Dienstag , 27. September 2016
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Kein ungefährliches Unterfangen: Wer als Radfahrer wie hier Dr. Gerhard Scharf die Erbstorfer Landstraße in Höhe der Einmündung Fuchsweg überqueren möchte, muss durch den dichten Verkehr huschen. Foto: t&w
Kein ungefährliches Unterfangen: Wer als Radfahrer wie hier Dr. Gerhard Scharf die Erbstorfer Landstraße in Höhe der Einmündung Fuchsweg überqueren möchte, muss durch den dichten Verkehr huschen. Foto: t&w

A39 verhindert Mini-Radweg

ahe Lüneburg. Gerade morgens zwischen 7.15 und 8.15 Uhr gebe es immer wieder kritische Situationen, hat Dr. Gerhard Scharf beobachtet. Schüler und Pendler aus dem Dichterviertel und aus Erbs­torf überqueren die Erbstorfer Landstraße in Höhe der Einmündung Fuchsweg, um auf dem kürzesten Weg zur Schule oder zur Arbeit zu fahren. „Die meisten sind in Eile, huschen irgendwie durch den dichten Berufsverkehr. Das ist gefährlich“, findet der CDU-Politiker. Abhilfe schaffen könnte aus seiner Sicht ein Radweg auf der gegenüberliegenden Straßenseite zwischen der Ampel an der Hölderlinstraße und dem Fuchsweg. „Dann könnten Radfahrer die Erbstorfer Landstraße an der Ampel sicher überqueren“, argumentiert Scharf. Einen entsprechenden Antrag zum Bau eines 50 Meter langen Radweges bringt seine Fraktion heute in den Rat ein.

„Unser Ziel ist es, zu verhindern, dass dort ein schlimmer Unfall passiert“, begründet der Christdemokrat. „Meines Wissens hat es hier 2011 und 2013 schon zwei Unfälle gegeben, die zum Glück relativ glimpflich verlaufen sind.“ Er sei von Eltern angesprochen worden und habe die Situation deshalb schon seit längerer Zeit im Blick, habe sich in der Angelegenheit bereits an die Stadtverwaltung gewandt und das Thema auch im März und im Juni bereits im Verkehrsausschuss thematisiert. „Da hieß es immer nur ,Wir prüfen das. Passiert ist aber nichts. Das war ich leid, darum wenden wir uns damit jetzt an den Rat, um die Verwaltung zu zwingen, was zu tun.“

Dass etwas unternommen werden soll, um die Lage zu entschärfen, stehe für ihn außer Frage. „Die Verbindung über den Fuchsweg wird von Schülern des Johanneums, der Rudolf-Steiner-Schule, des Schulzentrums Kaltenmoor und den Berufsbildenden Schulen genutzt. Dazu kommen die Erwachsenen, die mit dem Rad dort entlang zur Arbeit fahren. Sie alle müssen die Erbstorfer Landstraße überqueren, und das ist eine der meistbefahrenen Straßen in Lüneburg“, erläutert Scharf, der zwei Möglichkeiten sieht, um den Schul- und Arbeitsweg in dem Bereich sicherer zu machen: „Ein Radweg auf der Waldseite der Erbstorfer Landstraße wäre die beste Lösung. Das sind gerade mal 50 Meter  das kann ja nicht die Welt kosten, zumal eine wassergebundene Decke ausreichen würde.“ Radler aus Richtung Erbstorf müssten dann zunächst zur Hölderlinstraße fahren, die Erbstorfer Landstraße an der Ampel überqueren und das kleine Teilstück auf dem Radweg wieder zurück zur Einmündung Fuchsweg strampeln. Alles in allem ein Umweg von 100 Metern. „Ich bin sicher, die meisten würden den auch fahren“, sagt Scharf, der als „zweitbeste Lösung“ eine Querungshilfe direkt in Höhe Fuchsweg sähe. „Eine Ampel kommt angesichts der Nähe zur nächsten Ampel sicher nicht infrage.“

Die Stadtverwaltung hat die Situation nach eigenem Bekunden ebenfalls seit längerem im Blick. Im Mai habe es eine Verkehrszählung zwischen 7.15 und 8.15 Uhr gegeben. Ergebnis: 63 Radler überquerten die Erbstorfer Landstraße in Höhe Fuchsweg. 23 von ihnen kamen aus Richtung Hölderlinstraße, 26 aus Richtung Erbstorf, dazu 14 aus dem Fuchsweg, die in Richtung Ebensberg weiter fuhren. Aus Sicht der Verwaltung würden von dem vorgeschlagenen Weg nur die Radler aus dem Bereich Hölderlinstraße profitieren, und auch bei jenen 36 Prozent wäre nicht klar, ob alle das Angebot wie gedacht auch wahrnehmen. Dass die Radler aus Richtung Erbstorf die kleine Schlaufe über die Kreuzung Hölderlinstraße fahren, glaubt die Verwaltung offenbar nicht. Sie verweist zudem auf den geplanten Bau der A39. Solange das Planfeststellungsverfahren dazu laufe, gelte eine Veränderungssperre. Ein Vorziehen von baulichen Maßnahmen sei deshalb aktuell nicht möglich. Das Verfahren wolle die Stadt nutzen, um mit dem Landesforst und dem Bund über die Wegerechte zur Nutzung des Fuchsweges zu verhandeln, der auch beleuchtet werden müsste, und den Bau einer Querungsshilfe vorzubereiten.

Glücklich ist Scharf über diese Einschätzung nicht: „Da werden ja bestimmt noch zehn Jahre vergehen.“ Wenigstens ein paar Wochen dürften wohl auch vergehen, bis sich der Rat eingehend mit dem Antrag beschäftigt. Angesichts der langen Tagesordnung und der formal festgelegten Prioritätenliste hat der CDU-Vorschlag kaum Aussichten, heute auch behandelt zu werden.