Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Bernd-Jürgen Strauch und Gustav Rieckmann (v.r.) vom Förderverein Historische Ilmenau beantworten beim Tag des offenen Denkmals die Fragen der Besucher zur Wittorfer Schleuse. Foto: t&w
Bernd-Jürgen Strauch und Gustav Rieckmann (v.r.) vom Förderverein Historische Ilmenau beantworten beim Tag des offenen Denkmals die Fragen der Besucher zur Wittorfer Schleuse. Foto: t&w

Reise in die Vergangenheit der Ilmenau

Beim Tag des offenen Denkmals waren gestern, 14. September, in ganz Deutschland mehr als 7500 Denkmäler für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch in Stadt und Landkreis gewährten zahlreiche Einrichtungen einen Blick hinter die Kulissen. So konnten Interessierte etwa am Schleusengelände in Wittorf das denkmalgeschützte Nadelwehr, den historischen Lüneburger Salz-Ewer und das Bardowicker Museumsschiff „Ilmenau“ besichtigen. In Lüneburg selbst zogen die Häuser Am Berge 36 und an der Salzstraße 26 viele Besucher an.

emi Wittorf. Gebannt lauscht ein kleines Besuchergrüppchen am Ufer der Ilmenau den Erklärungen von Bernd-Jürgen Strauch, in ihrem Rücken liegt im trüben Licht der Vormittagssonne die Wittorfer Schleuse. Der zweite Vorsitzende und seine Mitstreiter vom Förderverein „Historische Ilmenau“ luden gestern an diesen normalerweise nicht zugänglichen Ort. Nicht nur, um Interessierten die denkmalgeschützte Schleuse mit Schleusenwärterhäuschen und Nadelwehr aus den Jahren 1892/93 zu präsentieren, sondern auch, um auf die Problematik der viel zitierten Machbarkeitsstudie aufmerksam zu machen. Auch der Nabu war mit einem Info-Stand vertreten. Doch obwohl mit dem Museumsschiff Ilmenau sowie dem Ilmenau-Ewer des Deutschen Salzmuseums in Lüneburg weitere Attraktionen zu bewundern waren, konnten die Organisatoren ihr eigentliches Ziel nicht erreichen.

Nur noch vier Nadelwehre gibt es in Niedersachsen, drei stehen an der Ilmenau, eines davon bei Wittorf. Foto: t&w
Nur noch vier Nadelwehre gibt es in Niedersachsen, drei stehen an der Ilmenau, eines davon bei Wittorf. Foto: t&w

„Wir wollten Führungen an der Schleuse anbieten“, sagt Gustav Rieckmann. „Aber das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Lauenburg als Betreiber hat das wegen der Baufälligkeit und der damit verbundenen Gefahr untersagt.“ Für den ersten Vorsitzenden des Fördervereins „Historische Ilmenau“ ein Unding. „Das ist reine Schikane.“ Doch Verbot ist Verbot, und so mussten die Schaulustigen das historische Bauwerk eben aus der Ferne beobachten  und sich auf Strauchs Ausführungen verlassen.

Im Oktober 2012 wurde unter Federführung des WSA Lauenburg, initiiert von Bund und Land, eine Machbarkeitsstudie vorgelegt. Mit der Studie sei eine Möglichkeit geschaffen worden, die Ilmenau als Bundeswasserstraße zu entwidmen, so Strauch, damit also die Zuständigkeit für die Unterhaltung vom Bund auf das Land zu übertragen. „Aus den Schleusen will man eine Art Sohlrampe machen. Aber damit baut man eine zusätzliche Schwelle ein, die den Hochwasserabfluss behindern kann.“ Würde, wie in Wittorf angedacht, der Stau um die Hälfte auf zirka 90 Zentimeter heruntergefahren, hätte das zudem Auswirkungen auf Anrainer und Tierwelt. „Den Fischotterschutz können wir uns dann schenken.“

Ziel des Fördervereins „Historische Ilmenau“ ist es deshalb, die historischen Schleusen und Wehre zu erhalten. Nur noch vier solcher Nadelwehre gibt es niedersachsenweit, drei liegen an der Ilmenau. Die Nadelwehre werden zur Regulierung des Wasserstandes eingesetzt.

Der Fluss wird ganz oder teilweise durch das Setzen der Nadeln (mehrere Meter lange Holzbohlen) aufgestaut oder abgelassen. Die Schleusen dienen der Schiffahrt, um die Niveauunterschiede des Wasserstandes vor und hinter dem Wehr auszugleichen und passieren zu können. Ihre Bedienung erfolgt rein manuell.

Zwei Schwestern, die gestern dabei waren, hatten sich noch selbst ein Bild von dieser Arbeit machen können. In den Jahren 1947/48 wohnten Barbara Brand und Renate Uhlmann, Flüchtlinge aus Usedom, mit ihren Eltern und einem Bruder im Haus des Schleusenwärters. „Wir waren seine Gehilfinnen“, sagen die 78- und 76-jährigen Damen lachend. „Früher sind wir immer über das Wehr und den Treidelpfad zur Schule in Wittorf gelaufen“, erinnern sie sich. Die Veranstaltung kommt bei den beiden deshalb gut an. „Das war sehr informativ“, sind sie sich einig. Auch wenn sie die Schleuse gern aus der Nähe besichtigt hätten.