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Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) stellt eine neue Studie zum Ausbau der Seehafen-Hinterland-Anbidung als Alternative zu Y-Trasse auf der Schiene vor. Foto: A./ t&w
Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) stellt eine neue Studie zum Ausbau der Seehafen-Hinterland-Anbidung als Alternative zu Y-Trasse auf der Schiene vor. Foto: A./ t&w

,,Das Land ist in der Pflicht“

dth Lüneburg/Hannover. Eine neue Studie zum Ausbau der Seehafen-Hinterland-Anbindung auf der Schiene hat gestern, 7. Oktober, der Verkehrsclub Deutschland (VCD) vorgestellt beim „7. Bahnkongress Niedersachsen“ in Hannover. Mehr als 60 Teilnehmer aus der Bahn- und Logistikbranche, Verkehrsexperten, Vertreter von Kommunen bis hin zur Hamburg Port Authority tauschten sich auch über die geplante Y-Trasse und deren mögliche Alternativen aus. VCD-Landesvorsitzender Hans-Christian Friedrichs aus Reppenstedt zeigte sich nach der Veranstaltung zufrieden: „Wir sehen jetzt das Land in der Pflicht.“ Wirtschaftsminister Olaf Lies bestätigte, die VCD-Studie im weiteren Verfahren berücksichtigen zu wollen. Für Verwirrung sorgte indes die Äußerung eines Bahnmanagers, wonach eine der umstrittenen Neubau-Trasse Ashausen-Unterlüß „vom Schirm genommen“ worden sei.

Die Studie hat im VCD-Auftrag Dr. Carsten Hein, ehemaliger Geschäftsführer der Metronom GmbH, erstellt. Landesvorsitzender Friedrichs sagt: „Wir sind die einzigen, die die Knotenpunktproblematik bei Hamburg-Harburg, Bremen und Hannover angehen, während die Bahn nur Bypässe bauen will.“ Dabei ginge der VCD unter anderem von einer westlichen Umfahrung der Harburger Berge aus. Grundprinzipien jener Ausbau-Vorschläge seien eine effizientere Nutzung der Schiene durch einen „zweilagigen Containertransport“, eine möglichst geringe Zerschneidung der Landschaft und die Schonung von Ressourcen durch einen Ausbau bestehender Strecken, etwa der sogenannten Wendlandbahn.

Der Ausbau der Verkehrsachse Bremerhaven/Hamburg/Wittenberge über Lüneburg wird in der VCD-Studie mit Kosten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro geschätzt zuzüglich des Streckenausbaus für eine Umfahrung Bremens für maximal 800 Millionen Euro.

Verkehrsminister Olaf Lies erklärte, dass ein Ausbau vorhandener Infrastruktur notwendig sei, um kurzfristig weitere Kapazitäten für den Seehafen-Hinterland-Verkehr zu schaffen. Und: „Uns muss es darum gehen, den Ausbau möglichst mit Mensch, Umwelt und Natur in Einklang zu bringen.“ Mit Blick auf die VCD-Studie, die ganz andere Varianten in den Blick nimmt als die Machbarkeitsstudie der Bahn, sagte Lies: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht mit immer neuen Varianten den Prozess weiter in die Länge ziehen.“
Für den Ausbau der Wendlandbahn konnte sich Lies aber nicht so sehr erwärmen. Für die Ertüchtigung der Ost-West-Tangente favorisiere er die „Amerikalinie“, die von Langwedel nach Uelzen führt und von dort aus über Stendal an den für den Güterverkehr so wichtigen Ostkorridor anschließt.

Lies verweist auf das Dialogverfahren, das unter Federführung des Landes moderiert wird: „Wenn wir im Januar mit dem Verfahren beginnen, geht es anfangs nicht darum, welche von der Bahn geprüften Trassen besser oder schlechter sind, sondern darum, Bewertungskriterien zu erarbeiten.“

Für zwischenzeitlichen Jubel bei Y- und Neubautrassen-Gegner Eckehard Niemann vom Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen (LBU) sorgte eine Äußerung des DB-Konzernbevollmächtigten Ulrich Bischoping, als er die Alternativen zur Y-Trasse vorstellte. Dabei sei die Neubaustrecke Ashausen-Unterlüß „vom Schirm genommen“ worden. In einer LBU-Pressemitteilung wurde das als Trassenstreichung interpretiert. Dazu Bahnsprecher Armin Skierlo: „Das ist ein Missverständnis. Weil die Trasse Ashausen-Suderburg einen ähnlichen Verkehrseffekt hat, wie Ashausen-Unterlüß wurde nur eine vorgestellt. Die Äußerung bezog sich nur auf den Vortrag. Im Prüfungsverfahren sind alle Varianten im Spiel.“

2 Kommentare

  1. Der vom VCD geforderte Ausbau des Wendlandbahn ist Wahnsinn! Man stelle sich einmal vor: 2 Gleise, elektrifiziert, rechts und links 5 Meter hohe Lärmschutzwände auf der ganzen Strecke zwischen Lüneburg und Dannenberg. Dazu noch eine neue Elbquerung, damit Dannenberg aus zwei Richtungen angefahren werden kann. Prost, dann kann der Castor ja endlich ungestört ins Wendland kommen…

  2. Die Trassenführung einer Westumfahrung der Harburger Berge über Buchholz nach Lüneburg, wie sie der VCD fordert, ist aufgrund der heute dichten Besiedelung in dem Gebiet völlig illusorisch. Hier wird statt im Keller auf der Landkarte Eisenbahn gespielt, ohne sich vor Ort über die Probleme klar zu sein.

    Richtig bedenklich wird die Strecke aber im Bereich von Lüneburg nach Wittenberge. Hier würde der perfekte Logistikkorridor für ein Endlager Gorleben geschaffen, bei dem die AKW-Reste der ehemaligen DDR über Wittenberge und der BRD-AKW über Lüneburg nach Dannenberg transportiert werden könnten, ohne den Widerstand der Endlagergegner dank 6 Meter hoher Lärmschuzwände fürchten zu müssen.

    Man fragt sich, ob der VCD von der Atomlobby finanziert wird?