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Prof. Dr. Henning Henningsen, Chefarzt der Neurologie im Lüneburger Klinikum, Sylvia Schröder-Lade, Regionalleiterin der Deutschen Parkinson Vereinigung, und Hannelore Ahrendt machen sich stark für die Aufklärung zum Thema Parkinson. Foto: be
Prof. Dr. Henning Henningsen, Chefarzt der Neurologie im Lüneburger Klinikum, Sylvia Schröder-Lade, Regionalleiterin der Deutschen Parkinson Vereinigung, und Hannelore Ahrendt machen sich stark für die Aufklärung zum Thema Parkinson. Foto: be

Wenn das Zittern nicht mehr aufhört

as Lüneburg. Ein leichtes, sporadisches Zittern in Stresssituationen sei schon vor vielen Jahren aufgetreten, berichtet Hannelore Ahrendt. Doch erst vor zwei Jahren wurde bei der 73-jährigen Lüneburgerin Morbus Parkinson diagnostiziert. Sorge habe ihr das im ersten Moment nicht bereitet, denn der Neurologe habe ihr erklärt: „Damit können Sie noch viele Jahre leben.“ Hannelore Ahrendt bekommt seither Medikamente. Aber das Zittern und die innere Unruhe haben zugenommen. „Das verunsichert und macht Angst, weil man nicht weiß, wie es sich weiter entwickelt  zumal, wenn man ohne Partner lebt“, räumt sie offen ein. Dennoch für sie kein Grund, zu verzweifeln. „Ich habe einen großen Freundes- und Bekanntenkreis, der über meine Erkrankung Bescheid weiß. In der Gemeinschaft aufgehoben zu sein und am Leben teilnehmen, das schützt vor depressiven Stimmungen.“

Laut der Deutschen Parkinson (DP) Vereinigung sind bundesweit 240000 bis 280000 Menschen von der Krankheit betroffen. Meist treten die ersten Symptome im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf, fünf bis zehn Prozent der Betroffenen sind jünger als 40 Jahre. Morbus Parkinson ist eine langsam voranschreitende neurologische Krankheit, die Teile des Gehirns und des Nervensystems betreffen. Sie ist unheilbar, verläuft individuell, auch die Krankheitsanzeichen beziehungsweise -merkmale sind unterschiedlich ausgeprägt. Zu den typischen Symp­tomen gehören Bewegungsstörungen, Verlangsamung, Unartikuliertheit der Sprache und Zittern. Jüngst war die Erkrankung zum Thema in vielen Medien weltweit geworden im Zusammenhang mit dem Suizid des US-Schauspielers Robin Williams, der an Depressionen gelitten haben und in einem frühen Stadium der Krankheit gewesen sein soll. Ein Grund für Prof. Dr. Henning Henningsen, Chefarzt der Neurologie im Lüneburger Klinikum, und Sylvia Schröder-Lade, Regionalleiterin Lüneburg der DP Vereinigung, über die Erkrankung aufzuklären. Ihre Botschaft: „Depressionen sind behandelbar und kein Grund, dass sich Parkinson-Erkrankte in einer ausweglosen Situation sehen.“

In der Tat gebe es einen deutlichen Zusammenhang zwischen Parkinson und Depressionen, sagt Henningsen. Jeder zweite bis dritte Patient erleide vor oder während seiner Erkrankung eine depressive Phase. Die Ursache kann eine seelische Reaktion auf die Diagnose und die damit verbundene Angst vor Siechtum und bleibender Behinderung sein. Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Depression durch ein Ungleichgewicht von Botenstoffen im Gehirn verursacht wird. Experte Henningsen macht aber deutlich: „Wir können die Depression durch eine medikamentöse Therapie behandeln.“ Um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern, biete sich die sogenannte Komplex-Behandlung an. Dabei handelt es sich um ein stationäres Behandlungskonzept, das aus einer medikamentösen 14-tägigen Einstellung in Kombination mit physikalischer Therapie sowie Ergotherapie und Logopädie besteht. Individuell auf das Beschwerdebild des Patienten zugeschnitten, soll unter anderem eine bessere Beweglichkeit und Mobilität sowie eine Verbesserung des Sprechens und der Schluckfunktion erzielt werden. Parkinson-Patienten über diese Behandlung zur Bewegung zu motivieren, sei ein Ziel dieser Therapie, sagt Henningsen. Sylvia Schröder-Lade sieht darin auch eine gute Möglichkeit, gegen Depressionen zu steuern. Hannelore Ahrendt ist die Behandlung „gut bekommen“, wie sie sagt. Insbesondere die Logopädie habe ihr geholfen, da infolge der Erkrankung bei ihr die Sprache manchmal verwaschen sei.

Die Symptome der Erkrankung führen dazu, dass viele Patienten eine gesellschaftliche Stigmatisierung befürchten und sich zurückziehen, weiß die Leiterin der Parkinson-Regionalgruppe. „Dadurch fallen viele in ein tiefes Loch. Es ist wichtig, die Erkrankung publik zu machen und den Rückhalt des Umfeldes zu haben.“ Hannelore Ahrendt ist mit ihrer Erkrankung immer offensiv umgegangen, Freunde und Bekannte wissen darum. Und sie lebt Gemeinschaft, ist mit Freunden und ehemaligen Schulkollegen oft auf Reisen unterwegs. Außerdem ist sie Mitglied in der von Sylvia Schröder-Lade geleiteten Regionalgruppe „Parkinson“. Die Selbsthilfegruppe bietet einen geschützten Raum zum Erfahrungsaustausch über Therapien, Medikamente, Kliniken und wie andere Betroffene mit der Erkrankung umgehen. Darüber hinaus werden Experten-Vorträge und Unternehmungen angeboten.