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Fünf Tage nach dem Höchststand des Hochwassers 2013 sind die Schäden am Deich in Barförde deutlich zu sehen. Bei der Deichverteidigung haben die schweren Maschinen tiefe Fahrrinnen in die Deichkrone gedrückt. Foto: nh/hilmer
Fünf Tage nach dem Höchststand des Hochwassers 2013 sind die Schäden am Deich in Barförde deutlich zu sehen. Bei der Deichverteidigung haben die schweren Maschinen tiefe Fahrrinnen in die Deichkrone gedrückt. Foto: nh/hilmer

Zurück zur Deichsicherheit

off Barförde. Mehr als ein Jahr nach der Hochwasserkatastrophe 2013 haben gestern die Reparaturarbeiten am Elbdeich in Barförde begonnen. Rund 253000 Euro Fördermittel aus dem Fonds „Aufbauhilfe“ werden in den kommenden Wochen in die Instandsetzung der fünf Deichkilometer von Barförde bis Garlstorf fließen der erste von insgesamt fünf Bauabschnitten. Bis spätestens Ende September 2015 sollen auf den gesamten 26 Kilometern zwischen Artlenburg und Bleckede alle Schäden an den Deichen beseitigt sein. Und nicht nur das: Der Deich wird stellenweise auch erhöht, „um maximal bis zu 30 Zentimeter“, sagt Heiko Warnecke vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN).

Gerne hätte der Artlenburger Deichverband seine Bauwerke noch weiter erhöht. „Doch das lässt die Konstruktion nicht zu“, erklärt Warnecke. Um die Deichsicherheit zu gewährleisten, muss die Neigung von 1:3 beibehalten werden. „Bei einer Erhöhung um bis zu 30 Zentimeter verringert sich damit die Breite der Deichkrone von aktuell 5 auf künftig 3,50 Meter“. Die Mindestbreite, die zur Deichunterhaltung notwendig ist. Sollen die Elbdeiche noch höher werden, gibt es nur eine Möglichkeit: die Anpassung des gesamtes Deichkörpers.

Letzte Besprechung aller Beteiligten vor dem Start der Reparaturarbeiten (v.l.): Hartmut Burmester, Matthias Evers, Norbert Thiemann und Heiko Warnecke. Foto: t&w
Letzte Besprechung aller Beteiligten vor dem Start der Reparaturarbeiten (v.l.): Hartmut Burmester, Matthias Evers, Norbert Thiemann und Heiko Warnecke. Foto: t&w

Ob die eines Tages tatsächlich notwendig wird, diskutieren die Verantwortlichen derzeit auf länderübergreifender Ebene. „Dort wird das Bemessungshochwasser und damit die Grundlage für die Deichhöhen neu berechnet“, erklärt Deichhauptmann Hartmut Burmester. Warten können der Barförder und der Geschäftsführer des Artlenburger Deichverband, Norbert Thiemann, auf die Ergebnisse allerdings nicht. „Die Schäden müssen jetzt dringend repariert werden, damit die Hochwassersicherheit gewährleistet werden kann“, betont Thiemann.

Umsetzen wird der Deichverband und Auftraggeber die Arbeiten mit dem NLWKN als Planer, der Deichbaufirma Jesch­ke und Hendrik Hilmer von der Firma Ad Aqua Projektsteuerung. Das Problem nach dem letzten Hochwasser: „Die schweren Maschinen haben bei der Deichverteidigung Fahrspuren von bis zu einem halben Meter in die Deichkronen gefahren“, erklärt Wasserbauexperte Warnecke. Schäden, die unter dem Gras inzwischen zwar kaum noch zu sehen sind im Ernstfall aber die Deichsicherheit beeinträchtigen.

Mit insgesamt 5000 Kubikmeter Kleie rund 500 Lkw-Ladungen voll werden die Rinnen zwischen Barförde und Garlstorf nun aufgefüllt, der Deichkörper stellenweise um bis zu 30 Zentimeter erhöht. „Dafür muss die Grasnarbe auf dem gesamten Stück abgefräst werden“, erklärt Warnecke. Ein Anblick, der eher an Zerstörung als an Instandsetzung erinnern wird. „Doch nur so wird der Aufbau stabil“, versichert der Fachmann vom NLWKN.

Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt, den Deichkilometern mit den schwersten Schäden, sollen bereits in drei Wochen beendet sein. „Wenn das Wetter mitspielt, werden wir noch in diesem Jahr den zweiten Abschnitt zwischen Bleckede und Radegast anpacken“, sagt Projektplaner Hendrik Hilmer. Ausgeschrieben ist die Maßnahme bereits, am 18. September entscheidet sich, wer den Zuschlag erhält. „Nächstes Jahr folgen dann die letzten drei Abschnitte, womöglich sogar alle auf einmal“, sagt Hilmer. „Spätestens Ende September 2015 muss die Gesamtmaßnahme abgeschlossen sein.“

Zur Finanzierung aller fünf Bauabschnitte erhält der Deichverband aus dem Fördertopf „Aufbauhilfe“ 5,1 Millionen Euro weniger als gehofft. Geplante Arbeiten wie der Bau zusätzlicher Deichauffahrten zur besseren Deichverteidigung mussten vorerst gestrichen werden. „Aufgeben werden wir die Planung deshalb nicht“, sagt Thiemann. „Wir werden versuchen sie aus einem anderen Fördertopf zu finanzieren.“

Deichhauptmann Burmester ist trotz mancher Abstriche „froh, dass wir endlich loslegen können“. Die Zeit des Wartens und der Verhandlungen sei nervenaufreibend gewesen, sagt er. „Mit den Reparaturen werden wir ein großes Stück an Deichsicherheit zurückgewinnen.“