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Vorsicht, giftig: Der Pilz-Sachverständige Bernhard Frank aus Radbruch zeigt zwei gefährliche Exemplare: Der Pantherpilz (l.) und Der Grüne Knollenblätterpilz sehen dem Perlpilz und dem Champignon zum Verwechseln ähnlich. Erstere sind tödlich, letztere äußerst schmackhaft. Foto: t&w
Vorsicht, giftig: Der Pilz-Sachverständige Bernhard Frank aus Radbruch zeigt zwei gefährliche Exemplare: Der Pantherpilz (l.) und Der Grüne Knollenblätterpilz sehen dem Perlpilz und dem Champignon zum Verwechseln ähnlich. Erstere sind tödlich, letztere äußerst schmackhaft. Foto: t&w

Tödliche Gefahr im Wald

emi Lüneburg. Schwülwarme Temperaturen, Regen, hin und wieder Nebel: „Jetzt ist eine tausendprozentig gute Zeit für Pilze“, sagt der Radbrucher Bernhard Frank, Sachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Doch wo viele Pilze sind, steigt auch die Gefahr. Die Zahl der schweren Pilzvergiftungen in Deutschland hat zugenommen: 2013 mussten gut 41 Prozent mehr Fälle im Krankenhaus behandelt werden als im Jahr zuvor. Allein in Niedersachsen landeten sechs Sammler in der Klinik vier mehr als 2012. Das geht aus aktuellen Daten der DAK-Gesundheit hervor. Und auch in diesem Jahr steht das Notruf-Telefon nicht still. Laut Andreas Schaper gingen im August dieses Jahres mit 80 Anrufen doppelt so viele ein wie 2013. „Ein exzellentes Pilzjahr führt auch zu vielen Pilzvergiftungen“, erklärt der stellvertretende Leiter am Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen.

Frank bestätigt: „Wenn viele Pilze da sind, werden die Leute neugierig und gehen raus, obwohl sie sich schon lang nicht mehr mit dem Thema beschäftigt haben. Und dann werden sie unvorsichtig.“ Angelesenes Wissen aus Büchern reiche jedoch nicht aus, um Pilze sicher bestimmen zu können. Denn viele Speisepilze haben giftige Doppelgänger. „Und die muss man kennen.“

Besonders viele Probleme verursacht laut Frank der Grüne Knollenblätterpilz. Er werde häufig mit dem Champignon verwechselt mit fatalen Folgen. „Der Knollenblätterpilz geht auf die Innereien, auf die Leber“, sagt der 60-jährige Radbrucher. Und Schaper ergänzt: „Charakteristisch sind Magen-Darm-Beschwerden, die nicht sofort, sondern erst nach Stunden eintreten.“

Wer nach einer Pilzmahlzeit unter Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen leidet, sollte sich an den Giftnotruf wenden. „Wenn der Verdacht auf eine Vergiftung besteht, sollte man sofort ins Krankenhaus gehen“, sagt Schaper. „Ein Knollenblätterpilz ist potenziell tödlich.“

Keinesfalls sollten Betroffene in Eigenregie mit Medikamenten experimentieren, warnen Ärzte. Schaper: „Man kann ein halbes Glas Wasser trinken.“ Im Vergiftungsfall sei es hilfreich, Teile des Pilzes aufzuheben, damit er bestimmt werden kann, fügt Frank hinzu. Die beiden Experten warnen ausdrücklich: „Man sollte niemals Pilze essen, die man nicht kennt.“
Wer gern Pilze sucht, sollte laut Frank außerdem weitere Regeln beachten: „Pilze nicht herausreißen, sondern mit der Messerspitze unter dem Stiel herausheben. Sich achtsam in der Natur verhalten, nicht die Ruhe im Wald stören. Keine Massen sammeln. Nur die Pilze abschneiden, die man kennt. Kennt man sie nicht, wenige zur Bestimmung mitnehmen.“

Für Interessierte bietet der Sachverständige am Wochenende zwei etwa dreistündige Pilzlehrwanderungen an. Start ist jeweils um 10 Uhr. Treffpunkt am Sonnabend, 13. September, ist der erste Parkplatz an der L221 von Lüneburg in Richtung Neetze vor dem Sendeturm. Am Sonntag, 14. September, geht es los vom Waldparkplatz zwischen Dachtmissen und Einemhof. Teilnahme für Kinder kostenlos, Erwachsene werden um eine Spende gebeten. Anmeldung nicht erforderlich.

Mehr Informationen bei Bernhard Frank unter Tel.0160/98003795.
Der Giftnotruf ist rund um die Uhr erreichbar unter: Tel.0551/19240.

Giftpilze

fliegenpilz
Der Fliegenpilz muss nicht immer rot sein, es gibt auch die orangefarbene Variante. Giftig ist er so oder so.

Kahle
Der Kahle Krempling wird auch als empfindlicher Kremp-ling bezeichnet. Bei Druck verfärbt er sich braun.

Foto: t&w Pilzsachverständiger Bernhard Frank  mit giftigen Pilzen Risspilz
Risspilze riechen erdig bis muffig. Alle Arten der Gattung sind giftig, besonders der Ziegelrote Risspilz.

Speisepilze

steinpilz
Der Steinpilz gilt als einer der edelsten und begehrtesten Speisepilze in Deutschland. Er ist vielseitig verwendbar.

pfifferling
Der Pfifferling ist fruchtig im Geruch, aber scharf im Geschmack. Beliebt für Risotto und Sahnesoße.

Röhrlinge sind gute Pilze für angehende Sammler
Die Marone gehört zur Familie der Röhrlinge und wird häufig mit dem Steinpilz verwechselt. Essbar sind beide.

2 Kommentare

  1. Danke für die eindeutigen Bilder der Speise- und auch Giftpilze!
    Hier in Sachsen wachsen sie leider auch gut, die hoch giftigen Pilze.
    Doch was ich nicht kenne… oder erkenne nehme ich gar nicht erst mit.
    Maronen, Steinpilze und Pfifferlinge sind eh meine Lieblingsspeisepilze.
    Ich kann nur raten : Keine Sammelwut…nur ausgesuchte Pilze mitnehmen die man 100 ./. kennt damit das nicht
    100 ./. danbeben geht! Ein interessanter Beitrag.
    Viele Grüße, Sonja Haase

  2. Rund um Melbeck hat man bis Mitte der 70er den Kahlen Krempling gegessen, manchmal in großen Mengen, denn er ist – vor allem als junger Pilz- wohlschmeckend. Er sieht auch in den meisten Fällen besser aus als auf dem Foto hier. Dann kam auf, dass der Krempling zwar nicht sofort giftig ist, sondern sich das Gift im menschlichen Körper anreichert und der Verzehr so langfristig negative Auswirkungen hat…