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Aus dem Salzhausener Krankenhaus soll zukünftig ein ambulantes Gesundheitszentrum werden. Foto: A. /pet
Aus dem Salzhausener Krankenhaus soll zukünftig ein ambulantes Gesundheitszentrum werden. Foto: A. /pet

Kreis übernimmt das Zepter

pet Salzhausen. Aus dem Krankenhaus Salzhausen mit seinen verschiedenen, auch stationären Abteilungen wird ein ,,ambulantes Gesundheitszentrum“ den Weg dafür freigemacht hat jetzt der Harburger Kreistag. In der jüngsten Sitzung in Hittfeld stimmte das Gremium mit großer Mehrheit für die Übernahme der seit drei Jahren insolventen Klinik durch den Landkreis. Nur die Grünen sprachen sich dagegen aus.

Einig war sich die Mehrheit, dass ein stationäres Krankenhaus Salzhausen, wie es seit mehr als 100 Jahren besteht, in der modernen Krankenhauslandschaft keine Zukunft mehr hat. Rainer Rempe, der kurz zuvor als neuer Landrat vereidigt worden war, erklärte aber: ,,Wir wollen und müssen Verantwortung für den Gesundheitsstandort Salzhausen übernehmen.“

Der Kreis wird im Zuge der Übernahme die Kosten für die Aufhebung des Insolvenzverfahrens von bis zu 1,5 Millionen Euro übernehmen. 2015, 2016 und 2017 steuert der Kreis zudem jeweils 800000 Euro für die Umwandlung der traditionsreichen Klinik bei. Um die Mittel aufzubringen, soll beim Straßenbau gespart werden.

Wichtig für die rund 120 Klinik-Mitarbeiter: Für sie gibt es eine ,,Anschlussbeschäftigungsgarantie“, sagte Kreissprecher Johannes Freudewald. Ob die Mitarbeiter weiter in Salzhausen arbeiten können oder in den anderen kreiseigenen Kliniken in Winsen oder Buchholz, stehe aber noch nicht fest.

Wie die Zusammenarbeit und die Verteilung künftiger Aufgaben mit den Kliniken in Winsen und Buchholz im Einzelnen aussehe, sei Inhalt der Gespräche, die in den kommenden Wochen geführt würden, so Freudewald. Die Urologie werde noch drei Jahre in Salzhausen bestehen bleiben, Veränderungen bei Chirurgie und Innerer Medizin werde es schon früher geben.

Der Landkreis Harburg wird die Geschäftsanteile des ,,Krankenpflegevereins Salzhausen eG“ komplett übernehmen und damit Eigentümer des einzigen genossenschaftlich geführten Krankenhauses in Deutschland in welcher Rechtsform genau, ist noch unklar. Der Kreis favorisiert eine gemeinnützige GmbH. Perfekt gemacht werden soll das Paket in einer außerordentlichen Kreistagssitzung am Montag, 17. November, mit der Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrags. Zuvor stehen noch umfangreiche Verhandlungen an, auch mit Insolvenzverwalter Jan Ockelmann.

Im November 2012 hatte das Krankenhaus Salzhausen einen Insolvenzantrag gestellt. In der Folgezeit wurden viele Modelle diskutiert, die Klinik fortzuführen. Interesse hatte neben privaten Investoren frühzeitig auch der Kreis Harburg angemeldet, war vom Gläubigerausschuss zunächst aber abgelehnt worden. Bis im Sommer der bundesweit tätige Medizindienstleister ,,Curagita“ endgültig abgesprungen war.

In das Krankenhaus Salzhausen waren vor 2011 insgesamt 6,2 Millionen Euro investiert worden, knapp die Hälfte aus Bundes- und Landesmitteln. Eine Rückforderung der Zuschüsse sei jedoch nicht zu erwarten, erklärte Freudewald, ,,das hat das Land signalisiert“.