Dienstag , 27. September 2016
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Angriff und Parieren: Christoph Ruck und Stefan Strobl trainieren mit dem Langschwert. Sie tragen Handschuhe und Masken, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Die Bewegungen der Kämpfer erinnern an einen Tanz. Foto: t&w
Angriff und Parieren: Christoph Ruck und Stefan Strobl trainieren mit dem Langschwert. Sie tragen Handschuhe und Masken, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Die Bewegungen der Kämpfer erinnern an einen Tanz. Foto: t&w

Scharfer Tanz auf dem Parkett

ca Lüneburg. Hier übten einst 14-Jährige ihre ersten Walzerschritte. Jetzt gleitet Adrian van Bronswijk über das Parkett. Die Eleganz ist geblieben, doch der 31-Jährige hält keine Frau in den Armen, er führt mit kleinen Bewegungen ein Langschwert. Es kreist, schwebt, steht in der Luft, sticht zu. Es ist ein anderer Tanz, den der Pädagoge, ganz in Schwarz, da mit der Anmut eines Tangotänzers zeigt.

Van Bronswijk führt den eher nüchternen Titel Fachsportlehrer. Doch hinter seiner „Fechtkunst“ verbirgt sich mehr, Fechten habe etwas Erzieherisches. Im Mittelalter sollte der Ritter „kein Schläger sein, das Fechten sollte ihn zu einem besseren Menschen machen“. Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und innere Ruhe gehören zu den Attributen. Van Bronswijk zieht einen Vergleich zur fernöstlichen Kampfkunst Kung Fu, die im chinesischen Shaolin-Kloster gelehrt wurde, die neben der Selbstverteidigung auch Werte für Geist und Seele lehrt. Passend liegen auf dem Tisch im Gruppenraum im zweiten Stock des Logenhauses an der Hindenburgstraße Bücher zum Thema mit Titeln wie „Das Rittertum“ und „Wortschätze europäischer Fechtkunst“.

Der schmächtige, durchtrainierte Mann sagt, das Langschwert sei die „Königin der Fechtwaffen, sämtliche Technikfacetten sind vereint“. Es geht um Hiebe, Stöße, Gleiten, Schlagen. Gelehrt werde in Vereinen in der Regel Florett, Säbel und Degen. Doch van Bronswijk legt Wert auf „historisches Fechten“. Nach Art der Ritter.

An diesem Abend kommen elf Schüler in die Asteria-Fechtschule, zwei sind weiblich. Für einige ist das Aufwärm-Training eine Herausforderung. Liegestütz auf den Ellbogen, Dehn- und Balance-Übungen. Doch auch wer Schwierigkeiten hat, versucht, alles mitzumachen. Danach geht es um die Schwert-Technik. Wie drehe ich die Klinge? Wie leite ich den Schlag des Gegners ab? Wie gewinne ich mit wenig Kraftaufwand viel Schwung?

Die Schüler üben mit Kunststoffschwertern, 1100 Gramm wiegen sie. Das scheint wenig, doch es erfordert Kraft, das Training durchzuhalten. Wettkampfklingen aus Metall wiegen etwa ein Pfund mehr. „Man braucht eine Stabilität des Rumpfes, also des Oberkörpers, und eine gute Tiefenmuskulatur“, erklärt der Lehrer, der seine Ausbildung vor acht Jahren in Heidelberg absolvierte. Kraftsportler mit Muskelpaketen hätten Schwierigkeiten beim Fechten, weil andere Muskelpartien gefordert seien und die Bewegungen sie schnell ermüden ließen. Das Fechten ist zehrend: „Anfänger nehmen meistens ein paar Kilo ab.“

Adrian van Bronswijk unterrichtet Schüler von „zwölf bis siebzig“, auch Rollstuhlfahrer könnten den Sport erlernen: „Das ist aufwändig, aber es geht.“ Dass es ein Sport ist, darauf legt der Mann des Schwertes Wert: Es sei anders als etwa das Schaufechten, das auf Mittelalter-Spektakeln gezeigt werde. „Wir sind auch kein Fight-Club, mir ist wichtig, dass auch zierliche Mädchen in Wettkämpfe gehen.“

Interessenten können laut Adrian van Bronswijk beispielsweise freitagabends ein Training begleiten. Start ist um 19.30 Uhr.