Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Sieht schön aus, bedeutet aber für die Bienen Schwerstarbeit: die Heideblüte. Foto: dth
Sieht schön aus, bedeutet aber für die Bienen Schwerstarbeit: die Heideblüte. Foto: dth

Goldene Tropfen aus lila Blütenmeer

dth Niederhaverbeck/Lüneburg. Für die Imker in der Region war das bisherige Honig-Jahr allenfalls eher durchschnittlich. Eine Ausnahme dürften diesmal die Heide-Imker darstellen, die Tendenz bei der bisherigen Ausbeute zeigt steil nach oben. Die Grundlage hat der Verein Naturschutzpark (VNP) Lüneburger Heide geschaffen mit der Pflege der in Mitteleuropa größten zusammenhängenden Besenheide-Flächen. „Der Pflegezustand der Heide ist so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, sagt VNP-Geschäftsführer Mathias Zimmermann. Auch wegen der günstigen Witterung „honigt“ die Calluna „so gut, wie lange nicht“, sagt Imkermeister Wolfgang Stöckmann aus Gödenstorf in der Samtgemeinde Salzhausen. Sein Betrieb unterhält die meisten Bienenvölker im vom VNP gepflegten Naturschutzgebiet. Auch Ludwig Schwab, Honigobmann des Lüneburger Kreisimkervereins, versucht mit seinen Bienen sein Glück in der Heide.

Arbeiten gut zusammen (v.l.): Imkermeister Wolfgang Stöckmann und Wanderwart vom Bispinger Imkerverein Dieter Möbius auf der einen Seite sowie Stefan Wormanns und Michael Looß vom Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide. Foto: dth
Arbeiten gut zusammen (v.l.): Imkermeister Wolfgang Stöckmann und Wanderwart vom Bispinger Imkerverein Dieter Möbius auf der einen Seite sowie Stefan Wormanns und Michael Looß vom Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide. Foto: dth

Mit einer „Honig-Spende“ als symbolische Geste sprachen jetzt Vertreter der Heide-Imker in Niederhaverbeck dem VNP ihren Dank für die gute Zusammenarbeit aus. „Insgesamt wandern auf den Heideflächen des VNP rund 2500 Bienenvölker ein“, sagt Stefan Wormanns, der für den VNP zusammen mit den Wanderwarten der Imkervereine koordiniert, welcher Imker wo einen Stellplatz für seine Bienenstöcke erhält. Allein 360 Bienenvölker lässt Stöckmann in der zentralen Lüneburger Heide fliegen, hinzu kommen weitere Standorte in der Südheide und vereinzelte Heideflächen auf Sylt, sodass er insgesamt auf rund 1000 Völker komme. Stöckmann rechnet in der zentralen Lüneburger Heide mit einem Ertrag von bis zu 20 Kilogramm Heide-Honig pro Bienenstock.

Das bestätigt auch Dieter Möbius, Wanderwart der Bispinger Imker. Sonst liegt die Minimal-Ernte bei fünf bis sechs Kilo Heide-Honig pro Stock. „Wirklich Bilanz ziehen kann man aber erst, wenn der Honig geschleudert wurde.“ Frühestens Ende September, Anfang Oktober wird der Heide-Honig von diesem Jahr bei vielen Imkern zum Verkauf stehen. Scheibenhonig gibt bereits jetzt.

Eine Biene leckt Honig vom Finger eines Imkers. Foto: dth
Eine Biene leckt Honig vom Finger eines Imkers. Foto: dth

Gespannt erwartet die Bilanz auch Ludwig Schwab. Der Honig-Obmann des Kreisimkervereins Lüneburg hat sich mit seinen Bienen seit über 18 Jahren ebenfalls einen Platz in der Heide bei Schneverdingen gesichert. „Meine Bienen fliegen auf eine der ehemaligen Roten Flächen, wo früher die Briten die Landschaft mit Panzerketten zermahlen haben und der VNP wieder eine blühende Heidelandschaft geschaffen hat.“ Auch Schwab erwartet eine „außergewöhnlich gute Ernte“. Nur rund zehn Prozent der Lüneburger Kreisimker gehen mit ihren Völkern in die Heide und erleben mit der Verlängerung des Bienenjahres nun einen rekordverdächtigen Abschluss.

Dabei hatten die Imker zusätzliche Herausforderungen aufgrund des zuletzt milden Winters zu bestehen, die Bekämpfung der Varroamilbe gestaltete sich schwieriger. Auf der anderen Seite regte das Klima einen frühen und intensiven Brutbeginn der Bienenvölker an. Schwab: „Der Populationszuwachs der Bienenvölker verlief rasant.“ Aber auch die Milben vermehrten sich und bis zum Abschluss der Honigernte dürfen sie nicht mit organischen Säuren bekämpft werden.

Schwab: „Die Frühjahrssaison fiel befriedigend aus, die Sommerhonigernte befriedigend bis gut.“ Imker, die nicht auf die Heide setzen, haben bereits nach Ende der Lindenblüte wieder mit der Milbenbekämpfung begonnen und bereiten ihre Völker seit Ende Juli auf den bevorstehenden Winter vor.

Die Heide-Imker sind zwei Monate später dran und freuen sich jetzt über die gute Ausbeute. Imkermeister Stöckmann sagte: „Der VNP hilft, unseren Berufsstand zu erhalten, indem die fleißigen Frauen und Männer des Vereins tagtäglich die Heideflächen pflegen.“ Die 5500 Hektar Heide im Naturschutzgebiet hat Dirk Mertens, VNP-Bereichsleiter „Offenlandpflege und Naturschutz“, in rund 4500 Einzelflächen zur Pflege unterteilt, auf denen mal gemäht, geplaggt, gebrand oder geschoppert werden muss, um die Besenheide jung zu halten.

Zu den fleißigen Bienchen des VNP gehört auch Michael Looß, der etwa für die Gehölz­entnahme zuständig ist, damit sich die Heide nicht in einen Wald verwandelt. Er nahm den Imker-Dank stellvertretend entgegen. Manche Flächen hingegen wie Toten- oder Steingrund sowie rund um den Wilseder Berg können auch für die Bienen nur mit den zahlenmäßig stärksten Landschaftspflegern des VNP in Schuss gehalten werden: den Heidschnucken.

Schwerstarbeit
Während Wanderer in der Heide-Landschaft maximale Erholung und Ruhe suchen, bedeutet die Heideblüte für manches Bienenvolk Stress pur. Sie gehen derart geschwächt aus der lila Saison hervor, dass Imker anschließend mehrere Völker zusammenlegen müssen, um sie über den Winter zu bringen. Ein Verlust von um die 30 Prozent des Bestandes pro Bienenvolk sind keine Seltenheit. Dabei kommen mehrere Stressfaktoren zusammen: Zum einen müssen die Insekten eine größere Zahl der kleinen Heideblüten für den gleichen Ertrag anfliegen, zum anderen reißen die Bienen sich an den holzigen Stängeln die Flügel kaputt oder landen in den vielen Spinnennetzen.
Ausstellung Für 500 Gramm Honig legen Bienen eine Gesamtflugstrecke von etwa der dreimaligen Umrundung des Äquators zurück. Bienenvölker sind jedoch nicht nur wichtig für die Honigproduktion, sondern leisten auch eine ökologisch und ökonomisch wichtige Arbeit durch ihre Bestäubungsleistung. Einblicke in die emsige Bienenwelt können Besucher bei dem diesjährigen „Tag der offenen Tür“ im Institut für Bienenkunde Celle (IB Celle) des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) erhalten. Termin ist am Sonntag, 7. September, von 10.30 Uhr bis 17 Uhr. Die Institutsgebäude liegen direkt am Rande der Celler Altstadt im Französischen Garten, Herzogin-Eleonore-Allee 5. Noch bis zum 15. Oktober ist das Naturinformationshaus des Vereins Naturschutzpark in Niederhaverbeck für Besucher und Schulklassen geöffnet und widmet sich mit der Multimedia-Ausstellung „Bienenwelten“ den lebenswichtigen Nutztieren. Das Haus ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Besuchergruppen oder Schulklassen melden sich an unter % 05198 / 9870-30. Weitere Infos: www.verein-naturschutzpark.de.