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Mathilde sieht sich staunend das neue Elbschifffahrtsmuseum an. Der Themenraum, der sich mit dem Eisgang auf der Elbe befasst, hat es der Sechsjährigen angetan. Die Ausstellung soll auch junge Besucher ansprechen. Foto: t&w
Mathilde sieht sich staunend das neue Elbschifffahrtsmuseum an. Der Themenraum, der sich mit dem Eisgang auf der Elbe befasst, hat es der Sechsjährigen angetan. Die Ausstellung soll auch junge Besucher ansprechen. Foto: t&w

Lob und Protest zur Wiedereröffnung

emi Lauenburg. Das Interesse der Lauenburger war groß. Vier Jahre hatten sie auf diesen Moment gewartet, am Sonnabend durften sie endlich einen ersten Blick in das neue Elbschifffahrtsmuseum werfen. Mit einem zweitägigen Festprogramm wurde am Wochenende die Wiedereröffnung der runderneuerten Gebäude in der Schifferstadt gefeiert. Gäste aus Bundes- und Landespolitik nahmen das Museum in Augenschein, in dessen Konzept „Mensch-Modell-Maschine“ insgesamt 1,3 Millionen Euro geflossen waren. Den Großteil davon gaben der Bund und die Europäische Union aus ihren Fördertöpfen. Viel Geld, auf das die Lauenburger an anderer Stelle sehnsüchtig warten. Am Rande der Veranstaltung demonstierten knapp 100 Bewohner mit Plakaten für einen effizienten Hochwasserschutz.

Mathilde hat es die Sprache verschlagen. Mit großen Augen läuft die Sechsjährige durch die hellen Räume des Elbschifffahrtsmuseums, berührt Gegenstände, drückt Knöpfe, sieht sich Videos an. Während das Mädchen staunend vor einer alten Säge stehen bleibt, blickt Vater Niclas Fischer zurück: „Das alte Museum war langweilig mit verstaubten Vitrinen und Modellen.“ Was nun auf 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche entstanden ist, begeistert den Lauenburger. „Die architektonische Verbindung aus alten Materialien und einer multimedialen Aufmachung ist toll.“

Entwickelt hat die Ausstellung Museumsplaner Uwe Franzen aus Bardowick. Im alten Museum seien die Exponate sehr technisch erklärt worden, sagt der 55-Jährige. Ihm sei wichtig gewesen, die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, die die Maschinen und Schiffstypen erdacht, gebaut und bedient haben. So sind überall im Museum lebensgroße, dreidimensionale Foto-Figuren von Flößern, Werftarbeitern und Schleusenwärtern zu finden. Interaktive Stationen mit Touchscreen-Monitoren laden junge und ältere Besucher zum Stöbern ein.

Auch Lauenburgs Bürgermeister Andreas Thiede gefällt die multimediale Gestaltung: „Lesefaule können sich hier berieseln lassen.“ Doch die Proteste der Bewohner draußen lassen ihn nicht kalt. „Wenn ich nicht bei der Eröffnung wäre, wäre ich auch dort.“

Wenig später beobachtet das Stadtoberhaupt die Demons­tranten vom Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ aus. Knapp 100 Kinder und Erwachsene haben sich am Elbufer zusammengefunden. Sie halten selbstgebastelte Schilder hoch, auf denen Sprüche zu lesen sind wie „Sollen wir absaufen?“ und „Nie wieder Evakuierung!“. Einer der Initiatoren der Demonstration ist Ferdinand Soethe. „Wir protestieren, weil wir daran erinnern wollen, dass noch ein Versprechen offen ist“, erklärt der 51-Jährige. „Wir möchten, dass die Lösungen für den Hochwasserschutz, die die vom Land bezahlten Experten entwickelt, der die Bürger zugestimmt haben und die der wissenschaftliche Beirat für gut befunden hat, umgesetzt werden.“ Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hatte sich jüngst in einem Radiointerview gegen die gewünschte Spundwand ausgesprochen und eine preisgünstigere Lösung befürwortet. Ob die Gäste aus Bundes- und Landespolitik sich von der Demonstration beeindrucken ließen, wird sich zeigen.

Das neue Museum ist ab sofort montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und am Wochenende bis 17 Uhr geöffnet.