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Nach Nabu-Angaben ist diese Aufnahme im Frühjahr 2014 an Teichen nahe der Lüdersburger Golfanlage entstanden. Der Kreis geht dem Vorwurf des Gewässerausbaus ohne Genehmigung nach. Die soll es laut dem Rechtsanwalt der Freiherr von Spoercken GmbH in dem Revier zwar gegeben haben, doch bereits vor zehn Jahren. Die dokumentierten Arbeiten sind dem Anwalt zufolge Pflegemaßnahmen im Uferbereich. Foto: naturschutzbund/nh
Nach Nabu-Angaben ist diese Aufnahme im Frühjahr 2014 an Teichen nahe der Lüdersburger Golfanlage entstanden. Der Kreis geht dem Vorwurf des Gewässerausbaus ohne Genehmigung nach. Die soll es laut dem Rechtsanwalt der Freiherr von Spoercken GmbH in dem Revier zwar gegeben haben, doch bereits vor zehn Jahren. Die dokumentierten Arbeiten sind dem Anwalt zufolge Pflegemaßnahmen im Uferbereich. Foto: naturschutzbund/nh

Jagdgehege oder Tierpark?

ml Lüneburg. Schweres Geschütz hat der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zuletzt gegen die Freiherr von Spoercken GmbH in Lüdersburg aufgefahren: Die Naturschützer werfen dem Unternehmen Verstöße gegen das Jagd- und Naturschutzgesetz vor. Der Landkreis sieht die Vorwürfe in Teilen bestätigt, hat die Gesellschaft zur Stellnahme aufgefordert (LZ berichtete). Fristgerecht ist das Schreiben des Hamburger Rechtsanwalts der Freiherr von Spoercken GmbH, Dr. Florian Asche, am Montag bei der Kreisverwaltung eingegangen. Zuvor hatte der Jurist gegenüber der LZ einen formellen Fehler eingeräumt, teils aber auch eine anderer Rechtsauffassung vertreten. So auch in der Frage, ob ein 200 Hektar großes Areal als Jagdgehege oder Tierpark zu werten sei.

Rund eine Woche wird es laut dem zuständigen Fachbereichsleiter Wolfram Kallweit dauern, die gut 20-seitige Stellungnahme unter die Lupe zu nehmen, die eigenen Erkenntnisse mit den Erklärungen des Rechtsanwalts abzugleichen. „Dann werden wir das weitere Vorgehen in der Kreisverwaltung abstimmen.“

Im Kern geht es um drei Vorwürfe: Veränderung an Teichen ohne wasserbaurechtliche Genehmigung, unsachgemäßer Umgang mit Lebendfallen und die ganzjährige Fütterung von Wildtieren. Im Falle der fehlenden Genehmigung hatte Asche bereits Ende der vergangenen Woche gegenüber der LZ einen formellen Fehler eingeräumt. So hätten tatsächlich genehmigungspflichtige Teicharbeiten am Rande der Lüdersburger Golfanlage stattgefunden, ohne dass eine Genehmigung beantragt worden wäre. Allerdings lägen die Arbeiten bereits zehn Jahre zurück und hätten sich in die bestehende Teichlandschaft eingefügt. „Ein materieller Schaden ist nicht entstanden“, so Asche.

Der Kreis wird nun anhand von Luftbildern aus verschiedenen Jahren die Angaben des Anwalts überprüfen. „Deutlich zu sehen ist die Größenordnung der Veränderung“, erklärt Kallweit. Nur zu welchem Zeitpunkt diese entstanden sei, lasse sich derzeit noch nicht sagen. Auch muss der Landkreis prüfen, wie die vom Nabu dokumentierten aktuellen Arbeiten an den Gewässerrändern zu werten sind. Laut Asche handelt es sich dabei um Pflegemaßnahmen im Uferbereich. Berücksichtigen muss der Kreis auch, dass die Teiche teilweise im besonders geschützten Teil B des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue liegen.

Eingeräumt hatte Jurist Asche auch, dass die im Jagdgesetz vorgeschriebene Verdunklung beziehungsweise Verblendung bei den Lebendfallen nicht immer gegeben gewesen sei. Inzwischen sollen ihm zufolge alle Fallen nachgerüstet sein.

Interessant werden dürfte die Prüfung des Kreises wiederum beim Nabu-Vorwurf der ganzjährigen Fütterung von Wildtieren. Gefunden haben die Nabu-Mitarbeiter nach eigenen Angaben fest installierte Futtereinrichtungen, die den Schluss der ganzjährigen Fütterung nahelegten, und zwar in einem Jagdgehege, das der Freiherr von Spoercken GmbH gehört und auf der Unternehmensseite im Internet auch Jagdgatter genannt wird. „Rechtlich unterscheidet sich ein Jagdgehege von einem Jagdrevier dadurch, dass es eingezäunt ist“, erklärt Fachbereichsleiter Kallweit. Für die Öffentlichkeit muss das Areal zugänglich bleiben, zum Beispiel durch Überstiege. Ansonsten gilt in einem Jagdgehege das Jagdgesetz, das eine Fütterung außer in Notzeiten verbietet.

Genehmigt worden sind Jagdgehege laut Kallweit nur bis 2001, Vorraussetzung war zudem eine Mindestgröße von 250 Hektar. Auch in diesem Punkt ist das Areal in Lüdersburg eine Besonderheit: Genehmigt in den 1970er-Jahren hat der Landkreis Lüneburg 1999 einer Verkleinerung auf 200 Hektar zugestimmt. Mit der Änderung 2001 verschwindet der Begriff des Jagdgeheges aus dem Jagdgesetz und taucht stattdessen in Paragraf 31 des Niedersächsischen Gesetzes über den Wald und die Landschaftsordnung auf. In Absatz 2 heißt es: „Die Errichtung von Gehegen für wild lebende Tiere zum Zweck der Jagdausübung (Jagdgehege) ist in der freien Landschaft unzulässig.“ Bestehende Einrichtungen wie die in Lüdersburg haben Bestandsschutz. Nur will Rechtsanwalt Asche das Jagdgehege rechtlich gar nicht als solches bewertet wissen, sondern als Tierpark. „Und in einem Tierpark gilt das Fütterungsverbot nicht“, erklärt der Jurist. Ob dieser identisch sein soll mit dem in Paragraf 45c des Niedersächsischen Naturschutzgesetzes genannten Tiergeheges, muss der Kreis nun klären. In dem Gesetz heißt es: „Ein Tiergehege ist eine dauerhafte Einrichtung, in der Tiere wild lebender Arten außerhalb von Wohn- und Geschäftsgebäuden … gehalten werden, und die kein Zoo und kein Jagdgehege … ist.“ Und eine weitere Frage ist, ob in einem Tierpark oder in einem Tiergehege die Jagd erlaubt ist. Eine entsprechende Anfrage der LZ wollte die Landesjägerschaft mit Hinweis auf mögliche örtliche Besonderheiten und das laufende Verfahren nicht beantworten. Eine vom Landwirtschaftsministerium in Aussicht gestellte Antwort steht noch aus.