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Krisen treffen die heimische Wirtschaft

red Lüneburg. Noch im ersten Halbjahr steuerte die regionale Wirtschaft auf Erfolgskurs jetzt wurde das Wachstum stark gebremst. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg, an der sich knapp 300 Betriebe beteiligt haben. Im dritten Quartal fiel der Index um 22 Punkte auf einen Wert von 104 dem tiefsten Stand seit fast fünf Jahren. Zum Vergleich: Niedersachsenweit sank der Indexwert lediglich um neun Punkte. „Aktuell geht es unserer regionalen Wirtschaft immer noch gut“, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Zeinert klar: „Allerdings drücken die politischen Krisen auf die Stimmung und führen zu teilweise sehr verhaltenen Erwartungen.“

Im IHK-Bezirk Lüneburg-Wolfsburg seien laut Zeinert der Fahrzeugbau, die Lebensmittelindustrie und die Erdöl- und Erdgasindustrie von größerer Bedeutung als in anderen Teilen des Landes: „Diese Branchen sind von den wechselseitigen Sanktionen im Russlandgeschäft besonders betroffen. Das spiegelt sich jetzt in den Ergebnissen unserer Konjunkturumfrage wider.“ So mussten alle Hauptbranchen im Vergleich zum Sommer Rückgänge hinnehmen. Neben der Industrie sind vor allem die industrienahen Großhändler und Dienstleister betroffen. Neben dem schwierigen Russlandgeschäft fehlen weiterhin konjunkturelle Impulse aus den anderen großen Euro-Staaten. „Die regionale Wirtschaft hat allerdings bislang ihre Krisenfestigkeit bewiesen, nicht zuletzt weil sie sich nach wie vor auf einen stabilen Binnenmarkt verlassen kann“, sagt Zeinert.

Abwärtstendenz: Die Grafik zeigt die Entwicklung der Hauptbranchen im IHK-Bezirk seit 2010. Vor allem die heimische Industrie leidet unter den aktuellen politischen Krisen in der Welt. Baubranche und Einzelhandel dagegen blieben verhältnismäßig stabil. Grafik: ihk
Abwärtstendenz: Die Grafik zeigt die Entwicklung der Hauptbranchen im IHK-Bezirk seit 2010. Vor allem die heimische Industrie leidet unter den aktuellen politischen Krisen in der Welt. Baubranche und Einzelhandel dagegen blieben verhältnismäßig stabil. Grafik: ihk

Der Konjunkturklimaindex der Industrie fiel von 119 auf 101 Punkte. Damit liegt der Wert auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren. Hauptgrund für den Rückgang sind die reduzierten Erwartungen. Während im Sommer nur 13 Prozent der Industrieunternehmen mit einer Verschlechterung der Geschäfte rechneten, sind es jetzt 23 Prozent. Noch bewerten 90 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Lage allerdings als zufriedenstellend bis gut. Die Auftragseingänge sind im Vergleich zum Sommer zurückgegangen, liegen jedoch etwa auf Vorjahresniveau.

Gleiches gilt für den Auftragsbestand, den jedoch fast jedes dritte Industrieunternehmen als zu klein bewertet.

Mit einem Indexwert von 118 Punkten musste das Baugewerbe nur geringe Verluste hinnehmen. Im privaten Wohnungsbau sorgt die günstige Zinssituation für eine anhaltend hohe Nachfrage. Zudem haben sich die gedämpften Erwartungen noch nicht auf die Nachfrage anderer Branchen ausgewirkt. Die Ertragslage ist gut und die Auftragsreichweite reicht bei vielen Unternehmen bis ins neue Jahr hinein.

Der Einzelhandel liegt mit einem Indexwert von 115 Punkten auf zufriedenstellendem Niveau. Die Kunden zeigen aufgrund der guten Arbeitsmarktsituation und dem weiterhin unattraktiven Zinsniveau für Geldanlagen eine hohe Kon­sumbereitschaft. Nur elf Prozent der Einzelhändler bewerten die Lage als schlecht, 37 Prozent geben überdurchschnittlich gute Geschäfte an. In weiten Teilen des Großhandels macht sich dagegen die Nähe zum verarbeitenden Gewerbe überaus deutlich bemerkbar. Der Indexwert der Branche fiel um 38 Punkte und damit um mehr als ein Viertel auf einen Wert von 104. Die gegenwärtige Lage bewerten zwar nur acht Prozent der Betriebe negativ, allerdings hat sich der Anteil der Betriebe, die Rückgänge erwarten, von neun auf 27 Prozent verdreifacht.

Der Indexwert des Dienstleistungsgewerbes rutschte von 145 auf 112 Punkte ab. Während die aktuelle Lage noch sehr gut bewertet wird, sorgen die Befürchtungen um die Auswirkungen der internationalen Krisen bei den unternehmensbezogenen Dienstleistern für deutliche Skepsis. Zählte nach dem Frühjahr noch fast jeder zweite Dienstleistungsbetrieb zu den Optimisten, ist es jetzt nach dem „Sommer der Krisen“ nur noch jeder zehnte.