Aktuell
Home | Lokales | Eine Herzensangelegenheit
Der Bundeswehr-General a. D. Jörg Sohst glaubt fest an die Elbbrücke. Und für die setzt sich der 67-jährige ein. Er organisiert unter anderem das Brückenfest, das morgen am Fähranleger in Darchau gefeiert wird. Foto: t&w
Der Bundeswehr-General a. D. Jörg Sohst glaubt fest an die Elbbrücke. Und für die setzt sich der 67-jährige ein. Er organisiert unter anderem das Brückenfest, das morgen am Fähranleger in Darchau gefeiert wird. Foto: t&w

Eine Herzensangelegenheit

Zum 24. Mal wird heute, am 3. Oktober 2014, der Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Die Landeszeitung blickt zurück, aber auch nach vorn und hat im Interview der Woche mit einem Mann gesprochen, der die Schicksalswochen im Herbst 1989 hautnah miterlebt hat. Gefeiert wird aber auch eine Einheit, die für viele Menschen im Kreis Lüneburg erst vollzogen ist, wenn die östlichste Gemeinde Amt Neuhaus mit den westlichen verbunden ist durch eine Brücke über die Elbe. Zum 25. Jahrestag des Mauerfalls starten wir Ende Oktober eine Serie in der LZ.

kre Bleckede/Neu Darchau. Jörg Sohst ist pünktlich: Der ehemalige Luftwaffen-General wartet bereits am Fähranleger in Neu Darchau, als der LZ-Redakteur eintrifft. Es ist exakt 14 Uhr. Die ersten Jugendlichen sind auf dem Nachhauseweg von der Schule, warten jetzt darauf, mit der Fähre ,,Tanja“ übergesetzt zu werden. Ein Treckergespann mit zwei vollbeladenen Anhängern schafft es ebenfalls noch in letzter Sekunde auf die ,,Tanja“. Es ist viel los um diese Zeit am Fähranleger. Man könnte auch sagen: Hier zeigt sich, dass zusammengewachsen ist, was zusammen gehört. Willy Brandt, der populäre Alt-Kanzler der 1970er- Jahre, hatte mit diesen Spruch den Mauerfall vom 9. November 1989 kommentiert. Die deutsche Einheit ist seit dem 3. Oktober 1990 Realität. Und mit der Rückgliederung des Amtes Neuhaus ist sie auch im Landkreis Lüneburg vollzogen.

,,Aber es fehlt noch etwas“, sagt Jörg Sohst und blickt der Fähre hinterher, die gerade ablegt, um Schüler, Autos und Treckergespann an andere Ufer zu bringen: ,,Es fehlt eine Brücke. Noch immer gibt es die feste Elbquerung nicht, die die Fähre überflüssig machen würde“.

Die Neuhäuser wünschen sie sich. Ebenso die Mehrheit der Bürger im Westteil des Kreises: 49,5 Prozent hatte bei der Bürgerbefragung im vergangenen Jahr für den Brückenbau gestimmt, weitere 22,4 Prozent stimmten dem Bau ebenfalls zu nur mit der Einschränkung, dass der Kostenanteil des Landkreises zehn Million Euro nicht überschreiten darf. Für Jörg Sohst ist dieses Votum mehr als genug Legitimation, um zu zu sagen: ,,Die Brücke ist eine Herzensanglegenheit.“

Auch für den 67-jährigen gebürtigen Hannoveraner, der 2007 in Pension ging und in Bleckede sein neues Zuhause gefunden hat. Hier engagiert sich Jörg Sohst – ob im Bürgerverein, bei der Realisierung des Bürgerbusses oder eben als Organisator des Brückenfestes, das am Tag der Deutschen Einheit zum dritten Mal stattfindet. Für den General außer Dienst ist diese Veranstaltung mehr als nur stete Erinnerung an die Politiker, in ihren Bemühungen nicht nachzulassen, die Brücke endlich zu realisieren: Mindestens genauso wichtig ist es dem Brückenfest-Organisator, mit diesem Fest einen ,,Kristallisationspunkt zu schaffen, an dem wir in Zukunft die deutsche Einheit feiern können, wo sich Deutsche aus Ost und West austauschen können.“

Die Elbfähre-Tanja hat den Fähranleger in Darchau erreicht. Neue Fahrgäste sind an Bord gegangen, die Fähre ist zurück auf dem Weg nach Neu Darchau: Dieses ewige Hin und Her ist das Los der Fähr-Mannschaft und Sohst sagt: ,,Es ist schon erschütternd zu sehen, dass der Landkreis trotz des eindeutigen Umfrage-Ergebnisses nicht mehr mit Hochdruck am Projekt Brücke arbeitet.“

Dass das Millionen-Bauwerk gut ist für die Bürger im Amt Neuhaus, für Neu Darchau und auch für die Touristen, davon ist Jörg Sohst überzeugt: ,,Schon deshalb, weil mit der Brücke die Fährkosten für die wegfallen, die täglich über die Elbe müssen“, sagt der Bleckeder. Die Abwanderung aus dem ohnehin schon dünn besiedelten Amt Neuhaus könnte aus seiner Sicht mit Hilfe der Brücke aufgehalten, zumindest aber verlangsamt werden. Arbeitsplätze könnten gesichert, neue Betriebe angesiedelt werden. ,,Wenn die Brücke kommt!“, macht Jörg Sohst noch einmal deutlich. ,,Auch für den Tourismus wäre die Brücke ein Segen“, ist er überzeugt: ,,Ohne Brücke dagegen verirrt sich doch kein Reisebus in unsere Gegend, weil die hier doch gar nicht über die Elbe kommen“, erklärt der ehemalige General.

Kommt die Brücke also irgendwann? Oder bleibt sie auf ewig doch nur ein unerledigtes Projekt geboren im Taumel der Rückgliederungs-Euphorie? Es wird letztlich eine Frage der Kosten sein. Das weiß auch Sohst, der sagt: ,,Dass der Landkreis nicht mehr als zehn Million Euro zu dem Projekt beisteuern kann, das ist doch klar.“ Aber er betont auch: ,,Erst, wenn die endgültige Trassenführung feststeht und die Planfeststellung abgeschlossen ist, lässt sich eine seriöse Kostenplanung durchführen.“ Sorge, dass das allenfalls Schätzzahlen sein werden, die Kosten trotzdem explodieren, wie bei vielen anderen öffentlichen Bauten auch, weist Sohst zurück: ,,Nicht, wenn eine sorgfältige Finanzkontrolle das Projekt begleitet.“ Da spricht dann doch noch der Soldat aus ihm. Getreu dem Motto: Ohne Dienstaufsicht geht es nicht.

Und die Fähre? Die quert weiter unermüdlich die Elbe. Vom West- zum Ostufer und zurück. So wie es nun einmal das Los der Fähre ist … Programm: Das Brückenfest beginnt am Freitag, 3. Oktober,  um 10.30 Uhr mit einer Andacht und Begrüßung, anschließend gestalten Musikgruppen und Vereine aus Ost und West gemeinsam das Brückenfestprogramm.