Aktuell
Home | Lokales | Der große Spaß aus dem Ei
Schlümpfe waren schon mehrfach das Motiv für Ü-Eier-Spielzeug  das Exemplar in der Hängematte gehört zu Gudrun Vissers Lieblingen. Foto: t&w
Schlümpfe waren schon mehrfach das Motiv für Ü-Eier-Spielzeug  das Exemplar in der Hängematte gehört zu Gudrun Vissers Lieblingen. Foto: t&w

Der große Spaß aus dem Ei

pet Handorf. Die ,,Dribbel Boys“ von 1990 hat sie komplett. Ebenso die ,,Kleinen Giganten“ von 2002, die ,,Bingo Birds“ (1996), die ,,Coolen Abhänger“ (2002). Und noch viele Tausend Figuren mehr, die in den vergangenen 40 Jahren in den kunterbunten Überraschungs-Eiern zu finden waren, nennt Gudrun Visser ihr Eigen. Das Sammeln des putzigen Spielzeugs ist das große Hobby der Handorferin. Was sie vermisst, ist eine Tauschbörse im Norden, von denen es früher einige gegeben hat. Um den Mangel zu beheben, ist Visser selbst aktiv geworden: Für Sonntag, 12. Oktober, 10 bis 14 Uhr, lädt sie zur Überraschungseier-Tauschbörse nach Oldershausen (Harms Hus, Hauptstraße 15) ein.

Früher hat es mehrere Tauschbörsen in der Region gegeben, in der Hamburger Uni-Mensa, in Bramfeld. Jetzt gibt es nur noch zweimal im Jahr eine Börse in Bremen. Die meisten Tauschbörsen finden dagegen im Süden statt. „Und auch auf Flohmärkten ist das Angebot deutlich geringer geworden“, erklärt Gudrun Visser ihre Aktivitäten. Sie habe Kontakt zu vielen Sammlern in der Gegend: ,,Die haben gesagt, mach du doch mal was.“ Und das macht die 63-Jährige jetzt: ,,Sammler unter anderem aus Berlin, Schwerin, Hamburg, Bocholt und Bremen haben sich schon angesagt.“

Vor 25 Jahren hat Gudrun Visser der ,,Virus“ gepackt: ,,Auf einem Flohmarkt habe ich Figuren entdeckt, die mir gefallen haben, die landeten dann auf dem Schreibtisch. Dann bekam ich die Idee, dass ich Figurensätze komplett machen muss.“ Wie viele Figuren aus den Ü-Eiern sie inzwischen hat, das weiß die Sammlerin nicht. In Setzkästen und Vitrinen hat sie viele Hundert wohlgeordnet untergebracht, noch viele mehr nach einem ausgeklügelten Sortiersystem in Kartons.

Metallene Schiffchen, Autos und Flugzeuge, Kochgeschirr oder Spielzeug packte der Schokoladenhersteller in den Anfangsjahren in die bei Jung und Alt beliebten Eier. Von 1976 stammen die ältesten Figuren, die Gudrun Visser ergattern konnte. Die ersten Ü-Eier kamen zwei Jahre vorher heraus. ,,Figuren von 1974 zu erwischen, das wäre natürlich ein Traum“, schwärmt sie.

Die Sätze, die ab 1988 auf den Markt gebracht wurden, hat Gudrun Visser immerhin komplett. Und immer wenn der Schokoladenkonzern eine neue Serie herausgibt, und das ist vier Mal im Jahr, vollzieht sich das gleiche Ritual: ,,Ich kaufe einen Karton mit 72 Ü-Eiern, die werden dann vorsichtig geöffnet.“ Für die Schokolade hat Gudrun Visser dankbare Abnehmer, die geht an Enkel und Tochter. Im Gegenzug gibt es dann hin und wieder auch komplette Ü-Eier zurück, deren Inhalt dann wieder in Vissers Sammlung geht.

Das Sammeln von Ü-Eiern ,,ist eine Wissenschaft für sich“, weiß Gudrun Visser. Ganz wichtig: Der Beipackzettel, ohne den die schönste Figur nichts wert ist. Und: Natürlich darf nichts abgebrochen sein, und alle Aufkleber müssen vorhanden sein. Kataloge mit mehr als 1500 Seiten und Internetauftritte helfen Sammlern, in der Welt des Ü-Ei-Spielzeugs nicht den Überblick zu verlieren, unendlich sind die Infos, die im Internet zur Verfügung stehen.

Viel Geduld ist erforderlich für die Sammler der niedlichen kleinen Figuren beeinflussen kann man sein Glück beim Kauf nämlich nicht. Besser: nicht mehr: ,,Früher konnte man durch Schütteln oder Wiegen herausfinden, was sich im Ei befindet. Das geht schön längst nicht mehr.“ Umso wichtiger sind für Sammler Tauschbörsen wie die in Oldershausen, die am Sonntag ihre Premiere feiert.

One comment

  1. Nicht auszudenken, wie es wäre, wenn einige Politiker sich im Jahr 2008 mit ihrer Idee, die Überraschungseier in Deutschland zu verbieten (http://www.welt.de/wirtschaft/article2280798/Politiker-wollen-das-Ueberraschungsei-verbieten.html) durchgesetzt hätten. In den USA gibt es ein solches Verbot tatsächlich.

    Angesichts der „schrecklichen Gefahren“, die von solchen Schokoeiern für Kinder ausgehen, ist es wohl ganz gut, dass Oma Visser sich des in ihnen enthaltenen Spielzeugs bemächtigt, bevor sie die Schokolade an ihre Enkel weitergibt.

    Trotzdem: Ich bin froh, dass es solche politischen Bedenkenträger während meiner Kindheit nicht gab (und, ehrlich gesagt, dass meine Großeltern mir die Überraschungseier immer im Originalzustand schenkten). Das Leben ist nun mal lebensgefährlich.