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Die zehnjährige Anne nimmt in der Mensa des Schulzen-trums Oedeme gern etwas Salat zu ihrem Hauptgericht. Ein abwechslungsreicher Speiseplan ist aber nur eines der Kriterien, die zur Akzeptanz einer Schulmensa beitragen. Foto: t&w
Die zehnjährige Anne nimmt in der Mensa des Schulzen-trums Oedeme gern etwas Salat zu ihrem Hauptgericht. Ein abwechslungsreicher Speiseplan ist aber nur eines der Kriterien, die zur Akzeptanz einer Schulmensa beitragen. Foto: t&w

Mensa-Essen schmeckt nicht jedem

us Lüneburg. Die Zahl der Ganztagsschulen in Stadt und Landkreis Lüneburg wächst. Von den insgesamt 18 städtischen Schulen der Hansestadt sind 10 bereits Ganztagsschulen, zwei weitere sind in Planung. Der Landkreis besitzt inzwischen 13 Ganztagsschulen, auch hier sollen noch weitere dazukommen. Für die Eltern steht dabei neben der Nachmittagsbetreuung auch die Mittagsversorgung ihrer schulpflichtigen Kinder im Mittelpunkt. Doch an der hapert es bisweilen, wie jetzt bei einer Veranstaltung deutlich wurde, zu der Hansestadt und Landkreis Lüneburg Vertreter von Ganztagsschulen eingeladen hatten. Von ihnen wollten die beiden Schulträger wissen, wo beim gemeinsamen Schulessen der Schuh drückt und wo die Schulen Unterstützung benötigen

„Nur zehn Prozent der Schüler einer Ganztagsschule nutzen die Möglichkeit, am gemeinsamen Schulessen teilzunehmen“, berichtete Dorina Kühne, Mitarbeiterin der Hansestadt im Bereich Bildung. Den Grund für den geringen Zuspruch nannte Diana Reif von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Niedersachsen: fehlende Akzeptanz. „Es hapert noch an einigen Stellen“, sagte sie, was aber nicht verwundere, da Schulversorgung „ein total komplexes Feld ist, zu dem nicht nur ein qualifizierter Caterer gehört“. Denn die angebotenen Essen sollten nicht nur den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entsprechen, wichtig sei auch, dass beispielsweise auf religiöse Vorschriften oder Allergiker Rücksicht genommen werde. Auch spielten Tisch- und Esskultur sowie ein angemessenes Raum- und Ausstattungskonzept für die Akzeptanz einer Schulmensa eine Rolle. „Die Gründe, die Schulmensa nicht aufzusuchen, können ganz unterschiedlicher Natur sein.“

Wie die Situation an ihren Schulen konkret aussieht, schilderten die Teilnehmer der Ganztagsschulen. Während Heike Wardatzki, 2. Konrektorin der Lüneburger Christianischule, sich daran stört, „dass Essensgeruch durch die Schule strömt“, sieht Sarah Häger von der IGS Embsen Probleme bei den Portionsgrößen der Essen, auch müssten Mensanutzer für Nachtisch und Salat extra zahlen und oft zu lange bei der ­Essenausgabe warten. „Allerdings muss man berücksichtigen, dass unsere Mensa erst in diesem Jahr fertiggestellt wurde“, räumte die Lehrerin ein.

Wie lange es mitunter dauern kann, bis eine Schulversorgung tatsächlich rund läuft, machte Thomas Müller, Leiter des Bernhard-Riemann-Gymnasiums in Scharnebeck, deutlich: „2006 haben wir mit einer Eltern-Initiative begonnen. Anfangs hatten wir um die 30 Schüler, die das Angebot nutzten, heute ist unsere Mensa mit 199 Plätzen jeden Tag rappelvoll.“ Doch dafür seien zahlreiche Anpassungen, Veränderungen und immer wieder Gespräche mit allen Beteiligten erforderlich gewesen, „Mensa war für mich lange Zeit ein Reizwort“, sagte Müller. Zur Akzeptanz der Mensa habe aus seiner Sicht vor allem beigetragen, „dass von vornherein klar gesagt wurde, was geht und was nicht geht“. Als störend empfinde er heute die zunehmende Zahl von „Mäklern“. „Die Schüler müssen auch lernen, dass gegessen wird, was auf den Tisch kommt“, sagte Müller.

Mit weit mehr als 200 Essen täglich kann zwar auch die neue Gemeinschaftsmensa am Standort Oedeme nicht über mangelnde Akzeptanz klagen, inzwischen seien aber die Wartezeiten bei der Essensausgabe deutlich länger geworden, wie Margret Witte-Ebel vom Gymnasium Oedeme erklärte. Sie forderte eine zweite Ausgabestelle und zusätzliche personelle Untersützung. „Richtig ärgerlich macht mich, dass auf das Schulessen Mehrwertsteuer erhoben wird“, sagte die stellvertretende Schulleiterin und erntete dafür Zustimmung von Landrat Manfred Nahrstedt. Er sagte: „Das Problem haben wir an unsere Bundestagsabgeordneten herangetragen, warten wir mal ab, was da kommt.“

Auf erhebliche räumliche Probleme der Mensa an der Oberschule Bardowick wies Schulleiterin Christiane Berwig hin: „Zusammen mit der Grundschule haben wir an dem Standort rund 1000 Schüler, doch mehr als 60 Essen können wir pro Tag nicht zur Verfügung stellen. Es fehlen einfach die Räume.“

Doris Christ, Schulleiterin der Johannes-Rabeler-Schule in Lüneburg, machte auf ein anderes Problem aufmerksam: „Immer wieder stellen wir fest, dass Schüler schon hungrig in die Schule kommen.“ Auch der Eigenanteil von einem Euro pro Mittagessen für Kinder ärmerer Familien sei von einigen Familien nicht leistbar. Landrat Nahrstedt griff das Thema auf, indem er an frühere Forderungen erinnerte: „Wir haben schon bei der letzten Kindergelderhöhung gesagt: Gebt das Geld nicht den Eltern, gebt es den Kommunen.“

Der Austausch mit den Ganztagsschulen zu diesem Thema soll fortgesetzt werden. Diana Reif informierte, dass in Kürze in Zusammenarbeit mit der Leuphana Universität Fragebögen erarbeitet werden, die dazu beitragen sollen, die Akzeptanz von Schulmensen weiter zu verbessern. Manfred Nahrstedt regte an, das nächste Treffen zu diesem Thema in Bleckede durchzuführen, um auch die Schulen im östlichen Landkreisgebiet besser einbinden zu können.