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Die Grafik zeigt, dass Erkrankungen des Muskel-Skeletts wie etwa Rückenschmerzen häufigster Grund für Krankschreibungen sind, dicht gefolgt von den psychischen Erkrankungen. Grafik: iges/dak
Die Grafik zeigt, dass Erkrankungen des Muskel-Skeletts wie etwa Rückenschmerzen häufigster Grund für Krankschreibungen sind, dicht gefolgt von den psychischen Erkrankungen. Grafik: iges/dak

Stress im Job schlägt auf die Psyche

rast Lüneburg. ,,Bis 2007 war die Zahl der durch psychische Erkrankungen verursachten Ausfalltage in der Lüneburger Heide nahezu konstant. Seither allerdings geht es kontinuierlich nach oben. Allein von 2012 auf 2013 stieg die Zahl um 16 Prozent pro 100 Versicherte gab es 251 Ausfalltage. Damit waren in der Region Lüneburg deutlich mehr Arbeitnehmer aufgrund psychischer Erkrankungen krankgeschrieben als im niedersächsischen Landesdurchschnitt mit 217 Ausfalltagen.“ Die Zahlen nannte Simone Prüß, Leiterin des Lüneburger DAK-Servicezentrums, bei der Präsentation des ,,DAK-Gesundheitsreports 2014″.

Diesen rapiden Anstieg der psychischen Probleme in der Statistik sieht Prüß allerdings nicht nur in der tatsächlichen Zunahme von Erkrankungen wie Depressionen und Anpassungsstörungen, die die häufigsten Gründe für die Krankschreibungen sind: „Diese Ursachen für Krankheiten fließen nun immer häufiger in die Diagnosen ein“, früher seien psychische Erkrankungen nicht immer sofort erkannt worden. Die Gründe hätten sich nicht geändert, sind in erster Linie der Stress am Arbeitsplatz, die ständige Erreichbarkeit auch nach Feierabend und private Sorgen.

Zur Lüneburger Heide zählt die DAK, deren Report auf einer Online-Befragung von 3100 Frauen und Männern im Alter zwischen 25 und 40 Jahren basiert, die Regionen Lüneburg, Winsen und Buchholz sowie mit Bienenbüttel und Bad Bevensen auch Teile des Landkreises Uelzen. Wie in Niedersachsen insgesamt, gab es in der Lüneburger Heide eine leichte Steigerung des Krankenstands. um 0,1 Prozentpunkte. Mit 4,0 Prozent hatte die Region allerdings einen höheren Krankenstand als der Landesdurchschnitt (3,9 Prozent). Simone Prüß: „Damit waren an jedem Tag des Jahres von 1000 DAK-versicherten Arbeitnehmern 40 krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Niedersachsen wurde mit 4,8 Prozent in Uelzen und in Lüchow-Dannenberg, der niedrigste mit 3,5 Prozent im Landkreis Vechta registriert.“

Hauptursache für Ausfalltage blieben 2013 Krankschreibungen aufgrund von Muskel-Skelett-Beschwerden wie Rückenschmerzen. Schon kurz dahinter folgen die psychischen Erkrankungen. Prüß: „Die höchste Steigerung mit 32 Prozent gab es bei den Atemwegserkrankungen wie Erkältungen oder Bronchitis, die mit 15,7-prozentigem Anteil am Krankenstand in der Statistik an den Verletzungen vorbeigezogen sind.“

Der Report 2014 hat besonders die Situation der sogenannten Rushhour-Generation, also die der 25- bis 40-Jährigen unter die Lupe genommen. Simone Prüß weiß: „In dieser Phase ballt sich alles, muss alles passieren: Heiraten, Kinder kriegen, sich im Job etablieren. Diese Altersgruppe ist besonders beansprucht.“ Wenn diese Arbeitnehmer bis zum 67. Lebensjahr produktiv bleiben sollen, müssen Arbeitgeber nachhaltiger in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren: „Der im Vergleich zu den anderen Altersgruppen niedrigere Krankenstand darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in diesem Alter erste Ansätze für chronische Krankheiten bilden.“ So waren in dieser Altersgruppe 2013 mehr als 40 Prozent mit Muskel- und Skelettproblemen beim Arzt. Unter den 20 häufigsten Einzeldiagnosen bei Männern gab es neben den akuten Beschwerden auch bereits langfristige Beeinträchtigungen: Rund sieben Prozent der Männer ließen sich wegen Bluthochdruck behandeln, der häufig in Verbindung mit Stress und Bewegungsmangel steht. Und mehr als ein Viertel aller erwerbstätigen Männer und Frauen mussten wegen eines psychischen Leidens zum Arzt.

Die Studie ergab auch: Erwerbstätige Eltern achten weniger auf ihre Gesundheit als kinderlose Mitarbeiter. Prüß: „Viele Eltern machen im Spagat zwischen Job und Kindern Abstriche bei sich selbst.“ Hier hätten Betriebe in Sachen Familienfreundlichkeit noch Nachholbedarf: „Sehr oft gehen Angebot und Nachfrage deutlich auseinander. So sind laut Studie mehr als sieben von zehn erwerbstätigen Eltern der Meinung, Gleitzeit würde ihren Alltag erleichtern, aber nur 40 Prozent können ein entsprechendes Angebot nutzen. Auch Betriebskindergärten oder -krippen sind beliebt, aber noch mehr wünschen sich Eltern Verständnis für ihre Situation.“ So hofften 61 Prozent der Befragten, dass Chefs und Kollegen bei der Planung von Terminen auf sie Rücksicht nehmen, aber nur ein Drittel erlebe so viel Umsicht im Arbeitsalltag.

Angst vor Arbeitsplatzverlust
„Viele Arbeitnehmer scheuen sich, bei Krankheit zu einem Arzt oder Facharzt zu gehen.“ Davon geht Simone Preuß aus. Denn sie fürchteten den Verlust des Arbeitsplatzes.
Das bestätigt der Vorsitzende des Landesverbands Niedersachsen im Deutschen Hausärzteverband, der Barendorfer Dr. Heinz Jarmatz. Der Mediziner mit Praxis in Scharnebeck sieht da ganz klar „eine Abhängigkeit von der Sicherheitsqualität des Arbeitsplatzes“.
So würden vor allem Leih- und Zeitarbeiter eine Krankschreibung scheuen, gefolgt von Mitarbeitern mit befristeten Verträgen. Danach kämen Mitarbeiter mit unbefristeten Verträgen und zum Schluss Pensionsanspruchsberechtigte.