Mittwoch , 28. September 2016
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Sind Heißluftballon-Kunden hinters LIcht geführt worden? Foto: A./be
Sind Heißluftballon-Kunden hinters LIcht geführt worden? Foto: A./be

„Man wird echt böse“

us Lüneburg. Vollmundige Ankündigungen, schlechte Erreichbarkeit, unbeantwortete Anrufe und immer wieder abgesagte Termine was zwei Lüneburgerinnen mit dem Handeloher Heißluftballon-Unternehmen „Heide und Hanse Luftfahrt GmbH“ seit Jahren erleben, ist offenkundig kein Einzelfall. Nach dem LZ-Bericht über die vergeblichen Versuche der beiden Frauen, ihre vor Jahren erworbenen Gutscheine für eine Fahrt mit einem Heißluftballon des Unternehmens einzulösen, meldeten sich gleich mehrere Personen in der Redaktion und schilderten ähnliche Erlebnisse.

„Als ich das gelesen habe, war ich richtig im Keller“, berichtet Dorit Müller aus Garze. Auch sie hatte 2009 einen Gutschein erworben, zwar nicht direkt bei dem Handeloher Unternehmen, doch die „Heide und Hanse Luftfahrt GmbH“ agiere als Veranstalter, erklärt die Garzerin. Zehn bis zwölf Versuche habe sie unternommen, doch passiert sei bislang nichts. Die letzte Absage kam am 1. August, trotz Windstille und besten Wetters. Begründet wurde die Absage dieses Mal mit zu wenig Teilnehmern. „Man wird echt böse“, sagt Dorit Müller.

„Sie verschicken automatisierte Terminbestätigungen per E-Mail, sagen dann aber, dass diese gar nicht gelten und man eine persönliche Bestätigung brauche, die man aber gar nicht bekommt.“
Gudrun Hofmann

Gudrun Hofmann aus Lüneburg beklagt, dass ständig die Bedingungen geändert würden. „Sie verschicken automatisierte Terminbestätigungen per E-Mail, sagen dann aber, dass diese gar nicht gelten und man eine persönliche Bestätigung brauche, die man aber gar nicht bekommt.“ Kaum noch Hoffnung, mit einem Heißluftballon der Handeloher in die Luft gehen zu können, hat Dietmar Wienecke. Seit 2010 besitzt der Bardowicker einen Gutschein, den er nicht einlösen kann, nun hat er gegen das Unternehmen ein Mahnverfahren angestrengt und Anzeige wegen Betruges erstattet.

Ob für die zahlreichen Gutschein-Besitzer ihr Ballonfahrttraum jemals in Erfüllung gehen wird, scheint indes fraglich. Denn gegen die „Heide und Hanse Luftfahrt GmbH“ wurde am 6. August 2014 das Insolvenzverfahren eröffnet, nachdem ein Kunde wegen nicht erbrachter Leistung einen Schadenersatzanspruch gegen das Unternehmen erwirkt hat, wie Insolvenzverwalter Frank Dreyer aus Hamburg bestätigt. „Gegenwärtig führen wir Gespräche mit den Gläubigern“, sagt Dreyer. Ob für die betroffenen Gläubiger die Möglichkeit besteht, vollständig ihr Geld wieder zu bekommen, sei noch unklar, das sei abhängig von der noch zu ermittelnden Insolvenzquote. Damit etwaige Ansprüche gegen das Unternehmen nicht verfallen, sollten Gläubiger ihre Forderungsanmeldung über die Internetseite www.fd-p.de seiner Kanzlei einreichen, dort seien entsprechende Formulare hinterlegt.

Überdies zweifelt Insolvenz­verwalter Dreyer, ob bei dem Unternehmen alles mit rechten Dingen zugegangen ist: „Man könnte den Eindruck bekommen, dass zwar Ballonfahrten angeboten und dafür Gelder eingenommen wurden, es aber nicht die Absicht bestand, die Leistung auch in dem tatsächlich angebotenen Umfang erbringen zu wollen. Ich schließe nicht aus, dass dies systematisch und damit möglicherweise in strafrechtlich relevanter Form betrieben worden ist.“ Er kündigte an, die Angaben der Gläubiger auch vor diesem Hintergrund zu prüfen.

Auch der Verbraucherzentrale Niedersachsen ist das Unternehmen nicht unbekannt. „Uns liegen zahlreiche Beschwerden dazu vor“, sagt Karin Goldbeck, Referentin für Verbraucherrecht. Die Juristin rät grundsätzlich davon ab, sogenannte Vorauskäufe abzuschließen, Geschäfte also, bei denen die Leistung wie bei Gutscheinen üblich erst nach Bezahlung erfolgen soll und von der Terminvergabe des Anbieters abhängig ist. „Sollte die Leistung nicht erbracht werden, hat man oft größte Schwierigkeiten, sein Geld zurück zu bekommen.“ Sie empfiehlt, sich vor einem Abschluss stets sehr genau über das betreffende Unternehmen oder den Vermittler zu informieren.