Aktuell
Home | Lokales | Der Wald wird ökologischer
Ein Laubwald im Herbstlicht: Der Anteil der Laubbäume wird in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen. Foto: t&w
Ein Laubwald im Herbstlicht: Der Anteil der Laubbäume wird in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen. Foto: t&w

Der Wald wird ökologischer

kre Lüneburg/Sellhorn. Die Fichte gehört zu den Verlierern im heimischen Wald! Das klingt schlimm – ,,ist es aber nicht“, beruhigt Rainer Baumgart, Pressesprecher der niedersächsischen Landesforsten. Auch wenn der drohende Klimawandel, fehlende Niederschläge und vermehrter Schädlingsbefall dem Nadelbaum künftig noch mehr als bisher zu schaffen machen werden langfristig wird die Fichte in den Wäldern wohl nur noch eine nachrangige Rolle spielen. Denn: Seit Jahrzehnten schon sind die Förster dabei, den Laubholzanteil in den Wäldern kontinuierlich zu erhöhen. Und das ist auch gut so, wie jetzt die Ergebnisse der Bundeswaldinventur belegen. Der naturnahe Waldumbau zeige Erfolge ,,Niedersachsens Wald wird immer natürlicher, klimafreundlicher und ökologischer“, lobt Forstminister Christian Meyer (Grüne).

Das trifft natürlich auch für die Wälder zwischen Elbe und Heide zu, konkret für die Flächen der drei Forstämter Göhrde, Oerrel und Sellhorn. Denn dass auch hier der Laubbaumanteil stetig steigt, war so vor mehr als 150 Jahren kaum vorstellbar: Baumgart lädt ein zu einer kurzen Exkursion in die Geschichte der Heideforstämter: ,,Das Forstamt Oerrel beispielseise ist vor 150 Jahren komplett auf einer Heidefläche entstanden“, berichtet der Wald­experte. Auf dem sandigen, kargen und nährstoffarmen Boden wuchs die Kiefer nun einmal am besten“. Im übrigen hatten die Altvorderen auch kaum anderes Saatgut zur Verfügung: ,,Die mussten nehmen, was da war“, sagt Baumgart. Davon abgesehen sei die Kiefer der Pionierbaum, der mit den kargen, sandigen Böden am besten zurechtkomme.

Dass die Nadelhölzer lange Zeit den Vorzug erhielten, hat aber auch mit den sogenannten ,,Reparationshieben“ nach dem Zweiten Weltkrieg zu tun. Die Sieger brauchten Holz zum Wiederaufbau, ganze Wälder wurden platt gemacht und anschließend mit schnell wachsenden Kiefern und Fichten neu aufgeforstet: Monokulturen im Dienste des deutschen Wirtsschaftwunders.

Waldbauliche Entscheidungen, die sich beim Novembersturm ,,Quimburga“ 1972 bitter rächen sollten: Der Orkan war nicht nur einer der schlimmsten des 20. Jahrhunderts, er zog auch eine Spur der Verwüstung durchs Land und durch die Wälder. In Niedersachsen fielen dem Sturm etwa zehn Prozent des gesamten Waldbestandes zum Opfer. Auf einer Schadensfläche von über 100000 Hektar wurden mehr als 50 Millionen Bäume umgeworfen.

Spätestens nach dieser Katastrophe war den Forstbehörden klar: ,,Wir benötigen stabilere Wälder!“ Es war zugleich die Geburtstunde von ,,LÖWE“ dem Programm zur ,,Langfristigen ökologischen Waldentwicklung“. Das Ziel dieses Programms: mehr Struktur und mehr Vielfalt, mithin abwechslungsreichere Wälder zu bekommen. Noch überwiegen landesweit die Nadelbaum­arten wie Fichte und Kiefer, die derzeit 53 Prozent der Waldfläche einnehmen. ,,Der Abstand zu den Laubbäumen wie Buche oder Eiche ist aber deutlich geringer geworden“, stellt Baumgart fest.

In den vergangenen zehn Jahren konnte der Buchenanteil in den Landesforsten von 19 auf 21 Prozent erhöht werden, auch der Anteil der Eiche nahm leicht zu. Das langfristige Ziel: Ein Laubbaumanteil von 65 Prozent. Ganz verzichten wollen die Förster auf Nadelbaume aber auch in Zukunft nicht, setzen allerdings auf stabile Baumarten, die den Herausforderungen des Klimawandels besser gewachsen sind als Kiefer und Fichte nämlich Lärche und Douglasie.

Und auch wenn der Hunger nach Holz immer größer wird: Die Holzmenge in den Landesforsten nimmt zu. 98 Kubikmeter Holz stehen heute in den Landesforsten, 2002 waren es nur 91 Million Kubikmeter. ,,Das zeigt die nachhaltige Bewirtschaftung. Es wird weniger geerntet, als von der Natur aus nachwächst“, stellt Rainer Baumgart zufrieden fest.