Mittwoch , 28. September 2016
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125 Jahre Guttempler in Deutschland: Landesvorsitzende Cornelia Esders und Stellvertreter Dietmar Klahn feierten in Neetze mit zahlreichen Gästen, darunter auch Sozialministerin Cornelia Rundt (M.). Foto: t&w
125 Jahre Guttempler in Deutschland: Landesvorsitzende Cornelia Esders und Stellvertreter Dietmar Klahn feierten in Neetze mit zahlreichen Gästen, darunter auch Sozialministerin Cornelia Rundt (M.). Foto: t&w

Beispielhafter Einsatz für Abhängige

emi Neetze. Enthaltsamkeit, Brüderlichkeit und Frieden: Nach diesen Grundsätzen helfen die Guttempler zahlreichen Betroffenen und Angehörigen bei Suchtproblemen und das deutschlandweit schon seit 125 Jahren. Dieses besondere Jubiläum feierten die Lüneburger Guttempler bei ihrem Landesverbandstag am Wochenende in Neetze. Zum Auftakt des dreitägigen Treffens kamen am Freitagabend etwa 60 Mitglieder sowie Vertreter von Politik und Verbänden im Neetzer Hof zusammen. Den Festvortrag hielt die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt über die Bedeutung des Ehrenamtes für die Sozialpolitik des Landes. Mit rockigen Klängen heizte die Schülerband „The other Brass of Metal“ der Musikschule Winsen den Gästen ein.

Die Sozialministerin sah sich durch den Auftritt prompt an ihre „wilde Jugend“ erinnert. Wohl auch als Appell an die Jugendlichen, hob sie die Leistung der Ehrenamtlichen für die Gesellschaft hervor. „Nirgends sonst in Deutschland engagieren sich mehr Menschen ehrenamtlich als bei uns“, sagte Cornelia Rundt stolz. Demnach seien 41 Prozent aller Niedersachsen ab 14 Jahren freiwillig und ehrenamtlich aktiv. Aber die Ministerin betonte auch: „Der Staat kann und soll nicht alles regeln. Die Bürgerinnen und Bürger wollen auch Raum für Eigenverantwortung und die Möglichkeit zur Mitgestaltung ihres Lebensumfeldes.“ Schließlich wüssten sie „genau so gut oder besser als die Politik“, was nötig sei. Der Staat dürfe sich aber auch nicht heraushalten.

„Unsere politische Aufgabe ist es, die Rahmenbedingungen für das Engagement zu stärken“, sagte Rundt. Kommunikation, Austausch und Verbündete seien wichtig. So gebe es zur Vernetzung und Information etwa ein zentrales landesweites Internetportal, den Freiwilligenserver, sowie mit der Freiwilligenakademie Niedersachsen ein wohnortnahes Qualifizierungsangebot im Bereich Ehrenamt.

Die Aktivitäten der Guttempler im Bereich Selbsthilfe gehörten zu den „tragenden Elementen einer aktiven Bürgergesellschaft“, lobte die Ministerin. Sie erfüllten „eine wunderbare Doppelfunktion: Wer anderen hilft, der hilft auch sich selbst“. Rundt dankte den Guttemplern nicht nur für ihren beispielhaften Einsatz für Alkohol- und Medikamentenabhängige, sondern auch dafür, dass sie nicht nur den Betroffenen helfen, sondern auch deren Angehörigen. „Ihr ehrenamtliches Engagement kann gesellschaftlich gar nicht hoch genug eingeschätzt werden“, betonte die Ministerin.

Nach weiteren Grußworten und Musikstücken klang die Veranstaltung am Freitag mit einem gemütlichen Beisammensein aus. Gestern und vorgestern gab es weitere Aktionen anlässlich des Landesverbandstags, etwa Vorträge und den alkoholfreien Herbstball.

Historie

Die Abstinenzorganisation Guttempler wurde 1851 in Utica im US-Staat New York gegründet. Über England und Skandinavien schwappte die Bewegung schließlich auch nach Deutschland. 1889 – also vor genau 125 Jahren – wurde in Flensburg der Deutsche Guttempler-Orden gegründet, dem aktuell insgesamt elf Landesverbände angehören. Schon 1899 traten die ersten Lüneburger den Guttemplern bei. Seinen endgültigen Einzug in Lüneburg hielt der Orden am 20. April 1900. Damals wurde die Stiftung einer Guttempler-Gemeinschaft ins Leben gerufen. Im Dezember 1902 konnte die zweite Gemeinschaft mit dem Namen „Ernst der Bekenner“ gegründet werden. Sie arbeitet noch heute, seit 1. Januar 1966 unter dem Namen „immer bereit“. Ebenfalls 1966 nahm der telefonische Beratungsdienst der Guttempler seine Arbeit auf, 1973 wurde die Gesprächsgruppe für Suchtgefährdete gegründet. Heute bieten die Lüneburger Guttempler unter anderem telefonische Beratung sowie Gesprächsgruppen für Hilfesuchende in der Wallstraße 42 an. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.guttempler-lueneburg.de