Donnerstag , 29. September 2016
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Mit einer hydraulischen Schere knipst Baggerführer Harald Vogel im Elbvorland die Bäume ab. Foto: kre
Mit einer hydraulischen Schere knipst Baggerführer Harald Vogel im Elbvorland die Bäume ab. Foto: kre

Schnipp schnapp im Auenwald +++ mit LZplay-Video

kre Barförde. 180 Pferdestärken knacken auch den dicksten Stamm: Nicht einmal drei Minuten braucht Harald Vogel, um der Weide den Garaus zu machen. Baum für Baum ,,knipst“ er mit der hydraulischen Schere an seinem Bagger ab: Erst auf halber Höhe, dann unmittelbar über dem Boden. Der Tabula-rasa-Einsatz an der Elbe ist behördlich angeordnet und sorgt nicht nur bei dem Barförder Karsten Röhrs für gute Stimmung: Denn seit Jahren schon kämpfen die Elbanwohner gegen die zunehmende Verbuschung an der Elbe, die bei Hochwasserereignissen den Pegel noch weiter anschwellen lässt.

,,Früher gab es das Thema Verbuschung nicht“, erinnert sich Hartmut Burmester, Landwirt und Deichhauptmann des Artlenburger Deichverbandes: Aufgetreten sei das Problem erst mit der wachsenden Bedeutung des Naturschutzes, ,,als generell keine Beweidung mehr an der Elbe seit Ende der 1980er-Jahre im Uferbereich möglich war“.

Seit 2002 wurde die Region als „Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue“ ausgewiesen. Seitdem wacht die Biosphärenreservatsverwaltung über Fauna und Flora an der Elbe, muss jeder Einsatz im Deichvorland abgesprochen und genehmigt werden.

Deichhauptmann Hartmut Burmester zeigt auf das Problem: Schon nach einem Jahr treiben die Stubben wieder kräftig aus. Foto: kre
Deichhauptmann Hartmut Burmester zeigt auf das Problem: Schon nach einem Jahr treiben die Stubben wieder kräftig aus. Foto: kre

Und das ist eine mühsame Angelegenheit jedenfalls aus Sicht der Anwohner und des Vereins zum Schutz der Kulturlandschaft und des Eigentums in der Elbtalaue kurz VSKE. Dass seit dem 1. Oktober trotzdem der Gehölzrückschnitt auch in besonders geschützten Bereichen an der Elbe starten durfte, ist für den Vereinsvorsitzenden Jürgen Siems eine gute Nachricht.

In vier Bereichen im Deichvorland, wo es bei Hochwasser und Eisgang besonders eng werden kann, werden zurzeit in enger Abstimmung mit der Biosphärenreservatsverwaltung Büsche, Bäume und Hecken zurückgeschnitten. In Barförde waren die Arbeiten bis gestern Abend fast erledigt, in Bitter, Darchau und Privelack sollen sie kommende Woche starten.

Dass diese Gehölzrückschnitte möglich sind, hatten sich Landkreis, Deichverband und Anwohner bis Anfang des Jahres zwar gewünscht, aber kaum vorstellen können. Erst ein Gespräch in Brüssel brachte Klarheit, denn: ,,Eine Genehmigung aus Brüssel ist gar nicht notwendig, die EU muss nur unterrichtet werden“, erklärte gestern Claudia Schröder vom Landkreis Lüneburg.

Um den Eingriff in den besonders geschützen Weichholz-Auenwald auszugleichen, soll andernorts im sogenannten Natura-2000-Gebiet neuer Auenwald entstehen. Etwa an der Sude, der Krainke und der Seege sollen Schwarzpappeln, Ulmen und Weiden für die gefällten Bäume als Ausgleichsmaßnahme aufgeforstet werden. Dass bei der Fäll-Aktion an der Elbe nicht alle Bäume entnommen werden dürfen, sondern einzelne Solitärbäume stehen bleiben müssen, verwundert den VSKE-Vorsitzenden Siems. ,,Diese Forderung der Biosphärenreservatsverwaltung ist neu“

Trotzdem: Die begonnenen Rückschnittmaßnahmen sind ein Anfang. Zeitgleich arbeitet der Arbeitskreis der Wasser- und Naturschutzverwaltungen, der Deich- und Naturschutzverbände und der Kommunen weiter an einem Rahmenplan, in dem das weitere Vorgehen festgeschrieben werden soll. Schröder: ,,Ende 2015 soll dieser Rahmenplan fertig sein und in Brüssel vorgelegt werden.“

Denn ein Problem, dass es rasch zu lösen gilt, zeigte sich auch gestern beim Pressetermin vor Ort: Bäume, die im vergangenen Jahr zurückgeschnitten worden waren, treiben bereits wieder kräftig aus. ,,Wir müssen überlegen, wie wir die Flächen dauerhaft frei bekommen, den Wiederaufwuchs verhindern können“, sagt Schröder. Das Roden der Stubben komme nicht in Betracht der Dioxin-Belastung im Boden wegen.

Doch jetzt werden erst einmal die beschlossenen Rückschnittmaßnahmen durchgeführt. Und das anfallende Holz? „Das wird zu Holzhackschnitzel verarbeitet“, klärt Kreissprecherin Katrin Holzmann auf.

 

One comment

  1. Unfassbar. Ist das eine Glosse? Oder ein schlechter Aprilscherz? Man glaubt es kaum, die Mitarbeiterin der Wasserbehörde Lüneburg überlegt schon „wie man die Flächen dauerhaft freibekommt und den Wiederaufwuchs“ verhindert. Vielleicht ein paar Tonnen Beton aufschütten? Na, super, herzlich willkommen im „Biospährenreservat“! Vorne ein schönes Schild mit Maßregeln für den Besucher und dahinter dann eine trostlose, flurbereinigte Deichlandschaft ohne Bäume. Damit das Elbwasser schön schnell ablaufen kann!
    Dieser Kahlschlag in einem angeblich besonders geschützten Bereich („Biosphärenreservat“) zeigt einmal mal, wie unter dem Deckmantel des Eigentümer- und Hochwasserschutzes rücksichtslos wertvolle Lebensräume zerstört werden. Es ist doch völlig logisch dass Weiden nach dem Schnitt wieder austreiben. Deshalb wird durch das Fällen der Bäume das angebliche Problem der „Verbuschung“ nur verstärkt.
    Ich bin selber Anwohnerin und fühle mich durch den VSKE in keiner Weise vertreten. In der Elbtallaue leben Eisvogel, Bieber und Seeadler (noch). Soll deren Lebensraum jetzt vollends mit der Motorsäge zerstört werden? Mich wundert in diesem Fall die völlig kritiklose Berichterstattung der Landeszeitung!