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Strom aus einem Wasserkraftwerk bezieht der Landkreis Lüneburg in den kommenden zwei Jahren. Foto: nh
Strom aus einem Wasserkraftwerk bezieht der Landkreis Lüneburg in den kommenden zwei Jahren. Foto: nh

Kreis als Vorbild für die Stadt

as Lüneburg. Ökostrom zu 100 Prozent bezieht der Landkreis Lüneburg für seine öffentlichen Gebäude in den kommenden zwei Jahren. In einer EU-weiten Ausschreibung erhielten die Energieversorgung Dahlenburg-Bleckede AG und die EVI Energieversorgung Hildesheim GmbH den Zuschlag für den Liefervertrag. Beide Lieferanten beziehen ihren Strom aus dem Wasserkraftwerk Sohlstufe Lehen in Österreich, einer Neuanlage, die seit Mitte 2013 Strom produziert.

Alle zwei Jahre muss der Stromliefervertrag neu ausgeschrieben werden. Der Kreistag hatte per Beschluss im September 2013 die Verwaltung damit beauftragt, den Strombezug auszuschreiben. Und zwar für Ökostrom mit einem Zusatznutzen für die Energiewende und der Maßgabe, dass der Strom möglichst von einem regionalen Anbieter bezogen werden sollte, erläutert Hans-Richard Maul, leitender Kreisverwaltungsdirektor. „Daraufhin wurde unter Berücksichtigung der genannten Ziele ein Kriterienkatalog erarbeitet und mit der Politik abgestimmt.“ Im Juni 2014 wurde der Liefervertrag dann europaweit ausgeschrieben, für den Landkreis sollte in drei Teilgebieten Strom für seine Gebäude geliefert werden. Gesamtliefermenge: 4,2 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.

Vier Bieter gaben ein Angebot ab, „wobei nicht alle für alle drei Teilgebiete geboten haben“, erläutert Maul. Den Zuschlag für zwei Teilgebiete erhielt die EVI Energieversorgung Hildesheim GmbH sowie die Energieversorgung Dahlenburg-Bleckede AG für ein Teilgebiet. Maul: „Beide Unternehmen liefern zwar nicht ihren eigenen Strom, aber sie beziehen den regenerativen Strom aus einem neuen Wasserkraftwerk, was im Rahmen der Ausschreibungskriterien mit einem höheren Faktor bewertet wurde.“ Andere Anbieter hatten Strom zum Beispiel aus sanierten Wasserkraft-Altanlagen angeboten.

Genau das hatte beim letzten Stromliefervertrag der Stadt, den diese vor zwei Jahren mit der E.on Avacon abgeschlossen hatte, für scharfe Kritik seitens der Umweltverbände und Anti-Atom-Aktivisten gesorgt (LZ berichtete). Sie bemängelten den „Pseudo-Ökostrom“ aus norwegischer Wasserkraft, weil er nicht aus neu gebauten Anlagen für regenerative Energien kommt. Vor allem die Grünen im Stadtrat wurden angegriffen, weil sie dem Vertrag zugestimmt hatten. Im Vorfeld der derzeit laufenden neuen Ausschreibung des Stromliefervertrags der Stadt wurden die Kritiker bei der Aufstellung des Kriterienkatalogs beteiligt (LZ berichtete). Ende November sollen die ausgewerteten Angebote dem Verwaltungsausschuss der Stadt vorgelegt werden.

Über das Ergebnis des neuen Stromliefervertrags für den Landkreis sind die Grünen im Kreistag sehr erfreut. „Wir haben einen ökologischen wie auch ökonomischen Erfolg zu verzeichnen“, sagt die Fraktionsvorsitzende Petra Kruse-Runge. Zum einen würden kleinere, regionale Anbieter gestärkt, „was angesichts der volkswirtschaftlich betrachtet sehr fragwürdigen Haltung der Großkonzerne wie E.on und Co., die Klagen gegen den Atomausstieg anstrengen, immer wichtiger wird“. Zum anderen werde der Strom in einem neuen Wasserkraftwerk produziert. Das führe zur Einsparung von Treibhausgas-Emissionen in Höhe von rund 4000 Tonnen in zwei Jahren. „Aus Wasserkraft erzeugter Strom verfügt dabei gegenüber dem Strom aus anderen erneuerbaren Energieträgern über die beste Emissionsbilanz.“ Gleichzeitig sorgten Neuanlagen dafür, dass mehr eneuerbare Energie auf den Markt kommt und dadurch Atomkraft- und Kohlekraftwerke abgestellt würden.

Zudem zahlt sich der neue Stromliefervertrag auch ökonomisch aus. Maul: „Der Strompreis setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Dem Arbeitspreis für Strom, den Netzentgelten sowie den Umlagen für Strom, zum Beispiel nach dem Erneuerbare-Energie-Gesetz.“ Der günstige Arbeitspreis bei dieser Stromlieferung führe dazu, dass der Landkreis brutto unterm Strich 95000 Euro pro Jahr weniger auf den Tisch legen muss. Allerdings geht die Rechnung durch gestiegene Umlagen und Netzentgelte plus/minus null aus.