Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Allein drei schwere Motorradunfälle in nur einer Woche legen den Schluss nahe, dass Biker in diesem Jahr besonders gefährdet sind. Doch laut Verkehrsunfallkommission bewegen sich die Zahlen auf dem Niveau der Vorjahre. Foto: A/be
Allein drei schwere Motorradunfälle in nur einer Woche legen den Schluss nahe, dass Biker in diesem Jahr besonders gefährdet sind. Doch laut Verkehrsunfallkommission bewegen sich die Zahlen auf dem Niveau der Vorjahre. Foto: A/be

Schwarze Woche für Motorradfahrer

kre Lüneburg. Bei Neetze verunglückte vergangene Woche ein Motorradfahrer tödlich. In Lüneburg wird ein 51-jähriger Biker schwer verletzt, nachdem ihm ein Autofahrer die Vorfahrt genommen hatte. Und im Amt Neuhaus stürzt in einer scharfen Rechtskurve ein 36-jähriger Honda-Fahrer, weil er offenbar zu schnell unterwegs war. Schwer verletzt muss der Mann mit dem Rettungshubschrauber ins Klinikum geflogen werden. Drei schwere Unfälle in nur einer Woche: Trotzdem sagt Dirk Bonow, Leiter des Fachdienstes Straßenverkehr und Führerscheine beim Landkreis Lüneburg und Mitglied der Verkehrsunfallkommission: „Einen Anstieg an schweren oder gar tödlichen Motorradunfällen verzeichnen wir nicht im Landkreis Lüneburg.“ Auch wenn die Meldungen der vergangenen Woche vielleicht einen anderen Eindruck vermitteln.

Mit genauen Unfallzahlen kann Bonow, selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer, seine Einschätzung allerdings noch nicht untermauern: „Die Unfallstatistik liegt erst zum Jahreswechsel vor.“

Richtig sei allerdings, das immer mehr Ältere die Lust und die Leidenschaft am Motorrad (wieder)entdecken: Die Zunahme der 50-Plus-Generation auf den Maschinen spiegelt sich nach Bonows Erfahrungen aber nicht in den Unfallzahlen wider: ,,Die gehen quer durch alle Altersschichten.“

Die Freiheit auf zwei Rädern wird in kaum einem anderen Land in Europa so geschätzt wie in Deutschland. Ende 2013 waren bundesweit 4,05 Millionen Motorräder zugelassen.

So sehr der Ausflug auf dem Motorrad auch Spaß macht, klar ist: Biker haben keine Knautschzone. Laut ADAC ist das Risiko mit dem Motorrad zu verunglücken etwa viermal höher als für Pkw-Insassen. Und nach wie vor sind Autofahrer die Hauptunfallgegner. Bei rund drei Viertel dieser Kollisionen zwischen Auto und Motorrad, so der ADAC, haben die Pkw-Lenker die Schuld an dem Unfall. Oder wie es Dirk Bonow zugegebenermaßen etwas plakativ ausdrückt: ,,Biker töten nicht Biker werden getötet!“

Für Motorradfahrer sei es daher geradezu überlebenswichtig, vorausschauend zu fahren, für andere Verkehrsteilnehmer mitzudenken: ,,Das wichtigste Sicherheitsmerkmal bei Bikern sitzt immer vorne und hält den Lenker fest“, erinnert Bonow.

Jetzt im Herbst mahnt auch der Automobilclub von Deutschland (AvD) Motorradfahrer zu besonderer Vorsicht: Regen, Raureif, Laub und Fahrbahn-Verschmutzungen durch Erntefahrzeuge fordern die volle Konzentration der Motorradfahrer. ,,Starkes Beschleunigen, extreme Schräglagen und hartes Bremsen gehören nur bedingt in den Herbst. Außerdem sollten sich Motorradfahrer bewusst sein, dass die Reifen im Herbst später ihre normale Betriebstemperatur erreichen,“ so die AvD-Experten. Die tiefer stehende Sonne sorgt zudem für schlechtere Sichtverhältnisse nicht nur bei den Bikern selbst, sondern auch bei den Autofahrern, die im ungünstigsten Fall so geblendet werden, dass sie ein entgegenkommendes Motorrad gar nicht sehen. Bonow wiederholt deshalb seinen Tipp: ,,Lieber defensiv fahren, früher bremsen und dafür heile ankommen!“