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Die Vorführung des ,,Power Sandking 800 Turbo" war ein Anziehungspunkt beim Tag der offenen Tür des Artlenburger Deichverbandes. Foto: bau
Die Vorführung des ,,Power Sandking 800 Turbo" war ein Anziehungspunkt beim Tag der offenen Tür des Artlenburger Deichverbandes. Foto: bau

Sandsackabfüllmaschine mit Turbo

pet Lüneburg. „König Power Sandking 800 Turbo“ ist der kernige Name. Die Standardfarbe ist rot, fast wie ein Ferrari. Mit starkem Getriebe, handlicher Sackhalterung, Gelenkwelle mit Sicherheitsbolzen und Turbo-Abfüllstutzen aus Edelstahl ist es möglich, 4200 Sandsäcke pro Stunde abzufüllen. Insgesamt vier der „Hochleistung-Sandsackabfüllanlagen“ sollen im Landkreis Lüneburg künftig links und rechts der Elbe im Einsatz sein, wenn angesichts drohender Hochwasserereignisse Sandsäcke benötigt werden. Dass die Anlagen kommen sollen, darüber waren sich alle Mitglieder des Kreistags einig. Nur: Wer die Anlagen, Stückpreis mit Zubehör von 13000 bis 15000 Euro, bezahlen soll, darum gab es Streit.

Klar war: Die Volksbank Osterburg-Lüchow-Dannenberg stellt für die Kreise Stendal, Lüchow-Dannenberg und auch den Kreis Lüneburg je einen „Power Sandking 800 Turbo“ zur Verfügung. Eine weitere Sandsackabfüllmaschine erhofft sich der Landkreis von der Lüneburger Sparkassenstiftung. Weil künftig im Landkreis in Hochwasserfällen links und rechts der Elbe jeweils zwei Einsatzabschnitte gebildet werden, sind noch zwei weitere zu finanzieren. Und darüber gab es sowohl in der jüngsten Kreistagssitzung als auch im Ausschuss für Feuer-, Katastrophenschutz und Ordnungsangelegenheiten Diskussionen.

2,7 Millionen Sandsäcke waren allein im Landkreis Lüneburg während des Sommerhochwassers 2013 von Tausenden Helfern von Hand abgefüllt worden, als die Elbe über die Ufer zu treten drohte. Inwieweit Technik bei der Arbeit helfen kann, fragten sich anschließend die Verantwortlichen, eine Expertengruppe, darunter Erster Kreisrat Jürgen Krumböhmer, machte sich auf Besichtigungstour.

Es ging zum „1. Oldenburgischen Deichband“ in Brake, wo seit langem der „Power Sandking 800 Turbo“ genutzt wird, ein relativ kleines Gerät, das sich leicht transportieren lässt, keinen Strom, sondern nur einen Traktor zum Antrieb und einen Radlader braucht. Das Gerät sei „nicht störanfällig“ (Krumböhmer) und verträgt beim Abfüllen auch nassen und groben Sand. Wobei zu beachten ist: Die Maschinen werden die Handarbeit auch künftig nicht ersetzen, nur ergänzen.

Der Grund für den folgenden Streit: Die Fraktion CDU/Bündnis 21 RRP beantragte zunächst, zwei Anlagen zu 100 Prozent aus dem kommunalen Strukturentwicklungsfonds des Landkreises zu finanzieren. Die Gruppe SPD/Grüne machte den Vorschlag, die direkt betroffenen Gemeinden Bleckede und Scharnebeck sollen über den Strukturentwicklungsfonds einen Antrag auf je eine Anlage stellen, gemäß deren Richtlinien 50 Prozent selbst tragen. CDU/Bündnis 21 RRP änderte ihren ersten Antrag dann, forderte, der Landkreis solle die Kosten „aus eigenen Mitteln“ komplett übernehmen.

„Warum muss man immer die am meisten belasten, die ohnehin die größte Last tragen?“, begründete Norbert Thiemann (CDU) den Standpunkt seiner Fraktion mit Blick auf Bleckede und Scharnebeck. Und: Durch den Deichschutz direkt an der Elbe würden auch weitere Flächen geschützt, „bis ran an Lüneburg und nach Bardowick“. Parteifreund Meinhard Perschel unterstützte: „Hochwasserschutz ist nicht nur eine Sache für die, die direkt an der Elbe leben, das ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft.“
Der Argumentation Thiemanns konnte auch Peter Bollmann (Grüne) folgen. Andreas Köhlbrandt (SPD) bekräftigte die Ansicht seiner Gruppe, die Anlagen sollten aus dem Strukturentwicklungsfonds und damit von den Gemeinden und dem Landkreis Lüneburg gemeinsam bezahlt werden. Herbert Meyn (SPD) fand es „kleinkariert“, dass man über zwei Anlagen im Wert von jeweils 15000 Euro so lange diskutiert, „die alle hier für notwendig halten“.

Den Gordischen Knoten zerschlug schließlich Landrat Manfred Nahrstedt (SPD): „Die Sandsackabfüllanlagen werden gekauft. Wie sie finanziert werden, wird sich im Laufe der kommenden Haushaltsberatungen für 2015 herausstellen.“ Die Anlagen seien „freiwillige Leistungen“, deren Anteil am Gesamthaushalt sei eng begrenzt. Eine Hoffnung: „Vielleicht haben wir ja bessere Einnahmen als erwartet.“

One comment

  1. Das Hochwasser betrifft schließlich weite Teile des LK Lüneburg.
    Und die Hilfskräfte sind sicherlich dankbar um jede technische Unterstützung.