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Natur- und Landschaftführerin Sabine Wittkopf begleitet Besucher regelmäßig zur Stixer Wanderdüne und zeigt dort Ungewöhnliches, etwa die Kiefern, die nicht klein gewachsen sind, sondern bis zur Krone im Sand stecken. Foto: dth
Natur- und Landschaftführerin Sabine Wittkopf begleitet Besucher regelmäßig zur Stixer Wanderdüne und zeigt dort Ungewöhnliches, etwa die Kiefern, die nicht klein gewachsen sind, sondern bis zur Krone im Sand stecken. Foto: dth

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dth Stixe. Die Katastrophe zeichnet sich ab: Wenn der Wind dauerhaft von Süd-Westen kommt, wird die Stixer Wanderdüne den Ort Laave überrollen grob über den Daumen gepeilt in rund 150000 Jahren. Pro Jahr bewegt sich das 9,5 Hektar große Naturdenkmal um zirka zwei Zentimeter. Im Spätmittelalter war der sogenannte Flugsand, den einst die Elbe schon in der Eiszeit mit sich gebracht hatte, tatsächlich ein Problem. „Es ist urkundlich belegt, dass der Ort Ramm im 16. Jahrhundert aufgegeben wurde, weil die Bevölkerung des Sandes nicht mehr Herr wurde, der sich durch den Wind zunehmend auf Straßen und Felder gelegt hatte“, sagt Natur- und Landschaftsführerin Sabine Wittkopf. Mit Hilfe von Kiefern wird der Sand mittlerweile im Zaum gehalten.

Die Stixer Wanderdüne in der Gemeinde Amt Neuhaus ist der Überrest einer weiten Dünenlandschaft von Preten bis Wehningen und bietet von ihrem Scheitelpunkt aus einen ungewöhnlichen Ausblick. Rundherum laden zudem Kiefernwald und Laaver Moor zum Wandern ein.

Wittkopf: „Die Stixer Wanderdüne ist sehr, sehr trocken, aber auch sehr, sehr artenreich und interessant. Das war hier über Jahrhunderte alles Dünen- und Heidelandschaft. Erst ab 1750 haben die Menschen hier erkannt, dass man Dünen mit Kiefern sichern kann, und haben dieses Gebiet aufgeforstet“, sagt Wittkopf. Ein Teilgebiet lässt aber weiterhin keine Humusbildung zu und somit auch kein Baumwachstum. Dafür finden sich in dem kargen Areal der offenen Düne einige Lebensraum-Spezialisten, über die die Naturführerin Besucher gerne aufklärt, sei es über die Sand-Segge, die wegen der reihenförmigen Grasanordnung auch „Nähmaschine Gottes“ genannt wird, bis hin zum Ameisenlöwen, einer aus Ameisensicht sehr hinterhältigen Insektenlarve.

Zu den Spezialisten in der Vogelwelt gehört an der Stixer Wanderdüne beispielsweise die Heidelerche, der Bodenbrüter baut sein Nest direkt auf dem warmen Sand. Noch seltener als die Heidelerche ist der Ziegenmelker, der mauzende Schreie von sich gibt. Das Gefieder der Nachtschwalben-Art, die sich meist von Ende Mai bis Anfang August in unseren Breitengraden aufhält, ist so gefärbt, dass sie auf einem Baum sitzend von der Rinde nur schwer zu unterscheiden ist. Wittkopf: „Wir sind sehr froh, dass wir im Bereich des Dünengürtels wieder einzelne Brutpaare haben.“

Je mehr man sich bei der kurzen Wanderung dem Dünenkopf nähert, desto mehr Kiefern sind am Wegesrand zu sehen, deren Grün beinahe auf dem Boden aufsetzt. „Das sind keine kleingewachsenen Zwergkiefern“, sagt Wittkopf, „sondern richtig große, die vom Sand bis zur Krone zugeweht worden sind, der hier immer noch in Bewegung ist.“ Manche Kiefern werden mit der Situation nicht fertig und sterben ab. Das Totholz aber bleibt in dem Naturschutzgebiet erhalten als Lebensraum für eine Vielzahl von Insekten.

Mit dem Sand arrangiert hat sich der Ameisenlöwe, der auch in der Nähe der Aussichtsplattform lauert. Die Larve der Ameisenjungfer, ein libellenähnliches Insekt, baut im Sand einen Trichter und wartet im Boden der Grube darauf, dass etwa eine Ameise hineinrutscht. Dann bewirft der Ameisenlöwe sie mit Sand, bis sie sich nicht mehr rühren kann, beißt zu und zieht die Ameise in den Untergrund. Spaziergänger hingegen haben von dem Ameisenlöwen, der nun bereits in den Winterschlaf übergeht, nichts zu befürchten. Stattdessen können Besucher dort eine großartige Stille genießen.

Startpunkt für den Spaziergang zur Stixer Wanderdüne ist der Wanderparkplatz an der Bundesstraße 195 zwischen Zeetze und Stixe (Geokoordinaten 53.212825, 11.020149). Es gibt zudem einen größeren beschilderten Wanderrundweg über rund sieben Kilometer, der nicht nur über die Düne führt, sondern auch entlang dem Laaver Moor, einem der wenigen Moorgebiete im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Auf der Hälfte der ausgeschilderten Strecke liegt auch ein Gasthaus zum Rasten. Für die Tour sind rund 2,5 Stunden einzuplanen.

Für Interessierte bietet Landschaftsführerin Sabine Wittkopf noch einen Extra-Termin für eine geführte Wanderung an „Vom Sand zum Moor“ am Sonnabend, 13. September, ab 14 Uhr. Treffen ist auf dem Wanderparkplatz. Erwachsene zahlen für die dreistündige Tour fünf Euro, Kinder nichts. Anmeldung unter Tel.038841/61377.

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