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Mindestens fünf Patronenhülsen haben die Beamten am Tatort gefunden. Sie haben alle dasselbe Kaliber. Foto: ca
Mindestens fünf Patronenhülsen haben die Beamten am Tatort gefunden. Sie haben alle dasselbe Kaliber. Foto: ca

Schießerei vor der Klinik + + + Tatverdächtiger wieder auf freiem Fuß + + + Ermittlungen gehen weiter + + + Video zur Pressekonferenz

lz Lüneburg. An der Auseinandersetzung vor dem Klinikum war ein Polizeischüler beteiligt. Diese LZ-Information ist aus Kreisen der Polizei und Justiz gerade bestätigt worden. Dabei handelt es sich um den Mann, der von der Lüneburger Polizei am Wochenende als tatverdächtig festgenommen worden war. Allerdings reichten die Beweise gegen den 31-Jährigen nicht aus, so dass die Staatsanwaltschaft keinen Haftbefehl gegen den Beschuldigten beantragt hatte. Er kam wieder auf freien Fuß. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Verdächtige nicht geschossen hat.

Wie berichtet: Zwei verfeindete Familien mit ausländischen Wurzeln sind am Sonnabend vor dem Klinikum aufeinander losgegangen. Schüsse fielen, drei Männer wurden getroffen, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Die Polizei zog Spezialkräfte zusammen, mit Maschinenpistolen bewaffnete Beamte sicherten den Zugang zum Krankenhaus. Auch in den kommenden Tagen werden Polizisten vor Ort sein. Ermittler nahmen inzwischen einen Tatverdächtigen fest. Ob er geschossen hat, sei unklar, hieß es. Oberbürgermeister Ulrich Mädge sieht nun Polizei und Justiz gefordert, damit sich solche Vorfälle nicht wiederholen, denn es bestehe die Gefahr, dass die Beteiligten auf Rache sinnen.

Für die Polizei ist klar, das war ein gezielter Anschlag, der schlimme Höhepunkt einer Familienfehde am Wochenende in Lüneburg. Ermittelt wird wegen versuchten Totschlags.

Nachdem am Freitag der Streit zwischen Angehörigen zweier seit mindestens vier Jahren  verfeindeter Lüneburger Familien in einem Fitnessstudio am Pulverweg blutig endete, zwei Schwerverletzte ins Klinikum eingeliefert wurden, sammelten sich Angehörige beider Familien am Krankenhaus. Die Polizei fuhr zur Sicherheit ein Großaufgebot mit Streifenwagen aus der ganzen Region auf.

Am Sonnabend eskalierte die Lage weiter, als gegen 15 Uhr Angehörige der beiden Familien in der Nähe des Klinikums aufeinander trafen. Es fielen Schüsse, drei Männer wurden getroffen, schwer verletzt. Es sollen sich wahre Jagdszenen abgespielt haben. Zur Sicherheit wurden die Polizeikontrollen wieder massiv hochgefahren.

Für alle Patienten und Mitarbeiter des Krankenhauses, das betonten gestern alle Verantwortlichen bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, habe zu keiner Zeit  eine Gefahr bestanden, die Polizei habe die Lage im Griff, die Kontrollen bestehen fort, das Klinikum sei natürlich offen.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge betonte bei der Pressekonferenz von Stadt, Polizei, Staatsanwaltschaft und Klinikum, dass die Brutalität ein Maß erreich habe, die den Rechtsstaat fordere und die nicht mit Sozialarbeit allein begegnet werden könne.  ,,Das haben wir hier in Lüneburg so nicht gekannt.“ Gleichzeitig warnte er davor, den Stadtteil Kaltenmoor, in dem Angehörige der beiden Familien wohnen, zu stigmatisieren.

Das unterstrich auch Steffen Grimme, Einsatzleiter Lüneburger Polizei. Doch zu den Vorfällen sagt: ,,Das waren gezielte Anschläge, die Auseinandersetzung hat eine traurige Qualität erreicht.“ Allerdings räumte er auch ein: Der Grund für die Fehde sei auch der Polizei bis heute nicht bekannt.

Oberstaatsanwältin Angelika Klee: „Wir ermitteln auf Hochtouren und prüfen, ob ein Haftbefehl gegen den festgenommenen 31-Jährigen beantragt wird.“

Chefarzt Prof. Torsten Kucharzik: Die drei durch Schüsse schwerverletzten Opfer seien zu keiner Zeit in akuter Lebensgefahr gewesen. Personal und Klinikleitung hätten die  Lage trotz der widrigen Umstände jederzeit im Griff. „Das Klinikum ist geöffnet, die Sicherheit gegeben.“ Das bestätigen auch die Kommentare auf der LZ-Facebook-Seite von Nutzern, die Sonnabend im Klinikum Patienten besucht haben. Teils hieß es, aufgrund der Polizeipräsenz habe man sich noch nie so sicher gefühlt.

Die Polizei ist weiter am Klinikum stationiert, aber nur zur Kontrolle. Die Verletzten seien isoliert auf einer Station untergebracht. Besucher würden gegebenenfalls durchsucht.

 

Ausführliche Berichte finden Sie in der LZ