum Thema Gesundheit sei wesentlich. Daher sei es ein erfreuliches Signal, dass fast die Hälfte der befragten Betriebe auf eine „Sensibilisierung der Führungskräfte setze“.

„Die Mitarbeiter sind das wertvollste Kapital der Sparkasse, deshalb hat unser Haus das Thema Gesundheit seit vielen Jahren im Blick“, sagen die BGM-Projektleiterinnen Uta Junge und Dagmar Trenke. „Um aus der Betrieblichen Gesundheitsförderung ein ganzheitliches Betriebliches Gesundheitsmanagement zu entwickeln, wurde 2013 ein entsprechendes Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren aufgesetzt. Gestartet sind wir mit einer Ist-Analyse, die auch eine Mitarbeiterbefragung zum Thema beinhaltete.“ Aus der Analyse ging es in die Planungsphase, in der Leitgedanken zum Thema Gesundheit erarbeitet wurden: Wie nehmen die Mitarbeiter Gesundheit wahr, was kann seitens des Unternehmens getan werden, um die Gesundheit der Beschäftigten zu erhalten und zu fördern, wie kann dieser Prozess durch die Führungskräfte unterstützt werden? „Auf dieser Basis setzen wir Maßnahmen um, zum Beispiel das Angebot von Seminaren, bei denen die Steigerung der inneren Belastbarkeit im Alltag im Mittelpunkt steht. Unsere Auszubildenden nehmen an einem Gesundheitsprogramm teil, um sie frühzeitig für Themen wie Ernährung, Bewegung und mögliches Suchtverhalten zu sensibilisieren.“ Daneben gebe es Angebote wie Lauf- und Walking-Kurse, Sportabzeichen und demnächst einen Aqua-Fit-Kursus im SaLü. Täglich auf dem Programm stehen „Gibacht! Übungen“, die zur Mobilisierung, Kräftigung und Entspannung von Körper und Geist beitragen sollen. Auf einer Intranet-Seite stehen für die Mitarbeiter alle Informationen zum Thema Gesundheit zur Verfügung.

Jürgen und Susanne Thies, Fitnesstrainer, sind seit sieben Jahren für die LAP GmbH Laser Applikationen aktiv. Sie bieten Schulungen für Mitarbeiter zu Themen wie Ernährung und Rückengerechtes Verhalten an. „Einmal pro Woche während der Arbeitszeit findet außerdem für alle Interessierten eine Rückenschule statt“, berichtet Thies. Trainiert werde mit verschiedenen Geräten, das steigere die Motivation. Wichtig sei auch das Miteinander. So kann es sein, dass Azubi und Geschäftsführer an einem Theraband ziehen. Einmal pro Woche trifft sich die Laufgruppe für alle vom Anfänger bis zum Marathonläufer. Unterstützt wird jeder von Susanne und Jürgen Thies gemäß seinem individuellen Können. Die Teilnehmer sind aktiv beim Firmenlauf, beim „Lauf zwischen den Meeren“, „und LAP setzt sich auch aktiv für Sponsorenläufe ein“, berichten die Fitnesstrainer.

Johnson Controls hat am Lüneburger Standort 1104 Mitarbeiter. „Uns geht es im Werk vor allem um präventive Maßnahmen“, sagt Pressesprecherin Astrid Schafmeister. „Dazu haben wir ein Paket entwickelt, das das Betriebliche Gesundheitsmanagement auf viele Schultern verteilt: Mitarbeiter diskutieren in Gesundheitszirkeln aktuelle Probleme und Verbesserungen an den Arbeitsplätzen.“ Außerdem kooperiert Johnson Controls mit einem örtlichen Fitness-Studio, dessen Angebote Mitarbeiter vergünstigt nutzen können. „Weiterhin haben wir einen Heilpraktiker im Einsatz. Da haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht.“

„Wir wollen unsere Mitarbeiter für das Thema Gesundheit sensibilisieren, Spaß an Bewegung im Team fördern“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Zeinert. Seit 2008 gibt es eine Laufgruppe, die von einem Mitarbeiter initiiert wurde und sich immer am Dienstagabend trifft. In diesem Jahr wurde erstmals ein Gesundheitstag organisiert, an dem Mitarbeiter die Beweglichkeit ihrer Wirbelsäule messen und den Body-Mass-Index berechnen lassen konnten. Der Gesundheitstag war gleichzeitig Auftakt für Yoga- und Walkingkurse, die die IHK in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse und dem Unternehmen Fitwerft anbietet. Im Oktober startet ein Rückenschulungs-Kursus. Außerdem gibt es kostenloses Mineralwasser für die Mitarbeiter und in den Wintermonaten einmal pro Woche frische Äpfel. Damit die Angebote angenommen werden, „haben wir die Wünsche unserer Mitarbeiter abgefragt und dann umgesetzt“, sagt Zeinert.

Die Gesundheitsholding, unter deren Dach neun Gesellschaften firmieren, will nicht nur die Gesundheit der Menschen in der Region sichern, sondern hat auch die ihrer 2900 Mitarbeiter im Blick. „Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist für uns ein zen­trales Thema“, sagt Uwe Seeger, Personal- und Organisationsentwickler. Doch statt in Aktionismus zu verfallen, setze man erstmal auf Analyse. Dazu wurde eine Umfrage bei den Mitarbeitern in den einzelnen Gesellschaften gemacht, bei der es unter anderem um die Anforderung im Job, Belastungen, aber auch die Zufriedenheit mit der Führung ging. Die Auswertung ist nun fertig, die Ergebnisse werden demnächst präsentiert. Danach sollen nicht nur Angebote wie Rückentraining oder bewegte Pause gemacht werden: „Sondern wir wollen genau gucken, ob sich Belastungen vielleicht auch durch strukturelle oder organisatorische Veränderungen verringern lassen. Oberstes Ziel ist es, die Gesundheit unserer Mitarbeiter zu fördern und zu erhalten.“

Neues Netzwerk
Die IHK Lüneburg-Wolfsburg und der Arbeitgeberverband Lüneburg-Nordostniedersachsen haben unter dem Dach der Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen 2012 das „Unternehmerforum Betriebliches Gesundheitsmanagement“ initiiert. Ziel ist es, gemeinsam mit Unternehmen Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen für BGM zu erarbeiten, sich auszutauschen und an guten Beispielen zu lernen. Außerdem ruft die Allianz für Fachkräfte Nordostniedersachsen jetzt ein Dienstleisterforum Betriebliches Gesundheitsmanagement ins Leben. Der Startschuss fällt am Donnerstag, 4. September, um 10 Uhr in der IHK in Lüneburg. Gesundheitsdienstleister erhalten damit eine Plattform zur Vernetzung, um eine transparentere Darstellung der Angebotsvielfalt in der Region zu gewährleisten. Eine weitere Gelegenheit zum Austausch bietet die Allianz für Fachkräfte mit dem 2. Lüneburger Gesundheitstag: Am Dienstag, 7. Oktober, 13.30 bis 17.30 Uhr, dreht sich an der Universität alles um das BGM für kleine und mittelständische Firmen. In fünf Praxisforen werden Unternehmen wie Unilever über ihren Ansatz zur gesunden Führung berichten. Anhand einer aktuellen Studie werden Möglichkeiten der Burn-out-Prävention in Unternehmen diskutiert und Online-Gesundheitstrainings vorgestellt.