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Hubert Henke aus Ganderkesee mit seinem Turbinendrachen, dem größten und farbigsten des gesamten Festes. Foto: t&w
Hubert Henke aus Ganderkesee mit seinem Turbinendrachen, dem größten und farbigsten des gesamten Festes. Foto: t&w

Gigantisch, bunt und schwerelos

ina Artlenburg. Wer am Wochenende zum Drachenfest nach Artlenburg wollte, konnte die Wiese am Hafen leicht finden, denn schon von Weitem leuchteten ihm die knallbunten Flieger entgegen. Dabei stahlen sich selbst gebaute Exemplare von einem Quadratmeter bis zu Riesendrachen in Tierformen gegenseitig die Show.

„Wir sind hier wie eine Familie“, schwärmte Jürgen Lepthien. Seit sieben Jahren veranstaltet er das Treffen der Drachen-Verrückten. „Aus ganz Deutschland kommen sie angereist, um ihre neuesten Errungenschaften vorzuführen.“ Sein Engagement wird nicht entlohnt, im Gegenteil: Zeit- und Verwaltungsaufwand gehen auf seine eigenen Kosten.

Als „Drachenfan“ ist der gelernte Schlosser und Wahl-Artlenburger hier aber nicht der Einzige mit Aufwand für die gemeinsame Sache. Birgit Nochowicz und Hubert Henke kommen mit ihrem Wohnmobil einmal jährlich aus Ganderkesee bei Oldenburg, um mitzumischen.

In diesem Jahr hatten sie unter anderem ihre 25-Meter-Turbine im Schlepptau den größten und farbigsten Drachen der gesamten Wiesen- und Himmelsfläche. „Neu kostet so ein Teil aus den Staaten 1000 Dollar“, beantwortete Hubert Henke die Frage nach dem Preisaufwand, während der 59-Jährige den kleinen Trägerdrachen unter Insidern auch Kap Foil genannt nicht aus den Augen lässt. „Wenn der abstürzt, dann knallt die Turbine auf die Wiese und könnte sich so selbst schrotten.“ Dass beim Drachenfliegen noch weitaus Schlimmeres passieren kann, weiß seine Frau Birgit Nochowicz: „Wir haben sie vor einiger Zeit auf Borkum am Strand steigen lassen, als sich der Karabinerhaken plötzlich löste und die Turbine den Strand entlang jagte. Haarscharf hat sie dabei einen kleinen Jungen verfehlt.“ Seitdem ist das Ehepaar aus Ganderkesee natürlich doppelt vorsichtig.

In Artlenburg war es mit Wohnmobil vor Ort, auf dessen Heck ein Gecko-Aufkleber prangt. „Wir haben mit vier weiteren Drachenfliegern die ,Geckogang gegründet, seitdem schmückt das Tier auch alle unsere selbst gebauten Drachen.“ Etwas schade fanden es die beiden, dass das geplante Nachtfliegen am Sonnabend ausfiel. Grund: akuter Windmangel. „Es kann regnen und schneien“, kommentierte Veranstalter Lepthien. „Aber ohne Wind bleibt der Himmel leer.“