Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Vielversprechend begann Ende August  die Saison für Pilze. Doch das sonnige Wetter im September hat die Böden ausgetrocknet, das Pilzwachstum abrupt gestoppt.
Vielversprechend begann Ende August die Saison für Pilze. Doch das sonnige Wetter im September hat die Böden ausgetrocknet, das Pilzwachstum abrupt gestoppt.

Nicht viel los im Lüneburger Moos

emi Radbruch. Manfred Fischer dreht im Radbrucher Forst gerade seine Runde mit dem Hund, als sein Blick auf eine große, runde Kappe am Wegesrand fällt. „Was steht da denn für ein Regenschirm?“, wundert sich der 63-Jährige und geht neugierig näher heran. Das seltsame Etwas zwischen Grashalmen entpuppt sich als Steinpilz, „etwa so groß wie ein Hand- oder Fußball“. Der Radbrucher eilt aufgeregt nach Hause zu seiner Enkelin Annabell Eberl, beide schwingen sich auf ihre Fahrräder und transportieren den Riesenpilz im Fahrradkorb zum Haus zurück. „Dass der da überhaupt noch stand, war ein Wunder“, sagt Fischer. Seit Wochen sucht der begeisterte Sammler nach Pilzen mit mäßigem Erfolg. Und das, obwohl jetzt eigentlich Hochsaison sein sollte.

Während im Spätherbst vergangenen Jahres die Pilze dicht an dicht im Laub standen, herrscht derzeit gähnende Leere im Wald. Bernhard Frank, Sachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, sagt: „Ich habe noch nie erlebt, dass es im Oktober so wenig Pilze gibt.“ Dabei habe alles so gut begonnen.

Ausreichend Feuchtigkeit und schwülwarme Temperaturen ließen im September die Pilze nur so sprießen. „Vor rund einem Monat hatten wir früh und kurz eine Maronen-Schwemme“, erinnert sich der 59-Jährige. Damals warnten er und andere Experten noch vor den giftigen Doppelgängern im Wald (LZ berichtete).

Doch dann machten anhaltender Sonnenschein und wenig Regen im Kreis Lüneburg der Pilzsaison den Garaus. Woche für Woche landeten bei Bernhard Franks Pilzlehrwanderungen weniger Arten in den Körben der Teilnehmer. „Wo es trocken ist und Wind geht, ist der Boden zurzeit steinhart“, sagt Frank. „Da muss es erst richtig schütten, bis es wieder losgeht.“

Geduldige Sammler können trotzdem noch fündig werden. „Da, wo sich die Nässe länger halten kann, gibt es immer noch vereinzelte Exemplare“, sagt der Experte. „Einige Pilze sind versteckt am Wegesrand, in Mulden, Gräben und im Moos.“ So wie der Steinpilz, den Manfred Fischer unlängst fand. Der war allerdings schon ziemlich kaputt. „Erst dachte ich, ich könne zumindest den Stiel noch braten“, erzählt der 63-Jährige. „Aber auch der war schon ganz wurmig.“

Experte Bernhard Frank hat unterdessen die Hoffnung auf frischen Nachschub noch nicht aufgegeben. „Die Pilze werden kommen. Die Frage ist nur, wann der Regen ausreicht.“ Erste Tropfen sind inzwischen immerhin schon gefallen. Und die Pilz-Saison ist noch nicht vorbei. Laut Frank geht sie in der Regel bis Mitte November.