Aktuell
Home | Lokales | Mängelsuche im Schweinestall
Teilweise nur Stehplätze bekamen die rund 400 Borsteler in der Turnhalle bei der Informationsveranstaltung der Stadt zur bestehenden Schweinemastanlage im Ort.
Teilweise nur Stehplätze bekamen die rund 400 Borsteler in der Turnhalle bei der Informationsveranstaltung der Stadt zur bestehenden Schweinemastanlage im Ort.

Mängelsuche im Schweinestall

ks Borstel. Den Borstelern stinkt ein Schweinestall in ihrem Dorf gewaltig! Rund 400 Bürger kamen jetzt zu einer Informationsveranstaltung der Stadt Winsen in die Turnhalle des Ortes. Der umstrittene Betrieb wurde Ende 2013 von 200 Sauen mit Ferkeln auf 1200 Mastschweine umgestellt. Die Stadt hatte das Vorhaben genehmigt. Seitdem leiden nicht nur die unmittelbaren Anwohner unter der Anlage, je nach Windrichtung ist das ganze Dorf betroffen: Es geht um Geruchs- und Lärmbelastungen.

Zwar räumte Winsens Bürgermeister André Wiese ein, dass bei der Baugenehmigung nicht alles gut gelaufen sei. Vor allem hätten die Bürger bei einem Vorhaben dieser Größe vorab informiert werden müssen. „Da kann ich mich nur entschuldigen“, so Wiese. Allerdings machte der Verwaltungschef auch Grenzen deutlich. Zum Zeitpunkt der Genehmigung habe der Antragsteller einen Rechtsanspruch darauf gehabt, Einwände gegen den Stallbau habe es seitens der Genehmigungsbehörden nicht gegeben.

Allerdings, so Wiese, habe eine Plausibilitätsprüfung des TÜV Nord jetzt erste Hinweise auf mögliche Mängel im ursprünglichen Gutachten zur Geruchsprognose ergeben. So werden offenbar die errechneten Werte der Abluftströmungen nicht erreicht. Die Stadt als Bauaufsicht und der Kreis Harburg als Immissionsschutzbehörde drängen deshalb auf Nachbesserungen. Doch Wiese machte auch deutlich: Diese Nachbesserungen müssten sich im Rahmen der Baugenehmigung bewegen. Nachträglich verschärfen ließen sich die Auflagen derzeit nicht.

Ein weiteres Problem: Eigentümer und Betreiber der Anlage sind nicht identisch. Der Landkreis dürfe aus immissionsrechtlicher Sicht jedoch nur den Betreiber der Anlage zu Maßnahmen verpflichten, so Kreismitarbeiter Gunnar Peter. Der Betreiber sei aber ohne Zustimmung des Eigentümers gar nicht befugt, bauliche Veränderungen, zum Beispiel die Erhöhung der Abluftkamine auf 20 Meter, umzusetzen. Da es zwischen Betreiber und Hofbesitzer offenbar Differenzen gebe, wolle der Landkreis Harburg den Betreiber wegen der fehlenden Abluftströmung nun verpflichten, die Tierzahl zu reduzieren.

Zudem suchen Stadt und Landkreis nach weiteren Ansatzpunkten, um die Situation der Bürger in Borstel zu verbessern. So wird inzwischen geprüft, ob das Geruchsprognosegutachten nicht nur Mängel, sondern gravierende Fehler enthält. Falls ja, sei die Baugenehmigung auf der Grundlage einer unrichtigen Prognose erteilt worden und könne zurückgenommen werden.

Dazu hat die Stadt vor zwei Wochen eine komplette Neuberechnung beim TÜV Nord in Auftrag gegeben. Der Bürgermeister wies jedoch darauf hin, dass daraus folgende Maßnahmen gut vorbereitet sein müssten, da der Anwalt des Stall-Betreibers bereits angekündigt habe, gegen alle Maßnahmen vor Gericht zu ziehen.

Bürgermeister Wiese geht davon aus, dass die Einwohner Anfang des nächsten Jahres in einer weiteren Veranstaltung über die Entwicklung informiert werden.