Donnerstag , 29. September 2016
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150 Jahre Feuerwehr Lüneburg-Mitte: Das pralle Feuerwehrleben tobte in den vergangenen Tagen rund um die Feuerwache an der Lise-Meitner-Straße. Wo zuvor Festkommers, Blaulichtparty und die Verbandsversammlung zum Kreisfeuerwehrtag für ein volles Haus gesorgt hatten, lockte am Sonntag der Tag der offenen Tür mit spektakulären Vorführung mehr als Tausend Besucher an. Foto: t&w
150 Jahre Feuerwehr Lüneburg-Mitte: Das pralle Feuerwehrleben tobte in den vergangenen Tagen rund um die Feuerwache an der Lise-Meitner-Straße. Wo zuvor Festkommers, Blaulichtparty und die Verbandsversammlung zum Kreisfeuerwehrtag für ein volles Haus gesorgt hatten, lockte am Sonntag der Tag der offenen Tür mit spektakulären Vorführung mehr als Tausend Besucher an. Foto: t&w

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ml Lüneburg. „Wir erwarten: 24 Stunden Einsatzbereitschaft und dass Sie manchmal Kopf und Kragen riskieren. Wie bieten: eine Menge Arbeit, mäßige Arbeitsbindungen, aber auch viel Spaß.“ Mit diesen Worten wirbt eine der größten Organisationen im Landkreis Lüneburg um neue Mitglieder. Fast 6500 Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder gehören bereits dazu und mit dem wenig verlockenden Stellenangebot würdigt die Kreisfeuerwehr auf ihrer Internetseite auch ihren ehrenamtlichen Einsatz. Wie wichtig das Engagement der Feuerwehrleute für die Gesellschaft ist, wurde am Wochenende einmal mehr deutlich: beim 65. Kreisfeuerwehrtag in Lüneburg.

Ausrichter war mit der Ortsfeuerwehr Lüneburg-Mitte die älteste im gesamten Kreis. Die Lüneburger Brandschützer feiern in diesem Jahr den 150. Geburtstag ihrer Wehr, entsprechend dicht gedrängt war das Programm in den vergangenen Tagen. Viel Zeit hatte deshalb auch der 2013 gewählte Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, Karl-Heinz Banse, für seinen Lüneburg-Besuch eingeplant. Bereits am Freitag zum Geburtstagskommers angereist, listete er am Sonnabend bei der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes die Herausforderungen der kommenden Jahre auf.

Unter den gespannten Blicken von mehr als 200 Delegierten in der Fahrzeughalle der Feuerwache an der Lise-Meitner-Straße fand der Präsident bei seiner Lüneburger Kreisfeuerwehrtag-Premiere klare Worte auch für sein Führungspersonal. Mit Blick auf die Image-Kampagne der Feuerwehren in Niedersachsen, sagte Banse: „Busse mit netten Plakaten zu bekleben, reicht nicht aus.“ Feuerwehrführer, Bürgermeister und auch Landräte seien gefordert, „für ihre Feuerwehren zu werben“.

Ganz so dramatisch wie von einigen prognostiziert sei die Entwicklung zwar nicht. Schließlich sei „Niedersachsen das einzige Bundesland, in dem die Zahl der Brandschützer gestiegen ist. „Doch obwohl wir die 125000er-Marke geknackt haben, muss man auch sagen: Es gab schon mal deutlich mehr Feuerwehrleute im Land, und der demografische Wandel kommt erst noch“, so Banse.

Doch nicht immer erhalten die ehrenamtlichen Helfer die Unterstützung, die sie sich wünschen. Mit Blick auf das Elbehochwasser 2013 kritisierte der Präsident die Pläne des Bundes, ausgerechnet beim Katastrophenschutz zu sparen, die Beschaffung dringend benötigter Fahrzeuge zu streichen. „Um 10 Millionen Euro will der Bund die Mittel kürzen. Beim nächsten Hochwasser fehlen dann nicht nur Fahrzeuge, sondern auch die Besatzungen als Helfer.“ Schon deshalb kündigte Banse entschiedenen Widerstand gegen die Pläne auf Bundesebene an.

Für Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge hat der Brand eines historischen Gebäudes am Stintmarkt im vergangenen Jahr einmal mehr gezeigt, „wie wichtig der Einsatz der ehrenamtlichen Helfer für uns ist“. Unter anderem gelte es Zugriffszeiten zu verkürzen, die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Feuerwehrdienst zu verbessern. Auch deshalb habe die Hansestadt über eine Tochtergesellschaft den Bau von 20 Wohnungen speziell für Feuerwehrleute neben der Feuerwache Lüneburg-Mitte finanziert. „Das war eine bewusste Investition, denn eine hauptamtliche Feuerwehr können und wollen wir uns nicht leisten.“

Verbesserte Strukturen und effizientere Abläufe verspricht sich Lüneburgs Landrat Manfred Nahrstedt von der Kooperativen Leitstelle, die den Einsatz der Polizei und der ehrenamtlichen Helfer koordinieren soll. Noch seien die dafür benötigten Räume allerdings nicht fertig, „obwohl die Landesmittel bereitstehen, und auch der Kreistag den Kreisanteil von 900000 Euro beschlossen hat“. Spätestens im Herbst 2015, hofft Nahrstedt, sei die neue Leitstelle bezugsfertig.

Kreisbrandmeister Torsten Hensel gab dem Chef der Kreisverwaltung noch einen weiteren Wunsch mit auf den Weg: „Die halbe Stelle des IT-Beauftragten für die Feuerwehren reicht vorne bis hinten nicht.“ Das Ziel müsse eine ganze Stelle sein, um die Wehren technisch auf Stand zu halten.

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