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Wie lange schauen Christos (l.) und Michael Dovas im Comodo noch die Sky-Übertragungen? Bei einer satten Preissteigerung von 90,5 Prozent innerhalb eines Jahres denken sie über einen Ausstieg nach. Foto: be
Wie lange schauen Christos (l.) und Michael Dovas im Comodo noch die Sky-Übertragungen? Bei einer satten Preissteigerung von 90,5 Prozent innerhalb eines Jahres denken sie über einen Ausstieg nach. Foto: be

Wirte schäumen über vor Wut

rast Lüneburg. Der Bezahlsender Sky tischt den Gastronomen satte Preiserhöhungen auf, zum 1. September greift die zweite Steigerung binnen zwölf Monaten. Auch Wirte aus Stadt und Landkreis Lüneburg schäumen vor Wut, für einige von ihnen ist damit eine Grenze überschritten. So auch für Christos und Michael Dovas, die das Comodo am Schrangenplatz betreiben. Zahlten sie bis zum 1. September 2013 in der höchsten Preiskategorie noch 680 Euro netto monatlich, überwiesen sie in den vergangenen Monaten bereits 1035 Euro und sollen nun ab Montag mit 1235 Euro zur Kasse gebeten werden macht eine Preissteigerung von rund 90,5 Prozent.

Die fußballbegeisterten Brüder sind noch unschlüssig, wie sie reagieren, Christos Davos: ,,Wir haben erstmal unser Sonderkündigungsrecht in Anspruch genommen und können bis Sonntag überlegen, ob wir weiter Fußball zeigen wollen.“ Es gebe noch eine Alternative: ,,Wir zeigen die Spiele nur noch in einem kleineren Nebenraum. Das ist günstiger.“

Sky begründet die Steigerung mit den eigenen Kosten. Der Sender zahlt seit 2013/2014 pro Saison 486 Millionen Euro an die Bundesliga, zuvor waren es 250 Millionen Euro. Mit dem neuen Vertragspaket wurde auch die Berechnungsgrundlage modifiziert: Galt bis vor einem Jahr die Quadratmeterzahl der Lokale für die Preisfindung als einziges Kriterium, fließen seitdem auch Kaufkraft, Bevölkerungsdichte und Sportaffinität der jeweiligen Städte in die Berechnung mit ein da Lüneburg mit hoher Kaufkraft aufwartet, müssen die hiesigen Gastronomen wie auch die Wirte von Sportvereinsheimen leiden. Sky-Sprecherin Ale­xandra Fexer allerdings äußert gegenüber der LZ, dass sich dieses System bewährt habe: ,,Dadurch hat sich die Zahl der Sportsbars und Gaststätten mit Bundesliga-Angebot um 12 Prozent erhöht, auf dem Land sogar verdoppelt. Und einen Rückgang in den Großstädten verzeichnen wir nicht.“ Der Mindestpreis liege bei 109 Euro pro Monat, der Höchstpreis betrage 1449 Euro, die Steigerungsrate liege im bundesweiten Schnitt bei 30 Prozent.

Laut der Studie ,,Wirtschaftsfaktor Pay-TV“ der HMR International, einer Beratungsagentur für Medienunternehmen, erwirtschaftet die Gastronomie durch die Übertragung von Sportereignissen einen zusätzlichen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro pro Jahr, so würden knapp 20000 Arbeitsplätze gesichert. Sky-Sprecherin Britta Krämer hatte gegenüber der Zeitschrift kicker gesagt: ,,Allein an Spieltagen der Bundesliga und der 2. Bundesliga besuchen durchschnittlich 1,3 Millionen Gäste die Sky-Sportsbars und tragen damit zum wirtschaftlichen Erfolg vieler Tausender Gaststätten bei.“

Das sieht Manfred Vogt, Chef des Schallander am Stint, anders: ,,Das rentiert sich nicht, ist im Gegenteil ein Minusgeschäft. Wir bieten die Übertragungen auf einer Großbildleinwand im Clubraum als reinen Sevice für unsere Gäste an, das hat sich so eingespielt.“ Bis September 2013 zahlte er rund 2500 Euro pro Jahr, danach etwa 3100 Euro: ,,Jetzt sinds knapp 4000 Euro. Da liegt die Überlegung nahe, auszusteigen.“ Das Publikum bei ihm sei überschaubar, wenn es nicht gerade die Highlights gibt: ,,Wir haben treue Pauli-Fans, in der Bundesliga ziehen Spitzenspiele wie Dortmund-Bayern. Und in der Champions League geht der Pegel hoch bei Partien wie Real Madrid gegen Bayern oder Dortmund.“

Manfred Vogt ist auch Vereinswirt beim MTV Treubund, kommt da deutlich günstiger weg, da er über den Verein abrechnen lässt da gibts deutlich bessere Konditionen. So macht es seit Februar auch Astrid Köhncke, Vereinswirtin beim TuS Erbstorf, die bis September 2013 noch 220 Euro monatlich zahlte: ,,Ich hätte jetzt 400 Euro zahlen müssen. Für den Verein steigt die Summe nun von 250 auf 280 Euro.“ Dass auch für Erbstorf der Lüneburger Kaufkraft-Faktor mitzählt, kann sie nicht verstehen: ,,Die Gaststätten in Lüneburg haben Durchlaufgäste, zu uns kommen nur Vereinsmitglieder. Das TV-Angebot trägt sich plus/minus null, die Leute sind eh da.“

Die GEMA ist an den Sky-Gebühren beteiligt, kassiert für einen oder mehrere Fernseher. Sky-Sprecherin Alexandra Fexer: ,,Wir verhandeln mit der GEMA über Pauschalen, davon profitieren die Gastronomen.“ Wie das zu Buche schlägt, verrät sie nicht. Ihre Kollegin Britta Krämer sagte der LZ vor einem Jahr allerdings: „Die GEMA verlangt je nach Größe der Gaststätte zwischen 15 und 75 Euro pro Gerät und Leinwand.“

Eine deutliche Sprache spricht Martin Zackariat, Lüneburger Kreisvorsitzender im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und Chef der fußballübertragungsfreien Wassermühle Heiligenthal: ,,Ich kenne den Unmut der Kollegen. Da fordert Sky Schweinegelder, angezuckert von der GEMA mit deren Preissteigerungen. Es kann nicht sein, dass kleine Kneipen mehrere Tausend Euro zahlen müssen. Letztlich schneidet sich Sky ins eigene Fleisch, denn auf Dauer machen das die Gastronomen nicht mit.“

Der Mäzen der Bundesliga
Sky Deutschland ist der größte Geldgeber der Bundesliga, zahlt vier Jahre lang pro Saison 486 Millionen Euro an die DFL. Sky hat seinen Umsatz nach eigenen Angaben im zweiten Quartal 2014 von 375 auf 428 Millionen Euro gesteigert. Unter dem Strich bleibt dennoch ein Verlust von 150,5 Millionen Euro. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) mit rund 70000 Mitgliedern hat Rabatte ausgehandelt, Sky räumt Mitgliedern bis zu zwei kostenfreie Monate pro Jahr ein. In den sechs Preiskategorien für Gaststätten mit Größen von bis zu 35 Quadratmetern bis hin zu mehr als 200 Quadratmetern erhöhen sich die Preise für Dehoga-Mitglieder beispielsweise monatlich von 150 auf 275 Euro (Kategorie 1) und von 400 auf 800 Euro (Kategorie 6). Sportsbars zahlen im Schnitt in der untersten Kategorie 279 Euro (plus 70 Euro) und in der obersten 969 Euro (plus 20 Euro).

One comment

  1. Das ist doch nur Publicity. Die Preiserhöhung ist begründet. Berechtigt? Sicherlich zu diskutieren. Allerdings geben die Wirte die Preise doch jedesmal weiter! Wenn die Wirte ihre Preise ( unabhängig von Sky) anheben, gibt es komischerweise keinen Zeitungsartikel? Warum wohl…. Da gibt es kein gemecker.