Aktuell
Home | Lokales | Ruf nach schärferen Regeln
Der Heckenschnitt als Pflege soll auch künftig problemlos möglich sein, geht es aber nach BUND und Nabu, dürfen Gartenbesitzer nicht mehr allein entscheiden, ob sie eine Hecke in ihrem Garten entfernen. Foto: A./t&w
Der Heckenschnitt als Pflege soll auch künftig problemlos möglich sein, geht es aber nach BUND und Nabu, dürfen Gartenbesitzer nicht mehr allein entscheiden, ob sie eine Hecke in ihrem Garten entfernen. Foto: A./t&w

Ruf nach schärferen Regeln

ahe Lüneburg. Bäume fällen ist in Lüneburg nicht mehr so einfach zumindest rein rechtlich. Seit November 2013 sind vor allem größere und ortsbildprägende Exemplare im Stadtgebiet durch eine Satzung geschützt. Rechtzeitig bevor die Politik im Dezember im Grünflächenausschuss und im Rat darüber entscheiden wird, wie es nach Ablauf des zunächst ein Jahr gültigen Regelwerkes weitergehen soll, legen die Naturschutzverbände BUND und Nabu jetzt ein Papier mit eigenen Vorschlägen für eine überarbeitete Baumschutzsatzung vor. Und dieses Papier hat durchaus Potenzial für kontroverse Diskussionen: Denn die Verbände fordern, mehr Bäume unter Schutz zu stellen und auch Hecken sowie Gehölzgruppen in das Regelwerk mit einzubeziehen.

Ein vierköpfiger Arbeitskreis hat den Satzungsentwurf zu Papier gebracht. Matthias Fabian vom BUND gehörte ihm an, er erklärt: „Als die Baumschutzsatzung kam, haben wir das sehr begrüßt. Jetzt geht es da­rum, die Lehren aus den bisherigen Erfahrungen zu ziehen und die Satzung nachzujustieren.“ Dabei gehe es um mehr Rechtssicherheit, zum Beispiel klarere Formulierungen und einen umfassenderen Schutz. Fabian: „Viele große alte Bäume sind bislang nicht geschützt. Bisher gilt die Satzung für Bäume mit einem Stammdurchmesser von 90 Zentimetern und mehr. Wir schlagen vor, schon Bäume mit einem Stammdurchmesser von 70 Zentimetern in die Satzung mit aufzunehmen.“ Außerdem soll aus Sicht der Verbände nicht nur ein möglicher ortsbildprägender Charakter über Wohl und Wehe eines Baumes entscheiden, sondern auch dessen Funktion für die Artenvielfalt und das Stadtklima eine Rolle spielen.

„Wir wollen nicht jedem Lüneburger seinen Garten vorschreiben.“
Matthias Fabian (BUND)

Auch Karl Wurm vom BUND hat an dem Papier mitgearbeitet. Er nennt einen weiteren Grund für die Ausweitung des Schutzes: „Es gibt zwar an anderer Stelle immer auch Neupflanzungen, zum Beispiel, wenn Bäume für ein Baugebiet gefällt werden, aber eine 100 Jahre alte Buche produziert deutlich mehr Sauerstoff als ein ganz junger Baum. Ausgleichsmaßnahmen sind immer ein Verlust. In Lüneburg gilt bei Ersatzpflanzungen ein Verhältnis von 1:1 oder 1:3. Wir regen ein Verhältnis von 1:8 an, also mindestens acht neue Bäume für einen entfernten zu pflanzen.“ Thomas Mitschke vom Nabu, ebenfalls Arbeitskreismitglied, stellt klar: „Ziel unserer Bestrebungen ist es, den biologischen Schaden zu minimieren. Verhindern lässt er sich nicht.“

Die Naturschutzverbände regen an, dass auch Hecken ab 1,20 Metern Höhe und 5 Metern Länge nicht mehr ohne Weiteres entfernt werden dürfen und dichtes Gehölz ab 2,50 Meter Höhe und 4 Meter Durchmesser in die Satzung mit aufgenommen werden soll. Mitschke begründet: „Das ist wertvoller Lebensraum für Vögel und bietet ihnen Rückzugsmöglichkeiten.“ Dabei haben er und seine Mitstreiter nicht nur private Grundstückseigentümer im Blick, auch über das Vorgehen der AGL, die im Auftrag der Stadt die Grünanlagen in Lüneburg pflegt, sind sie nicht immer glücklich. So habe das Team erst in diesem Jahr am Kreidebergsee rund um eine Ruhebank einen regelrechten Kahlschlag zu verantworten. Den Argwohn von BUND und Nabu hatte auch ein Autohaus an der Hamburger Straße auf sich gezogen, das zwecks Erweiterung ein kleines Wäldchen entfernt hat, noch bevor die Genehmigung der Stadt vorgelegen habe. Mitschke hat registriert: „Das hatte dort unmittelbare Auswirkungen auf die Natur. Seither haben wir in dem Bereich signifikant weniger Hummeln.“

Kahlschlag am Kreidebergsee. Es brauche nun 20 Jahre, bis das Gehölz wieder nachwachse. Foto: nabu
Kahlschlag am Kreidebergsee. Es brauche nun 20 Jahre, bis das Gehölz wieder nachwachse. Foto: nabu

Mitschke und Co. wünschen sich, dass Verstöße gegen die Satzung auch öffentlich gemacht werden, nicht mit Namen, aber das Vergehen und die Strafe das diene der Abschreckung. Und die wäre größer, wenn das Bußgeld von maximal 5000 auf bis zu 25000 Euro heraufgesetzt würde. Andernfalls plane mancher Investor die relativ milde Strafe einfach in seine Kalkulation bei einem Bauvorhaben mit ein und greife zur Säge, ehe eine Genehmigung vorliegt.

Das Papier dürfte nicht bei allen Grundstückeigentümern tosenden Beifall ernten, wenn sie künftig erst ein Regelwerk studieren sollen, bevor sie ihren Garten umgestalten. Fabian sagt: „Wir wollen nicht jedem Lüneburger seinen Garten vorschreiben.“ Doch der Arbeitskreis sehe Lüneburg in einer besonderen Verantwortung, für die die Satzung sensibilisieren soll. Schließlich sei die Stadt Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ und im „Klimabündnis der europäischen Städte für Weltklima“. Sie wünschen sich, dass dies auch in einer Präambel Erwähnung findet, in der auch „Respekt gegenüber der Natur“, die „wichtige Funktion des Stadtgrüns für das Ortsbild, die Tier- und Pflanzenwelt“ sowie „das gesundheitliche und emotionale Wohlbefinden der Stadtbewohner“ betont werden sollten. Gleichzeitig plädieren sie dafür, dass die Stadt personell besser ausgestattet wird, um Anträge gründlich prüfen und die Einhaltung der Satzung vernünftig überwachen zu können.

Der Politik haben die Umweltverbände ihren Satzungsentwurf bei einem ersten Treffen jetzt vorgestellt, alle im Rat vertretenen Fraktionen seien anwesend gewesen. Ohne auf inhaltliche Details einzugehen, sagt Fabian: „Es hat eine lebhafte Diskussion gegeben.“ Und die dürfte in den kommenden Wochen noch weitergehen.