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Mit dem Pinsel im Maul beginnt Eseldame Elvira zu malen: am liebsten in Schwarz  und nur ungern in Grün. Rund 20 Bilder hat das Langohr schon gemalt, eins gemeinsam mit Kindern aus der Gemeinde Amt Neuhaus. Foto: t&w
Mit dem Pinsel im Maul beginnt Eseldame Elvira zu malen: am liebsten in Schwarz  und nur ungern in Grün. Rund 20 Bilder hat das Langohr schon gemalt, eins gemeinsam mit Kindern aus der Gemeinde Amt Neuhaus. Foto: t&w

Elvira macht Kunst

off Walmsburg. Elvira hat lange Ohren, kurze Beine und dichtes braunes Fell. Wer ihr begegnet, denkt an einen ganz normalen Esel. Und das ist Elvira auch. Bis auf eins: Elvira malt neuerdings. Sobald Andrea Funcke ihr den Pinsel hinhält, nimmt ihn die Eseldame ins Maul, senkt den Kopf und zeichnet geschwungene Linien auf die Leinwand. Entstanden sind dabei in den vergangenen Wochen rund 20 Bilder, kleine, große, knallbunte und schwarz-weiße. Am Sonnabend, 25. Oktober, wird sie Andrea Funcke bei ihrem Herbstfest versteigern. Elviras Beitrag für neue Zeiten auf dem Funckenhof.

Seit 2006 wirtschaftet Andrea Funcke auf dem kleinen Hof am Walmsburger Dorfrand wie Bauern vor 100 Jahren. So gut es geht, versorgt sie sich selbst. Sie melkt und macht Käse, baut Gemüse und Obst an, hält Hühner, Enten und Gänse. Das Geld, das die 47-Jährige zum Überleben braucht, verdient sie mit ihren rund 70 Schafen, bietet Selbstversorgerseminare, Eselwanderungen und verschiedene Veranstaltungen an von der Feuerwerkstatt bis zur Naturapotheke. Das reicht, „um von der Hand in den Mund zu leben“, sagt sie. An eine Sanierung des Hofes, die Einrichtung einer Küche für die Zubereitung vermarktungsfähiger Schafsprodukte ist nicht zu denken. Bis jetzt.

Auf Vorschlag der Biosphärenreservatsverwaltung Hitz­acker hat Andrea Funcke die Chance erhalten, an einem Förderprojekt teilzunehmen. Mit den Zuschüssen unter anderem den Hof auf Vordermann zu bringen, verschiedene Angebote für die Öffentlichkeit und die Voraussetzungen zur Verarbeitung ihres Schaffleischs zu schaffen. „Doch um da mitmachen zu können, brauche ich Eigenmittel“, sagt sie. Und um die zusammenzubekommen, hilft auch Elvira mit. Entdeckt hat Andrea Funcke das Maltalent ihrer Eselstute allerdings nicht aus Geldnot. „Eigentlich ging es darum, die Esel zu beschäftigen.“

Esel sind schlau. „Und damit sie sich wohlfühlen, müssen sie etwas zu tun haben“, sagt Funcke. Zuerst probierte es Freundin und Mitstreiterin Laura Dick mit dem Apportieren. „Das hatten alle drei Esel innerhalb von zwei Stunden raus.“ Danach kam die 20-Jährige auf die Idee, es mit Pinsel und Farbe zu versuchen. Eine Beschäftigung, die den Eselherren offenbar zu feingeistig war. „Rasmus nimmt den Pinsel und läuft damit weg“, erzählt Andrea Funcke, „Lobosch beißt den Holzgriff kaputt.“ Nur Elvira zeigte das nötige Feingefühl und steigerte sich von anfänglichen Punktzeichnungen zu abstrakten Linien.

Dass einige Tiere malen können, ist nicht neu. Schon Anfang des 20. Jahrhunderts sorgten Elefanten, Gorillas und Schimpansen mit ihren Bildern auf der ganzen Welt für Aufsehen. Einige Bilder von Menschenaffen erzielten auf Auktionen sogar Höchstpreise, weil ihnen gewisse künstlerische Fähigkeiten zugesprochen wurden. Auch in Elviras Bilder wurde bereits so einiges hinein interpretiert. Andrea Funcke hingegen glaubt nicht, dass sich ihre Eseldame etwas dabei denkt, wenn sie einen roten oder schwarzen Strich macht. „Elvira hat einfach Spaß daran“, sagt sie. Und Elvira hat gelernt: Pinselstriche werden mit Karottenstückchen belohnt.

So oder so: Am Ende der Mal­aktionen hinterlässt Elvira ihrer Besitzerin echte Eselkunst. Und die wird Andrea Funcke nicht nur versteigern, sondern bei einer kleinen Vernissage mit selbstgemachtem Holundersekt auch ausstellen stilecht im Eselstall.

Das Herbstfest am Sonnabend, 25. Oktober, auf dem Funckenhof (Im Sandgarten2, Walmsburg) beginnt um 15 Uhr und endet gegen 18 Uhr. Mit dabei sind auch Eseldame Elvira, ihre Mitbewohner Rasmus, Lobosch und Jeronimo, das Maultier sowie die vielen anderen Arche-Tiere auf dem Funckenhof. Beim Hoffest lädt Andrea Funcke auch zum gemeinsamen Schafe hüten und anderen Mitmachaktionen ein, die Arche-Region ist mit einem Stand vertreten und die Garzer Schafskäserei.