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„… und dann hat es bumm gemacht“

rast Lüneburg. ,,Wir zogen zu zweit den Bollerwagen, unterhielten uns. Ich hörte einen Ruf, drehte den Kopf zur Seite, hörte einen Knall  in dem Moment zogs mir auch schon die Beine weg. Ich bin auf die Straße geknallt.“ Dass er über die Windschutzscheibe eines Skoda Octavia geflogen sein soll, der laut Staatsanwaltschaft am Rosenmontag mit hohem Tempo gegen den Bollerwagen in einer Gruppe von Karnevalisten raste, daran konnte sich der Faslamsbruder gestern vor der 4. Großen Strafkammer am Landgericht Lüneburg nicht mehr erinnern. Der Mann wurde nach dem Unfall mit einem Nasenbeinbruch, einer extrem verschobenen Nasenscheidewand, einer Platzwunde über dem rechten Auge sowie etlichen Prellungen und Abschürfungen mit dem Rettungshubschrauber in ein Hamburger Krankenhaus geflogen.

Ein 45 Jahre alter Boizenburger muss sich in einem Sicherungsverfahren wegen versuchten Totschlags, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten, die Staatsanwaltschaft strebt seine Unterbringung in der Psychiatrie an.

Bei der Tat am 3. März gegen 14 Uhr auf dem Sportplatzweg im Winsener Ortsteil Stöckte wurde auch ein zweiter Karnevalist schwer verletzt, der den Bollerwagen als Spitze eines Zuges mehrerer Faslamsbrüder mitzog. Der 57-jährige Telekommunikationstechniker erzählte gestern: ,,Plötzlich bin ich zur Seite geschoben worden und gegen etwas geknallt. Ich dachte nur: Hoffentlich lande ich weich, sonst ist es vorbei.“ Gelandet sei er in einem nassen Graben. Sein linkes Sprunggelenk war gebrochen, eine Wunde am Kopf musste mit sechs, eine am Gesäß mit sieben Stichen genäht werden. Er ist immer noch arbeitsunfähig geschrieben, wird in seinem Job nicht mehr arbeiten können.

Der Angeklagte machte am zweiten Prozesstag erstmals Angaben zu dem Vorwurf. Es habe sich um ,,Missverständnisse“ gehandelt. Die Faslamsbrüder hätten Wegezoll von ihm verlangt: ,,Jemand trat an mein Fenster. Ich fühlte mich bedrängt.“ Vor seinem Auto hätten sich Männer hingesetzt: ,,Das hat mich verwirrt.“ Er habe Angst gehabt, dass die Männer an seinem Wagen ,,rumschaukeln“: ,,Ich war allein, alles, was ich hatte, war mein Wagen. Das war alles so unübersichtlich, ich wollte nur noch raus.“ Er sei losgefahren: ,,Ich habe einige Grüppchen mit dem Auto umschlängelt  und dann hat es bumm gemacht. Die Leute haben sich leichtsinnig selbst in Gefahr gebracht.“ Dann sei er ausgestiegen: ,,Da war eine wild gewordene Masse, die auf mich zurannte.“ Er habe einen ,,verbalen Warnschuss“ abgegeben und geschrien: ,,Ihr werdet eh morgen alle sterben.“

Bereits gegen Mittag fiel der 45-Jährige an diesem Tag auf: Laut Gerichtsakten hatte er in einer Winsener Postfiliale Randale gemacht, die Angestellten angepöbelt.

Auf die schnorrenden Karnevalisten traf er, nachdem er an dem nahe des Sportplatzweges gelegenen Haus war, in dem seine Frau wohnt, von der er seit 2012 getrennt lebt. Von 1999 an hatte er mit ihr dort gewohnt. Sie habe damals mit ihm Schluss gemacht  ebenso wie eine spätere Lebensgefährtin.

Der Prozess wird nächsten Montag fortgesetzt.