Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Auf der Suche nach einem geeigneten Unterschlupf streift dieser Igel durchs Laub. Die Tiere bereiten sich jetzt auf ihren Winterschlaf vor. Foto: A./ nh
Auf der Suche nach einem geeigneten Unterschlupf streift dieser Igel durchs Laub. Die Tiere bereiten sich jetzt auf ihren Winterschlaf vor. Foto: A./ nh

Ein Laubbett für den Igel

lz/emi Lüneburg. Wenn im Herbst die Blätter fallen und die Temperaturen allmählich ungemütlich werden, bereiten sich die Igel auf ihren Winterschlaf vor. Doch passende Winterquartiere und Nahrung sind rar in gepflegten und aufgeräumten Gärten. Thomas Mitschke, Vorsitzender der Nabu-Kreisgruppe Lüneburg, bittet deshalb alle Gartenbesitzer: „Helfen Sie dem Igel, entsorgen Sie nicht alles Laub, sondern türmen Sie es in einer windgeschützten Ecke auf und schützen Sie es gegebenenfalls mit Reisigästen oder Zweigen vor Sturmschäden. Die Igel werden das Quartier dankbar annehmen, denn die Alttiere beginnen jetzt Ihr Winternest zu bauen.“

Gesunde Igel schlafen je nach Wetterlage ab Mitte November bis Mitte April mit wenigen Unterbrechungen. Bis dahin bittet der Nabu Lüneburg die Unterschlupfmöglichkeiten nicht mehr anzutasten oder gar umzusetzen.

Jungigel sind jetzt auch immer noch tagsüber zu beobachten, sie versuchen emsig weiter an Gewicht zuzulegen. „Die kleinen Igel sollten nicht aus falsch verstandener Fürsorge oder weil sie so putzig aussehen mitgenommen werden“, sagt Mitschke. „Es sind und bleiben Wildtiere, die Pflege beziehungsweise die Hausüberwinterung muss die absolute Ausnahme bleiben.“

Versorgt oder einer Igelstation übergeben werden sollte ein Igel nur, wenn er auffallend unterernährt oder krank ist oder wenn er bei Frost und Schnee gefunden wird. „Gefüttert werden sollte nur Feucht- beziehungsweise Trockenfutter für Katzen“, rät der Nabu-Vorsitzende. „Igel brauchen viel Fett und Eiweiß, daher ist Hundefutter nicht geeignet. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, muss der Tierarzt aufgesucht werden.“

Mit Quartier und Futter allein sei es jedoch nicht getan: „Die fach- und tiergerechte Betreuung eines Pfleglings braucht Erfahrung, tägliche Zuwendung und verursacht Mühe und Kosten. Das kann nur zusammen mit Igelstationen und Tierärzten geleistet werden.“

Derzeit häufen sich auch bei der Igel-Expertin Claudia Erdmann die Anfragen. Auf ihrem Grundstück in Ochtmissen betreibt die ausgebildete Tierheilpraktikerin seit einigen Jahren eine Igelfütter- und -beobachtungsstation. Da Erdmann bereits völlig ausgelastet ist, verweist sie an das Komitee für Igelschutz in Hamburg.
Der Verein gibt auf seiner Homepage viele Infos rund um den Igel (siehe Erste-Hilfe-Tipps unten), Notfallnummer unter Tel.: 040/5404807.

Erste-Hilfe-Tipps

Nur offensichtlich kranke und verletzte Igel sollten mit nach Hause genommen werden. Um besser beurteilen zu können, ob ein Jungtier aufgenommen werden muss, weil es untergewichtig und/oder krank ist, haben die Mitglieder des Komitees für Igelschutz in Hamburg folgende Faustregel erstellt: Beträgt das Körpergewicht des Igelkindes im Oktober unter 200 Gramm, im November unter 300 g oder im Dezember unter 400 g, braucht es wahrscheinlich Unterstützung.
Am besten fasst man einen Igel an, indem man beide Hände unter seinen Bauch schiebt. Damit die Stacheln nicht so pieksen, ist es ratsam, Handschuhe, Jackenärmel oder Ähnliches zur Hilfe zu nehmen. Unterbringen kann man das Tier in einem Schlafkarton, den man mit zerrissenem Zeitungs- oder Küchenpapier als Nestersatz füllt. Er sollte einen rund 10×10 cm großen Eingang haben. Ist der Igel unterkühlt (wenn möglich mit dem Finger am Bauch fühlen) und bewegt sich nicht, auf Wärmflasche oder Heizkissen (handwarm) mit Handtuch dazwischen legen.
Säuglinge brauchen unbedingt Wärme. Besonders wichtig ist es, den Bauch der kleinen Igel vom Kopf bis zum Schwanz hin zu streichen und dabei auch die Geschlechtsteile mit zu berühren – nur so kann der lebenswichtige Urinabgang angeregt werden. Dazu ein Küchenpapier unterlegen. Weitere Infos unter: www.igelkomitee-hamburg.de.

One comment

  1. Ein gelungener Beitrag den ich interessiert gelesen habe.
    Allerdings vermisse ich in dem Beitrag, dass man doch ein wenig Vorsicht walten lassen sollte, denn viele Igel sind voller Flöhe!!!
    Die holt man sich dann auch immer mit nach Hause. Die wird man dann schlechter wieder los als den durchgefütterten Igel. 🙂
    Wenn ich Igel sehe, freue ich mich über den Anblick doch anfassen tu ich garantiert keinen.
    Ich wünsche allen Igeln dass sie immer genug Laubhaufen finden um sich ein Winterquartier einzurichten um den langen Winter gut zu überstehen.
    Es ist leider der Gang der Natur, dass nicht alle Tiere überleben werden.
    VG Sonja Haase