Dienstag , 27. September 2016
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Konzentriert bei der Arbeit: Jasper kann Looms auch ohne Hilfsmittel direkt an der Hand zaubern. Foto: t&w
Konzentriert bei der Arbeit: Jasper kann Looms auch ohne Hilfsmittel direkt an der Hand zaubern. Foto: t&w

Gummis mit Suchtpotenzial

jdr Lüneburg. Papst Franziskus, Prinz William und David Beckham tragen sie am Handgelenk - Jasper Klein aus Lüneburg auch. Zumindest sechs davon, drei weitere leuchten an seinen Fingern. Gemeint sind sogenannte Looms: Armbänder, Ketten, Ringe oder Tierchen, die aus kleinen, bunten Silikonbändern namens Rainbow Loom Bandz geknüpft werden und ein weltweites Bastel-Fieber ausgelöst haben. Auch Jasper ist seit Wochen im Produktions-Modus. Locker könnte er in Wolfgang-Petry-Manier aufstocken, denn in seiner Werkzeugkiste liegen nochmal gut 15 Stücke.
Vor etwa vier Jahren wurde das Spielzeug in den USA entwickelt, inzwischen hat es sich seinen Weg über den ganzen Erdball gebahnt. Doch Vorsicht ist geboten: Die bunten Hingucker machen sich nicht nur in Kinderzimmern breit.

Seit Anfang August wird bei Familie Klein „geloomt“. Neben Jasper und seiner Mutter Juliane wurde auch Vater Holger schon kreativ: „Zuschauen macht Lust darauf, es selbst auszuprobieren, zwei habe ich schon“, sagt er und lacht. Die Frage nach dem „wo“ stellt sich dabei nicht. Ob daheim auf dem Sofa, draußen im Grünen, im Auto - es funktioniert überall. „Alles, was man dazu braucht, ist der sogenannte Loom (Englisch für Webstuhl), Gummis, eine Häkelnadel und Verschlusshaken“, erklärt Mutter Juliane Klein. „Das gibts alles im Starter-Set aus dem Spielzeugladen, kostet je nach Umfang und Qualität zwischen fünf und zehn Euro.“

Angefangen hatte bei den Kleins alles kurz vor dem diesjährigen Familienurlaub, als Freunde zu Besuch kamen und Looms trugen. „Ich fand die Bänder gleich super und wollte das gerne selbst versuchen“, erinnert sich Jasper. Mutter Juliane Klein ergänzt: „Wir haben uns noch am selben Tag die Utensilien besorgt  mein Mann hatte schon Sorge, dass kein Urlaub mehr stattfinden wird.“ Entgegen der bösen Vorahnung von Vater Holger ging es aber trotzdem nach Frankreich, jedoch nicht ohne Werkzeug. Und wie sich schnell herausstellte, hatte das Fieber auch dort schon um sich gegriffen. Juliane Klein erinnert sich: „Eines Abends legte ich der Bedienung zum Trinkgeld einen Loom-Ring dazu - es war nicht zu übersehen, über was sie sich mehr freute.“

Dabei soll die Bastelei gar nicht so schwer sein. Im Internet finden sich unzählige Anleitungen zu den verschiedensten Webtechniken, zum Beispiel Armbänder mit Zick-Zack-, Fischgräten- oder Sternchenmuster. „Wir haben zuerst ein Buch mit Beschreibungen gekauft und uns danach alles selbst beigebracht“, berichtet Jasper stolz. Derweil demonstriert er, wie man einen Ring knüpft. Das macht er  – inzwischen ganz Profi - entweder mit zwei Buntstiften oder ohne Hilfsmittel an der eigenen Hand. Konzentriert friemelt und knotet Jasper Gummis um seinen Zeige- und Mittelfinger. Keine Viertelstunde dauert es dann, bis das gute Stück fertig ist. Darum kann es auch gleich weitergehen, nächste Technik: ein Armband in Dreierreihe am Loom. Was er mit den Kunstwerken bei der Bastel-Frequenz anstellt? Vielleicht ein kleiner Tauschhandel unter Schulkameraden? Jasper lässt durchblicken, dass es sich dabei wie mit Trophäen verhält - die tauscht oder verschenkt man ja auch nicht. Mutter Juliane gibt dem Trend nicht allzu lange, die Kleinsche Manufaktur bleibe aber sicher noch in Betrieb. Wer auf den Geschmack gekommen ist oder sich bei Jasper einen Trick abgucken möchte, der kann das hier: