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Das Interesse an der Info-Veranstaltung der Gemeinde in der Westergellerser Schulsporthalle war so groß, dass viele Zuhörer vom Flur aus lauschen mussten. Sie waren der Einladung der Gemeinde und der Bürgerinitiative Keine Trasse durch Gellersen gefolgt. Foto: dth
Das Interesse an der Info-Veranstaltung der Gemeinde in der Westergellerser Schulsporthalle war so groß, dass viele Zuhörer vom Flur aus lauschen mussten. Sie waren der Einladung der Gemeinde und der Bürgerinitiative Keine Trasse durch Gellersen gefolgt. Foto: dth

Widerstand ballt die Faust

dth Westergellersen/Lüneburg. Preisgünstig und dünn besiedelt, das könnte den Ausschlag geben für die Neubau-Trasse der Deutschen Bahn durch den westlichen Landkreis Lüneburg. Dass bei der Auswahl der Strecken-Varianten nicht auch noch das Argument des geringsten Widerstands aus der Bevölkerung eine Rolle spielt, dafür will nun auch die Bürgerinitiative (BI) „Keine Trasse durch Gellersen“ sorgen. Die umstrittene Alternative zur y-förmigen Güterverkehrsstrecke bei Walsrode könnte auch erhebliche Auswirkungen auf die Stadt Lüneburg an der vorhandenen Bahnstrecke Hamburg-Hannover haben. Bei einer Infoveranstaltung in der Westergellerser Turnhalle am Donnerstagabend warb zudem Friedrich Goldschmidt von der Interessengemeinschaft (IG) Bahlburg vor mehr als 400 Zuhörern mit Verve für die Gründung eines Dachvereins der Bahnkritiker.

„Die Bahn ist ein mächtiger Gegner. Wenn wir gegen ihn bestehen wollen, müssen wir ihm als eine starke, gut organisierte Gemeinschaft entgegentreten können“, sagte Goldschmidt von der IG Bahlburg, der im beruflichen Leben den Fachbereich Ordnung beim Landkreis Harburg leitet. Er fasste für die Zuhörer die bisher bekannte Planung der klassischen Y-Trasse sowie der neuen Alternativ-Strecken zusammen. Mit Blick auf die vergleichsweise niedrigen Kosten von 1,4 Milliarden Euro sowie 5000 betroffene Wohneinheiten hätte eine der beiden Neubaustrecken Ashausen-Suderburg oder Ashausen-Unterlüß wohl mit die besten Voraussetzungen auf Umsetzung. Sie würden auch die Samtgemeinden Gellersen und Amelinghausen durchschneiden. Goldschmidt: „Wir müssen der Bahn zeigen, dass es hier aber mehr Raumwiderstände gibt, als sie annimmt.“

Nachdem die Bahn bei einer sogenannten Roadshow durch acht Landkreise die verschiedenen Bahntrassen vorgestellt hatte (LZ berichtete), soll ab Oktober der vom Land Niedersachsen durchgeführte Dialogprozess beginnen. Westergellersens Bürgermeister Hans-Jürgen Nischk, der zu dem Infoabend eingeladen hatte, wusste zum Ablauf schon mehr zu berichten: „Es ist offensichtlich geplant, dass ein Dialogforum mit 80 Mitgliedern gebildet wird. Dazu sollen die betroffenen Landkreise jeweils drei Vertreter entsenden.“ Wie die Bürger dabei eingebunden werden sollen, schien noch unklar.

Die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte (Grüne), die von Nischk als Referentin eingeladen war, sagte auch für ihre im Publikum anwesende Abgeordnetenkollegin Andrea Schröder-Ehlers (SPD): „Wir werden Ihre Anregungen und Kritik mit nach Hannover tragen.“ Dabei scheinen sich die Kritiker noch uneinig über die genauen Forderungen. So sehen etwa Vertreter der BI „Keine Trasse durch Gellersen“ den Ausbau der Bestandsstrecke mit einem vierten Gleis über Lüneburg als Ausweg. Der Ausbau würde aber nicht nur eine Verlegung der Autobahn 39 bei Bardowick oder den Abriss des Winsener Bahnhofs notwendig machen. Goldschmidt: „Das ist eine Liste der Grausamkeiten.“ Deshalb bezeichnete er diese von der Bahn geprüfte Strecke als Streich-Variante. Dazu Schröder-Ehlers: „Den Ausbau der Bestandsstrecke können wir den Lüneburgern nicht antun.“ Stattdessen sollte der Fokus wieder auf das klassische Y gerichtet werden. Denn die mögliche Neubaustrecke durch den Westkreis wäre mit 250 Kilometer in der Stunde befahrbar und interessant für den schnellen Personenfernverkehr. Somit entstünden auch auf der nicht ausgebauten Strecke durch Lüneburg mehr Kapazitäten für den Güterverkehr.

Für Ordnung im Forderungskatalog der Bürgerinitiativen könnte der neue Dachverein sorgen. Der Gründungstermin findet statt am Mittwoch, 17. September, 19.30 Uhr im Dörpshus in Bahlburg (Zollweg 23) im Kreis Harburg.