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Ausstellungsgestalter Uwe Franzen zeigt das Modell eines Eisbrecher-Dampfers. Große Figuren und Filme zeigen in diesem Bereich, wie die Menschen am Ufer der Elbe vor Deichbruch geschützt wurden. Foto. t&w
Ausstellungsgestalter Uwe Franzen zeigt das Modell eines Eisbrecher-Dampfers. Große Figuren und Filme zeigen in diesem Bereich, wie die Menschen am Ufer der Elbe vor Deichbruch geschützt wurden. Foto. t&w

Mit Volldampf zur Wiedereröffnung

emi Lauenburg. Es riecht nach frischer Farbe und Staub, die schwarzen Monitore sind mit Sicherheitsfolie beklebt und überall schrauben, schieben, schleppen Handwerker. Mit Hochdruck legen alle letzte Hand an, damit die historischen Gebäude im Herzen der Altstadt nicht nur außen, sondern auch innen rechtzeitig in neuem Glanz erstrahlen. Nach vierjähriger Umbauzeit öffnet das Lauenburger Elbschifffahrtsmuseum am Sonnabend, 27. September, wieder seine Tore. Allein in die neue Ausstellung flossen Förder- und städtische Gelder in Höhe von knapp 1,3 Millionen Euro, mit weiteren 2,6 Millionen Euro schlugen die energetische Sanierung und der barrierefreie Umbau zu Buche. Die LZ durfte vorab einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Ulrike Sindermann, Leiterin des Bereichs Touristik und Kultur der Stadt Lauenburg, und Stadtarchitektin Martina Wulf-Junge warten im Erdgeschoss vor einem gläsernen Aufzug, der das Kellergeschoss barrierefrei erreichbar macht. Sonnenlicht aus großen Fenstern fällt auf die beiden Frauen. „Wir befinden uns im neuen Zwischentrakt“, erklärt Wulf-Junge. „Hier wurden zwei historische Gebäude verbunden, das ehemalige Rathaus der Stadt aus dem Jahr 1740 und das ehemalige Pfarrhaus, ein Fachwerkhaus aus dem 16. Jahrhundert.“ Insgesamt ergeben sich so knapp 600000 Quadratmeter Ausstellungsfläche.

Gestaltet hat sie Uwe Franzen. Der Bardowicker feilte rund zwei Jahre lang am Konzept, ehe es im Sommer 2013 umgesetzt wurde. „In der alten Ausstellung waren die Exponate sehr technisch erklärt“, sagt der 55-Jährige. „Ich wollte die Menschen in den Mittelpunkt stellen, die die Elbschiffe erdacht, gebaut und bedient haben.“ Das Motto lautet daher „Mensch-Modell-Maschine“.

In den 1960er-Jahren war das vorherige Fachmuseum an der Elbstraße 59 aus dem einstigen Heimatmuseum entstanden. Der 1967 gegründete Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschifffahrtsmuseums ermöglicht bis heute den Erwerb neuer Exponate. Statt staubiger Schaukästen und Informationstafeln wollte man dem Museum nach dem Umbau der beiden Gebäude von August 2010 bis November 2011 einen modernen Auftritt geben.

Ein Mann schneidet sich mit einem Messer die Fußnägel, ein anderer flickt seine Hose, wieder einer schnitzt ein Schiffsmodell: Lebensgroße, dreidimensionale Foto-Figuren geben Einblick in das Leben an Bord. Um diese zu entwickeln, wühlte sich Franzen durch die Archive. Der Bardowicker trug Tausende Fotos von Flößern, Werftarbeitern und Schleusenwärtern zusammen, ließ sie vergrößern und machte sie zu Aufstellern, „die einem auf Augenhöhe begegnen“. Manche von ihnen erzählen Geschichten, andere bergen in ihrem Inneren Schubladen mit alten Dokumenten. Videos und interaktive Archivstationen mit Touchscreen-Monitoren laden die Besucher zum Anschauen, aber auch zum Anfassen ein.

Ulrike Sindermann und Martina Wulf-Junge fahren mit dem Aufzug nach unten. Lautlos öffnen sich die Fahrstuhltüren. Vor einer Steinwand ragt ein riesiger Diesel-Triebmotor auf. Mit einem Kran musste die 25 Tonnen schwere Maschine in den Keller gehievt werden. „Um die Kellerwände im Zwischentrakt zu bauen, mussten wir das Haus ein halbes Jahr lang in die Luft hängen“, sagt die Stadtarchitektin. „Außerdem wurde hier ein Durchbruch zum ehemaligen Rathaus geschaffen.“ Wulf-Junge zeigt auf ein großes Tor. Dahinter liegen im Schummerlicht Maschinen.

Ein riesiges Schaufelrad, stehende und liegende Dampfmaschinen und ein aufgeschnittener Schiffskessel werden von bunten LED-Lämpchen angestrahlt. Ein Scheinwerfer zeichnet fließendes Wasser aus blauem Licht auf den Boden, es ist kühl und riecht nach Öl. Ulrike Sindermann erklärt: „Die Maschinen gab es vorher schon, jetzt werden sie ganz neu präsentiert.“ Das trifft auch auf die Schiffsmodelle zu.

In großen Vitrinen werden die Binnenschiffe im Erdgeschoss gezeigt. Sindermann und Wulf-Junge steigen eine Holztreppe hinauf, zeigen Themenräume zur Schifferbrüderschaft, Schiffsmühlen und dem Eisbrechereinsatz auf der Elbe.

Uwe Franzen ist sehr zufrieden mit dem Resultat. Der Ausstellungsgestalter und seine Mitarbeiter geben jetzt noch einmal Vollgas. Damit zur Neueröffnung am 27. September alles picobello ist. Und damit in Zukunft nicht nur Fachleute, sondern auch Laien allen Alters Lust bekommen auf die Geschichte der Elbschifffahrt.