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Organe für Transplantationen dürfen erst bei einem nachgewiesenen Hirntod entnommen werden. Das könnte Probleme bei Betroffenen geben, die eine Patientenverfügung haben. Foto: A./be
Organe für Transplantationen dürfen erst bei einem nachgewiesenen Hirntod entnommen werden. Das könnte Probleme bei Betroffenen geben, die eine Patientenverfügung haben. Foto: A./be

Das Dilemma mit der Organspende

rast Lüneburg. Viele Menschen haben mittlerweile eine Patientenverfügung verfasst oder tragen sich mit dem Gedanken, eine solche Vollmacht aufzusetzen. Was oft übersehen wird: Wer gleichzeitig einen Organspendeausweis hat, muss aufpassen, dass sich die Dokumente nicht gegenseitig aufheben. Die Notarkammer Celle, der die in Hansestadt und Landkreis Lüneburg zugelassenen Notare angehören, haben Tipps, wie man Patientenverfügung und Organspendeausweis rechtssicher miteinander kombiniert.

Patientenverfügungen helfen, wenn der Patient aufgrund akuter Verletzung oder Erkrankung nicht mehr in der Lage ist, seinen Willen gegenüber dem Arzt zu äußern. In einer Patientenverfügung kann vorab bei vollem Bewusstsein bestimmt werden, welche Behandlungen der Patient wünscht und welche nicht. Außerdem bestimmt der Patient eine Person seines Vertrauens, die ihn gegenüber Ärzten vertritt. Viele Betroffene wünschen, nicht mehr bis zur letzten Konsequenz mit den Mitteln der „Apparatemedizin“ behandelt zu werden. Sie möchten in Würde sterben und lehnen lebensverlängernde, intensivmedizinische Maßnahmen ab.

Wenn der Patient aber gleichzeitig Organspender ist, ist die Situation problematisch. Denn Organe für Transplantationen dürfen erst bei einem nachgewiesenen Hirntod entnommen werden. Um das Absterben der Organe zu verhindern und ihre Transplantationsfähigkeit zu erhalten, müssen die Lebensfunktionen des Organspenders bis dahin künstlich mit Hilfe von Maschinen aufrechterhalten werden. Eine Organentnahme kann ohne eine intensivmedizinische Behandlung nicht durchgeführt werden.

Hat sich der Betroffene nun gegen lebensverlängernde Maßnahmen entschieden, muss die Vertrauensperson den Konflikt zugunsten der Patientenverfügung auflösen. Die behandelnden Ärzte wiederum sind verpflichtet, die Anweisungen der Vertrauensperson zu befolgen. Es ist nicht erlaubt, die Bereitschaft zur Organspende höher zu bewerten als die in der Patientenverfügung niedergelegten Behandlungswünsche.

Damit Vertrauenspersonen und Ärzte ihre Entscheidungen nicht vor diesem rechtlichen und ethischen Dilemma treffen müssen und damit der Wille des Patienten durchgesetzt werden kann, sollte der Betroffene seine Patientenverfügung so gestalten, dass seine Bereitschaft zur Organspende berücksichtigt wird.

Wichtig ist eine eindeutige Regelung, die es Ärzten gestattet, Lebensfunktionen bis zur Organentnahme kurzfristig aufrecht zu erhalten, sofern der Patient als Organspender in Betracht kommt.