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Eigentümer Siegfried Porth hat den umstrittenen Schweinemastbetrieb verpachtet. Er selbst arbeitet mittlerweile als Berufskraftfahrer. Foto: t&w
Eigentümer Siegfried Porth hat den umstrittenen Schweinemastbetrieb verpachtet. Er selbst arbeitet mittlerweile als Berufskraftfahrer. Foto: t&w

Da liegt Ärger in der Luft

dth Borstel. Den Einwohnern des Winsener Stadtteils Borstel stinkt es buchstäblich. Die Bürgerinitiative „Gute Luft in Borstel“ läuft Sturm gegen den Betrieb einer Schweinemastanlage im Ort, die bereits 2013 genehmigt wurde. Nach einer Vielzahl an Beschwerden hinterfragen nun die zuständigen Behörden ihre eigenen Entscheidungen und könnten dem Betrieb neue Auflagen machen. Eigentümer Siegfried Porth und Pächter Torsten Jarms gehen unterdessen getrennte Wege. Bei dem Betreiber handelt es sich um einen Investor aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg, der schon einmal für Schlagzeilen sorgte, als er in Handorf, achteinhalb Kilometer von Borstel entfernt, einen bestehenden Schweinemastbetrieb um mehrere Tausend Tiere erweitern wollte. Zum Fall Borstel wollen sich die Behörden heute bei einer Infoveranstaltung öffentlich äußern.

Im November 2011 formierte sich in Handorf eine Bürgerinitiative unter dem Motto „Schweinefabrik? Nein danke!“ gegen die Pläne des Investors Jarms. Mehr als 200 Protestler einte seinerzeit die Befürchtung, dass der massive Ausbau der Schweinemast mit einer „starken Geruchsbelästigung“ bis hin zu einer „Entwertung des Wohneigentums“ einher gehen könnte. Doch auch die anstehende Neuausweisung des Überschwemmungsgebietes Ilmenau hielt weitere Hürden für eine Betriebserweiterung in Handorf bereit. Das Thema kam im Herbst 2012 hoch. Zu der Zeit hatte sich Jarms offenbar bereits mit Landwirt Porth auf eine weitere Kooperation in Borstel verständigt. Jarms mochte gestern auf LZ-Nachfrage keine Stellung nehmen.

Rund 400 Jahre alt ist die Hofstelle der Familie Porth in Borstel. Doch je näher die Wohnbebauung in dem Dorfgebiet, für das es keinen gültigen Bebauungsplan gibt, in den vergangenen Jahren an den Hof heranrückte, desto mehr Konflikte entstanden. Bereits die Alt-Eigentümer Heinz und Eli Porth hatten Streit mit den Nachbarn, als es um Geruchsbelästigungen durch die zwischenzeitliche Ferkelaufzuchtstation mit 150 bis 200 Sauen ging. Zumal ein benachbarter Gewerbebetrieb im näheren Umfeld Wohnbauland entwickeln wollte. In letzter Konsequenz baute Familie Porth einen Abluftturm, um die Emissionen zu verdünnen.

2005 übernahm Sohn Siegfried Porth den elterlichen Betrieb in sein Eigentum. „Eine Anlage mit nur 200 Sauen zu betreiben, ist heutzutage aber nicht mehr wirtschaftlich“, sagt Siegfried Porth im LZ-Gespräch. Gleichwohl hatte sich der vierfache Vater zum Ziel gesetzt, „die Hofstelle mit bäuerlicher Tierhaltung für weitere Generationen zu erhalten“. Ein guter Weg erschien ihm 2012 die Kooperation mit Investor Jarms als Pächter. Dafür wollte Porth die Ferkelaufzucht umwandeln in eine Schweinemast. Im April 2013 erhielt er von der Stadt Winsen die Genehmigung, und auch der Landkreis Harburg als Immissionsschutzbehörde gab seinen Segen. Porth: „Herr Jarms und ich wollten unsere Kräfte bündeln.“ Porth hat Jarms den Borsteler Betrieb für deutlich mehr als zehn Jahre verpachtet. Der Investor habe zusammen mit seinen anderen Schweinemastbetrieben auf Synergie-Effekte gehofft, und Verpächter Porth sollte ihn wiederum als Mitarbeiter unterstützen. Zwischenmenschlich habe es aber irgendwann nicht mehr gepasst, das Arbeitsverhältnis wurde aufgekündigt. Porth ist zwar weiterhin Eigentümer und Verpächter der Anlage, arbeitet aber nun als Berufskraftfahrer und hat zu der Anlage keinen Zutritt mehr.

Seit Betriebsstart der Schweinemast Ende 2013 häuften sich die Beschwerden bei Stadt und Kreis. Winsens Stadtpressesprecher Theodor Peters sagt: „Es haben sich nicht nur die zugezogenen Hamburger über die Landluft beschwert, sondern auch viele Altanwohner.“

Zu den Alteingesessenen gehört der 66-Jährige Peter Stein, Pressesprecher der jüngst gegründeten Bürgerinitiative „Gute Luft in Borstel“. Er sagt: „Bei südwestlicher Windrichtung wird vor allem das Wohngebiet Steinkoppel und Turnhallenweg von üblem Geruch überlagert. Das ist unerträglich.“ Mit Blick auf die genehmigte Erweiterung von 200 Sauen auf 1200 Mastschweine sagt Stein: „Da braucht man kein Prophet zu sein, dass sich die Geruchsbelastung ungefähr um das Dreifache erhöht.“ Er kritisiert, dass die Genehmigungsbehörden das unabhängige Geruchsprognosegutachten des Antragstellers Porth eins zu eins übernommen hätten, das die bestehende Abluftanlage als ausreichend darstellte.

Daran zweifeln nun mittlerweile auch Stadt und Kreis und ließen die Plausibilität des Gutachtens vom TÜV Nord überprüfen. Stadtsprecher Peters sagt: „Es wurde festgestellt, dass das freie Abströmen der Abluft aus den Kaminen nicht gewährleistet ist.“ Der Landkreis erwäge nun weitere Anordnungen. Denkbar sei die Forderung nach einer Reduzierung der Tierzahlen. Eine Filteranlage könne hingegen nur bei einem höherem Besatz ab 2000 Schweinen eingefordert werden.

Dazu lädt die Stadt Winsen heute, Mittwoch, zu einem Informationsabend ein ab 18 Uhr in der Turnhalle in Winsen-Borstel. Peters: „Dort können Anwohner weiter ihre Beschwerden los werden und werden von uns auf den neuesten Stand gebracht.“

One comment

  1. Tiere sind Lebewesen genau wie Menschen. Sie empfinden Schmerz und Gefühle wie z.B. Angst. Trotzdem werden Schweine, Rinder, Hühner usw. von Menschen wie Produkte oder Waren behandelt. Wir sperren sie ein, halten sie teilweise unter den schlimmsten Bedingungen, mästen und töten sie, um sie dann zu essen