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Unternehmer Matthias David (r.) bietet Elektromobilisten in Reppenstedt eine kostenlose Lademöglichkeit an. Professor Hans-Dieter Sträter (l.) und Axel Diederich vom Autohaus Stein begrüßen das Projekt. Foto: t&w
Unternehmer Matthias David (r.) bietet Elektromobilisten in Reppenstedt eine kostenlose Lademöglichkeit an. Professor Hans-Dieter Sträter (l.) und Axel Diederich vom Autohaus Stein begrüßen das Projekt. Foto: t&w

Einmal kostenlos volltanken, bitte!

dth Reppenstedt/Lüneburg. In einem Graubereich bewegt sich derzeit der Reppenstedter Unternehmer Matthias David: Er hat jetzt eine „E-Tankstelle“ errichtet, die offiziell keine sein darf, sondern ein „Carport mit Lademöglichkeit für Elektromobile“. Dabei verwendet er vorwiegend vor Ort selbstproduzierten Strom aus seinen Photovoltaikanlagen. Den Strom verschenkt er, weil der Gesetzgeber für einen Verkauf hohe Hürden gesetzt hat. Anstelle eines Geschäftsmodells ist das für David derzeit eher eine Liebhaberei. Der Fall zeigt, wie derzeit Anspruch und Wirklichkeit beim Ausbau der Elektromobilität auseinanderklaffen. Einerseits will die Bundesregierung möglichst viele Elektromobile auf der Straße sehen. Andererseits beschränken veraltete Gesetzesvorgaben den Aufbau einer von den großen Stromanbietern unabhängige Lade-Infrastruktur.

Während etwa in Hamburg nach Angaben der Wirtschaftsbehörde das Angebot der für jedermann nutzbaren Ladeplätze bis 2016 auf 592 vervierfacht werden soll, ist die Anzahl der öffentlichen Ladestationen in einem Radius von 20 Kilometern rund um Lüneburg übersichtlich: Acht Stück sind etwa beim Online-Portal „Chargemap.com“ registriert. Etwa die EWE-Ladestation beim Kreishaus in Winsen/Luhe bis hin zur RWE-Stromzapfsäule auf dem Gelände des ADAC-Fahrsicherheitszentrums in Embsen, beim Autohaus Stein in Lüneburg oder beim Castanea Hotel in Adendorf.

David: „Wir sind am Anfang eines Mega-Trends. Für die Region Lüneburg kann das ein entscheidender Standortfaktor sein. Deshalb hoffe ich auf Nachahmer.“ Aber: „Die geltenden Regelungen sind nicht optimal“, räumt Michael Reifenberg, Sprecher der Bundesnetzagentur in Bonn ein. „Wenn man als Strom-Tankstelle am Markt fungieren will, ähnlich einer Benzin-Tankstelle, dann muss man zu einem sogenannten Bilanzkreis gehören, der den weiterverkauften Strom bepreist.“ Mit anderen Worten: Wer eine Stromtankstelle betreiben will, ist auch vom Wohl und Weh der großen Energieversorger abhängig.

Reifenberg: „Und nach meinem Dafürhalten macht es kein Unterschied, ob man den Strom als privater Anbieter weiterverkauft oder verschenkt. In jedem Fall muss man sich mit seinem Versorger ins Benehmen setzen.“ Allerdings seien diese Regelungen gemacht worden, als Elektromobilität noch kein Thema war. Derzeit finden im Rahmen der Nationalen Plattform Elektromobilität unter Federführung des Bundesverkehrs- und des Wirtschaftsministeriums sowie der Industrie Gespräche über mögliche Neuregelungen statt.

Die Hansestadt Hamburg will den Ausbau der Lade-Infrastruktur mit Hilfe ihrer städtischen Stromnetz Hamburg GmbH vorantreiben. Unternehmer David sagt: „Vielleicht kann sich die Stadt Lüneburg mit der Avacon ein Vorbild daran nehmen.“ Doch der örtliche Netzbetreiber scheint den Ausbau öffentlicher Ladestationen eher mit gedämpften Ambitionen zu verfolgen. Immerhin soll laut Avacon-Sprecherin Corinna Hinkel die seit Längerem defekte und nicht mehr reparable Elektrotankstelle beim Stadttheater ersetzt werden in den nächsten vier bis sechs Wochen.

Markt für Elektromobile wächst
Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes wurden im vergangenen September bundesweit 260.062 Pkw neu zugelassen, das sind insgesamt 5,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Mehr als die Hälfte aller Neuzulassungen waren Benziner (52,9 Prozent), der Dieselanteil lag bei 45,5 Prozent. Die Anteile der alternativen Antriebe lagen im September jeweils unterhalb der Ein-Prozent-Marke gemessen am Gesamtaufkommen: Für sich genommen bedeuten die 747 zugelassenen Elektro-Pkw im Vergleich zum Vorjahrsmonat allerdings eine Steigerung um 40,4 Prozent. Ähnlich nahmen die Zulassungen für Pkw mit Flüssiggas zu (40,9). Mit Erdgas angetriebene Fahrzeuge hingegen verloren mit minus 16,1 Prozent.

One comment

  1. Aus meiner sicht der Dinge werden kleine Stromproduzenten, bewußt und mit voller Absicht in ihren Möglichkeiten behindert und ausgebremst. Ich selber habe kein Elktroauto und auch keine Photovoltaikanlage weil man ja schon fast drauf Wetten konnte das der Staat wieder irgendwas dagegen findet. Klimaschutz ist nicht so wichtig, die paar Stürme und Überschwemmungen, das wird schon, Klima hatten wir doch immer. Die Idee den Strom kostenlos abzugeben ist Klasse und sollte viele Nachahmer finden. Denn Nutzern, sei gesagt Spenden sind erlaubt auch wenn die Besitzer der kostenlosen Zapfgelegenheit keine Spendenbox aufgestellt haben, so eine Anlage muss ja auch gewartet werden.
    Jetzt warte ich nur noch auf den Politiker der laut verkündet – verschenken ist verboten – aber ich denke den werden wir dann in die Wüste schicken.