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Das SaLü schreibt schwarze Zahlen. Allerdings nur deshalb, weil das Aktienpaket der Avacon die Bilanz aufhübscht. Foto: nh
Das SaLü schreibt schwarze Zahlen. Allerdings nur deshalb, weil das Aktienpaket der Avacon die Bilanz aufhübscht. Foto: nh

Aktien-Millionen stützen Spaßbad

us Lüneburg. Gewinne auszuweisen gehört zu den vornehmsten Aufgaben eines Unternehmens-Lenkers, zeugen sie in der Regel doch von solider Arbeit und unternehmerischem Geschick. Über einen anständigen Unternehmensgewinn kann sich auch die Kurmittel GmbH freuen, die das SaLü, das Freibad Hagen und das Hallenbad betreibt. Im Geschäftsjahr 2013 erwirtschaftete sie einen Jahresüberschuss in Höhe von 49969 Euro, knapp doppelt so viel wie im Vorjahr, da betrug der Jahresüberschuss noch 27293 Euro. Doch der schnelle Blick in die Bücher trügt, wer genau hinschaut, sieht, dass der Gewinn zu einem nicht unwesentlichen Teil den Erträgen aus Avacon-Wertpapieren zu verdanken ist. Diese machten 2013 immerhin rund 4,2 Millionen Euro aus, rund 140000 Euro mehr als noch 2012. Ein Umstand, den Michèl Pauly (Linke) im jüngsten Wirtschaftsausschuss ins Visier nahm.

Pauly kritisierte wie bereits mehrfach in der Vergangenheit die Abhängigkeit der Kurmittel GmbH von der Avacon AG, dabei insbesondere den Umstand, dass der Netzbetreiber zu mehr als 60 Prozent dem Energiekonzern E.on gehört, der einen Teil seines Stroms in Atomkraftwerken erzeugt. Das bei Avacon gebundene Geld könne die Stadt besser „in andere gewinnbringende Aktivitäten stecken“, sagte Pauly.
Doch sein Vorschlag für ein „alternatives Investment“, die von ihm schon des öfteren propagierte Gründung eigener Stadtwerke, stieß im Ausschuss auf geteiltes Echo. Oberbürgermeister Ulrich Mädge entgegnete unter anderem, dass die Gründung eigener Stadtwerke zu einer „Entsolidarisierung mit der Fläche“ führe, die die Menschen auf dem Lande außen vor lasse. „Ihr Bild passt nicht in eine solidarische Gesellschaft“, hielt Mädge Pauly vor.

„Es gibt kein gutes oder schlechtes Netz“, meinte Ulrich Blanck (Grüne) mit Blick auf die frühere Entscheidung des Rates, das Avacon-Aktienpaket zu halten. Die wirtschaftliche Rendite aus diesem Paket habe für die Stadt eine große Bedeutung. Aus dem Paket auszusteigen, um Politik zu machen, sei überdies wenig zielführend, denn in die frei gewordene Lücke „springen andere rein“.

Eckhard Neubauer (SPD) versuchte den Spagat, indem er vorschlug, die üppige Avacon-Rendite mitzunehmen, zugleich aber die Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt als Anteilseigner für eine Energiewende anzustreben. Auch Eugen Srugis sieht derzeit „keine Veranlassung, bei den hohen Renditen einen Strategiewechsel vorzunehmen“. Für Björn Adam (Grüne) war das Thema „sehr komplex und vielschichtig“. Er empfahl einen Plan für die „Zwischenphase“ und regte an, konstruktiv darüber zu diskutieren, ob nicht vielleicht doch ein anderer Weg als der jetzige gegangen werden sollte. Für Birte Schellmann (FDP) war klar: „Man muss es genau beobachten.“

Ob es auch einen „Plan B“ für die Zeit gebe, in der die Rendite vielleicht wieder geringer ausfällt, wollte Pauly von Dirk Günther, Geschäftsführer der Kurmittel GmbH, wissen. „Ich denke jeden Tag über einen Plan B nach“, sagte Günther. Schließlich habe er die Verantwortung nicht nur für 400000 Badegäste pro Jahr, die sich auf einen reibungslosen Badebetrieb verlassen, sondern auch für 65 hochqualifizierte Mitarbeiter.

Bald wieder Gewinn abwerfen soll auch die Orthoklinik, die für 2013 noch einen Jahresfehlbetrag in Höhe von 244718 Euro ausweist. „Wir bringen die Zahlen nach oben“, kündigte Mädge als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Gesundheitsholding an. „Das haben Sie im vergangenen Jahr auch schon gesagt“, hielt ihm Birte Schellmann zweifelnd entgegen. „Aber in diesem Jahr stimmt es“, war die erstaunlich offene Antwort des Oberbürgermeisters. Man liege genau im Plan und habe es geschafft, „die Kurve zu kriegen“, sagte Mädge. Bereits jetzt sei man in den schwarzen Zahlen, sollte nichts Wesentliches eintreten, werde das Geschäftsjahr mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen. Wesentlich dazu trage bei, dass Anfang des Jahres zwei Belegärzte für die Orthoklinik gewonnen werden konnten, die auch Patienten mitgebracht hätten, wie Heiko Zellmer, Geschäftsführer der Orthoklinik, berichtete.