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Foto: t&w Lessingstraße Rotes Feld Abriss der Ibus-Villa

Das Ende einer alten Villa

An der Lessingstarße im Roten Feld rollt der Bagger – der Abriss der Ibus-Villa hat heute Nachmittag begonnen. Wie berichtet soll dort eine neue Wohnanlage enstehen. Lesen Sie hier Archiv-Artikel zu diesem Thema: 

Bericht vom 01.11.2014

ca Lüneburg. Die Ibus-Villa an der Lessingstraße im Roten Feld soll verschwinden, ein Investor will einen größeren Neubau aufs Grundstück setzen. Das gefällt Nachbarn wie Dr. Rolf Johannes nicht, sie wünschen sich, dass am besten alles so bleibt, wie es ist. Das Rote Feld ist kein Einzelfall. Nachdem Anwohner kürzlich vor dem Gebäude protestiert haben, hätten sich auch Bürger aus anderen Stadtteilen gemeldet, vom Bockelsberg zum Beispiel. Auch dort stünden unliebsame Veränderungen an, berichtet Johannes. Gemeinsam laden sie zu einer Bürgerversammlung ein, um zu beraten, wie Interessen gegenüber Politik und Stadt deutlich gemacht werden können.

Wenn rückwärtige Gärten bebaut werden sollen, wie an der Friedenstraße, oder eben in Wohngebieten Häuser für Neubauten abgebrochen werden sollen, dann setzt es Kritik. Stadtbaurätin Heike Gundermann und ihre Mitarbeiter, der Stadtplaner Matthias Eberhard und die Juristin Yvonne Hobro, haben damit häufiger zu tun. Zum Beispiel in den vergangenen Jahren, als an der Uelzener Straße Villen und Hotels abgerissen und durch moderne Bauten ersetzt wurden.

Sie weisen auf unterschiedliche Interessen hin: Was die Anwohner ärgern mag, ist andererseits ein Ziel der Politik: Innen- geht vor Außenbebauung. Das meint: Baulücken sollen geschlossen werden, statt vor der Stadt großflächig Landschaft mit neuen Häusern zu bebauen. Yvonne Hobro sagt es so: In der Stadt haben nur wenige etwas vom Grün im Nachbargarten, doch vom Grün vor der Stadt profitieren alle. Überdies ist es nicht nur ein politischer Wunsch, sondern auch juristisch festgezurrt, so zu verfahren. Das Baugesetzbuch gibt diese Linie vor.

Mitten in der Stadt verfügt die Verwaltung über andere Instrumente. Denkmalschutz, historische Parzellenstrukturen und möglicherweise eine Lage im Senkungsgebiet sichern der Verwaltung ein weitreichendes Mitspracherecht für Projekte zu.

Für Teile des Roten Feldes, einen Bereich zwischen Feld- und Lessingstraße hingegen, gilt lediglich eine Erhaltungssatzung. Die nicht denkmalgeschützte Ibus-Villa allerdings steht auf der anderen Seite dieser Begrenzung, eben außerhalb des Schutzgebietes. Das Regelwerk, so erklärt es die Stadtbaurätin, schützt vor allem die Grünflächen, wie sie zwischen Gebäuden an der Schiller- und Gravenhorststraße liegen.

Doch für Häuser ist das anders. Für die gelten Baugesetzbuch und Bebauungsplan, der hier relativ wenige Einschränkungen vorgibt. Der Grundansatz will Bauen ermöglichen und nicht verhindern. Konkret bedeutet dies zum Beispiel, dass Häuser im Roten Feld durchaus durch Neubauten ersetzt werden dürfen. Im Maßstab orientieren sie sich am größten Gebäude, das an der jeweiligen Straße steht. Das heißt aus einem Einfamilien- kann auch ein Vierfamilienhaus werden. Vorgaben gibt es unter anderem bei der Geschosszahl und der Dachform. Auch Abstand zu anderen Gebäuden spielt dann eine Rolle.

Was im Roten Feld gilt, gibt nach Auskunft der Bauverwaltung auch die Linie für den Bockelsberg vor. Letztlich könnten die Villen aus den vergangenen Jahrzehnten durch die Moderne abgelöst werden.

Zahlreiche Beispiele zeigen aber, dass hintere Bebauung von Anwohnern akzeptiert wird, am Zeltberg, im Moorfeld und am Ebensberg. Dort erhielten Siedler nach dem Krieg große Grundstücke mit der Auflage, sich durch Gartenbau selbst versorgen zu können. Das ist Geschichte. Inzwischen wurden und werden Flächen geteilt, da unter anderem Kinder der Hausbesitzer dort bauen. Die Erfahrung im Bauamt: Wenn Anwohner A diesen Weg geht, akzeptiert er, wenn B ihn auch einschlägt.

Generell machen die Stadtbaurätin und ihre Mitarbeiter darauf aufmerksam, dass eine Verschärfung der Vorschriften wenn sie denn überhaupt möglich wäre natürlich auch die träfe, die sie heute fordern. Wer später einmal sein Grundstück verkaufen will, hat eben dann auch die neuen Regeln zu tragen, nach denen ein größeres Haus nicht gebaut werden dürfte. Das wiederum hat Auswirkungen auf den Verkaufspreis.

Auch wenn die Bauverwaltung Neubauten im Zweifel nicht verhindern kann, so sieht sie Einflussmöglichkeiten. Im Gespräch mit Bauherrn und Architekten setzt sie darauf, mit ihnen über Baumaterialien wie Stein und Holz sowie Farbe zu sprechen. Meistens sei man da ganz erfolgreich, sagt Heike Gundermann: „Aber anordnen können wir nichts.“

LZ-Bericht vom 20.11.2014 

LZ-Bericht vom 02.10.2014

10 Kommentare

  1. Dass „Baugesetzbuch und Bebauungsplan hier (Lessingstraße 7) nur relativ wenige Einschränkungen vorgeben“, ist eine relativ relative Behauptung.

    Die Zulässigkeit von Vorhaben im unbeplanten oder nur teilweise überplanten (vgl. § 30 Abs. 3 BauGB) Innenbereich wird mit § 34 Abs. 1 bis 3a BauGB unmittelbar durch Gesetz geregelt (gesetzlicher Planersatz bzw. im Fall des § 30 Abs. 3 BauGB gesetzliche Planergänzung). Durch § 34 Abs. 1 Satz 1 BauGB soll die nach der jeweils vorhandenen Siedlungsstruktur angemessene Fortentwicklung der Bebauung eines Bereichs ermöglicht werden (BVerwG, Beschl. v. 10.7.2000 – 4 B 39/00 – NVwZ 2001, 70).

    Es kann Fallgestaltungen geben, in denen die bauliche Verdichtung auf einem einzelnen Grundstück zu städtebaulichen Missständen führt, die auch durch günstige Verhältnisse in der Umgebung nicht ausgeglichen werden können. Für die Frage, ob bei einer starken baulichen Ausnutzung eines Grundstücks die Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse gewahrt sind, kann es (dabei) auch auf die Verhältnisse in der Umgebung ankommen (BVerwG, Urt. v. 23.3.1994 – 4 C 18/92 – NVwZ 1994, 1006; im entschiedenen Fall war eine 100m2 große Freifläche in Bezug auf die Zahl der Wohnungen nicht ausreichend, um etwa einen Kinderspielplatz anzulegen; im näheren Umfeld waren aber größere, öffentliche Grünanlagen – auch mit Kinderspielmöglichkeiten – vorhanden).

    Das Verbot der Beeinträchtigung des Ortsbilds (§ 34 Abs. 1 Satz 2 Hs. 2 BauGB) hat eine eigenständige Bedeutung. Die Gestaltung des Ortsbilds hat planungsrechtliche Relevanz. Das
folgt u.a. auch aus § 1 Abs. 5 Satz 2 und Abs. 6 Nr. 5, § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BauGB. Ein Vorhaben, das sich gem. § 34 Abs. 1 Satz 1 BauGB in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt, kann gleichwohl bauplanungsrechtlich unzulässig sein, wenn es das Ortsbild beeinträchtigt (BVerwG, Beschl. v. 16.7.1990 – 4 B 106/90 – NVwZRR 1991, 59).

    Beim Beeinträchtigen des Ortsbilds kommt es nicht – wie beim Einfügensgebot – auf (fehlende) Übereinstimmung in den einzelnen Merkmalen der Bebauung an, sondern darauf, ob ein Gesamtbild, das durch unterschiedliche Elemente geprägt sein kann, gestört wird. Das Ortsbild
muss, um die Baugestaltungsfreiheit des Eigentümers einschränken zu können, eine gewisse Wertigkeit für die Allgemeinheit haben. Dies ist nicht das Ortsbild, wie es überall anzutreffen sein könnte (BVerwG, Urt. v. 11.5.2000 – 4 C 14/98 – NVwZ 2000, 1169). Es liegt auf der Hand, dass etwa das Ortsbild einer mittelalterlichen Stadt in anderer Weise – und stärker – schutzwürdig ist als ein durch Industriebauten geprägtes Ortsbild (BVerwG, Beschl. v. 16.7.1990 – 4 B 106/90 – NVwZRR 1991, 59). Maßstab der Beurteilung im Sinne einer wertenden Betrachtung ist, ob die Anlage das ästhetische Empfinden eines für Fragen der Ortsbildgestaltung aufgeschlossenen Betrachters verletzt (BVerwG, Urt. v. 18.2.1983 – 4 C 18/81 – DVBl. 1983, 886). Anders als dies in den Landesbauordnungen und in § 35 Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 BauGB vorausgesetzt wird, muss nach § 34 Abs. 1 Satz 2 Hs. 2 BauGB nicht der Grad der Verunstaltung erreicht sein, um die Zulassung eines Vorhabens auszuschließen.

    Die das Ortsbild schützende bundesrechtliche Vorschrift des § 34 Abs. 1 Satz 2 Hs. 2 BauGB 114 stellt auf einen größeren maßstabbildenden Bereich als auf die für das Einfügensgebot maßgebliche nähere Umgebung ab („Orts“-Bild; BVerwG, Urt. v. 11.5.2000 – 4 C 14/98 – NVwZ 2000, 1169). Es genügt daher nicht, das Vorhaben nur mit seiner näheren Umgebung in Beziehung zu setzen. Im Gegensatz dazu schützen die (tendenziell eher bauwerksbezogenen) gestalterischen Vorschriften der Landesbauordnungen das kleine Ortsbild vor Verunstaltung. Das findet u.a. seinen Ausdruck darin, dass nicht nur das Ortsbild, sondern auch das Straßenbild in den landesrechtlichen Vorschriften erwähnt wird (Vgl. die Vorschriften über die Gestaltung baulicher Anlagen, das Verbot der Verunstaltung des Straßen-, Orts- und Landschaftsbilds und die gestalterischen Anforderungen an Werbeanlagen in §§ 9 und 10 MBO). Überschneidungen von Bundes- und Landesrecht – aufgrund anderer Zielsetzungen – bestehen aber (Vgl. etwa die landesrechtliche Regelung, dass Werbeanlagen außerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile unzulässig sind, § 10 Abs. 3 MBO; hierzu BVerwG, Urt. v. 11.10.2007 – 4 C 8/06 – NVwZ 2008, 311).

    Durch § 34 BauGB wird das Ortsbild nur in dem Umfang vor Beeinträchtigungen geschützt, wie dies im Geltungsbereich eines Bebauungsplans durch Festsetzungen nach §9 Abs.1 BauGB und den ergänzenden Vorschriften der Baunutzungsverordnung möglich wäre. Dachformen und andere Einzelheiten der Dachgestaltung lassen sich auf Grundlage des § 9 Abs. 1 BauGB nicht festsetzen. Daher erfasst die Regelung in § 34 Abs. 1 Satz 2 Hs. 2 BauGB als ortsbildprägende Elemente (u.a.) keine Dachformen (BVerwG, Urt. v. 11.5.2000 – 4 C 14/98 – NVwZ 2000, 1169). Das folgt aus der planersetzenden Wirkung des § 34 BauGB. Der Planersatz kann nicht mehr regeln, als der planungsrechtliche Teil des Bebauungsplans selbst.

  2. Steine des Anstoßes

    Es gibt viele gute Gründe für bauliche Nachverdichtung in städtischen Wohngebieten. Generell reduziert sie den Landfraß und die Versiegelung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und natürlichen Lebensräumen und andererseits die Ausdehnung, Inanspruchnahme und Umwandlung von naturbelassenen Arealen in Siedlungs- und Verkehrsflächen.

    Nachverdichtung reduziert die bekannten, deutlich überwiegend negativen ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen des Flächenverbrauchs in kommunalen Randlagen.

    Das Nutzen freistehender Flächen innerhalb bereits bestehender Bebauung wie im Roten Feld kann erfolgen durch das Schließen von Baulücken, das Aufstocken von vorhandenen Bauten (Dachgeschossausbau u.ä.), den Abriss vorhandener Bauten und den Bau größerer Bauten (mehr umbauter Raum) Hinterlandbebauung (zum Beispiel im Garten von langen Grundstücken). Ein Vorteil ist die Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur – die neuen Räume müssen nicht erst strukturell erschlossen werden. Vorhandene Infrastruktur wird dadurch besser genutzt und ihre Fixkosten können auf eine größere Zahl von Einwohnern bzw. Bewohnern umgelegt werden. Aus Perspektive der Stadt dient Nachverdichtung der Innenentwicklung, der städtebaulichen Aufwertung von Quartieren sowie der besseren Auslastung von Infrastrukturen. Aus Perspektive der Eigentümer wird zusätzliche Nutzfläche in vorhandenen Immobilien wirtschaftlich erstellt durch zusätzliche Nutzung von bereits vorhandenen Erschließungen und Tragwerken. Nutzer empfinden die Wohnqualität und die Lage in gewachsenen Quartieren oft als besser als die eines Neubaugebietes.

    Werden solche Überlegungen sich eines Tages auch bis zu den Privatparkbesitzern im Roten Feld herumgesprochen haben? Ein Blick in das Jahr 2016:

    Wie kommt der Stadtvillenneubau in der Lessingstraße jetzt, im Vorfrühling 2016, wo er noch nicht endgültig, aber im Kern erkennbar ist, bei den Entscheidern an? Die Landeszeitung fragte bei einigen nach.

    Villenbesitzer Dr. Rolf Johannes, Vorsitzender des Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg: “Nachdem einige kritische Kommentare zu dem Stadtvillenneubau in der Lessingstraße 7 erschienen waren, habe ich mich noch einmal hingestellt und den Bau in Ruhe angesehen. Ich bin überzeugt davon, dass es ein gutes Stück Architektur geworden ist. Ich glaube, die Lüneburger werden bald sehen, wie gut es hierhin passt. Wenn alle Details – der Schriftzug, die beleuchtete Tür – fertig sind, wird das Haus noch eleganter wirken.”

    Heike Gundermann, Stadtbaurätin der Hansestadt Lüneburg: “Der Bau ist sehr kompakt, fügt sich gut ein, nimmt Bezug zu dem Ort und ist eine gute Ergänzung für unsere Stadt. Natürlich ist ein so großer Baukörper im Roten Feld bisher noch ungewohnt. Die drei versetzten Gebäudeteile beherbergen insgesamt 2900 Quadratmeter Nutzfläche, die Säle sind bis zu fünf Meter hoch und geben so auch außergewöhnlichen Potentaten gebührenden Raum. Diese Dimensionen sind natürlich im Stadtbild wahrnehmbar und sollen es auch sein. Ich rate zu mehr Gelassenheit bei der Betrachtung des Gebäudes und wünsche mir, dass sich die Mehrheit der Lüneburger auf die neue Stadtvilla freut.“

    Dr. Christian Lamschus, Vorstandsvorsitzender der Museumsstiftung Lüneburg und Direktor des Deutschen Salzmuseums: “Es ist toll, dass es den Stadtvillenneubau im Roten Feld gibt. Ich wünsche ihm den besten Erfolg.”

    Prof. Dr. Johannes Prüter, Vorsitzender des Naturwissenschaftlichen Vereins: “Ich stehe zu dem, was dort steht. Der Eindruck ist in dieser Phase des Baus sicher recht wuchtig, aber das wird sich stark auflösen, wenn dort das Umfeld gestaltet ist, sich mit Leben füllt und Bewuchs da ist. Die Fassade Richtung Dr. Rolf Johannes ist für Lüneburg von großem Wert.”

    Heiko Dörbaum, Vorsitzender des Bauausschusses der Stadt: “Aus meiner Sicht ist der Bau architektonisch gelungen, er entspricht meinen Vorstellungen bei der Arbeit mit dem Architekten. Wir haben zweimal mit dem Bau-Ausschuss, Museumsvertretern, dem Architekten und anderen Beteiligten wegen der Fassade diskutiert. Das sollte zunächst ein pechschwarzer Stein sein, wir haben uns aber auf einen helleren geeinigt, der jetzt ja auch einen unterschiedlichen Farbton hat. Wenn die Eingangssituation mit der Treppe fertig ist, lockert das die Fassade auch auf. Letztlich haben wir die richtige Entscheidung getroffen. Es ist eben eine Stadtvilla, die braucht große Dimensionen. Wichtig ist mir aber, dass die Öffnung mit den großen Fenstern zum Garten von Dr. Rolf Johannes ihren offenen Charakter behält.”

    Ulrich Völker, Vorsitzender des Kultur- und Partnerschaftsausschusses der Stadt: “Grundsätzlich hatte ich den Entwurf von Zaha Hadid favorisiert, mir war aber auch das Berliner Büro mit Jörg Springer sympathisch, auch, weil die Vertreter offen für Anregungen waren. Im Ergebnis finde ich jetzt die Fassade zur Lessing- und Barckhausenstraße zu abgeschottet, zu unaufgeregt, mehr Temperament hätte mir dort gut gefallen. Innen ist der Bau gut gelungen, das Pfund ist natürlich der Ausblick zur Gartenterrasse von Dr. Rolf Johannes hin.”

    Bezug: http://www.landeszeitung.de/blog/kultur-lokales/98533-steine-des-anstosses

    • Großartig!

      Die Herrschaften mal mit dem eigenen Phrasensalat von gestern zu konfrontieren, bringt doch sehr viel Licht in den Maschinenraum ihrer privaten Antriebe und Besorgnisse.

      Mit öffentlichem wolkigwabernd salbungsvollem Rechtfertigungsgeschwafel für architektonische Scheußlichkeiten wie dem Museumsbau oder dem Audimax ist man schnell bei der Hand. Aber wehe so ein neo-barockes Techno-Monument rückt einem beim Grillen auf die Pelle und giert und ächzt die nächsten siebzig Jahre von der anderen Straßenseite über den heimischen Gartenzaun wie eine adipöse Riesengestalt im Karussellbremserlook, die jeden Tag den gleichen Witz reißt.

      Da ist es dann ganz schnell vorbei mit der „kontemplativen Anerkennung von dekonstruktiven Potentialen des Mehrdimensionalen“ und dem „Verständnis nichtidentischer Artefakte, die sich dem Gegebenen verweigern und die auf je singuläre Weise aus ihrem Material und ihrer Konstruktion eigene Regeln entwickeln und aus der ihnen eigentümlichen Logik ihre Maßstäbe etablieren“.

      • Malte – verraten sie uns doch mal was sie zum Thema sachdienlich beitragen wollten. Selbstdarstellungen nützen hier keinem. Wort- und Formulierungsakrobatik bringt alle Beteiligten keinen einzigen Millimeter weiter. Das gilt übrigens auch für viele andere „Kommentatoren“ auf dieser Plattform. Verraten sie uns doch einfach was sie sagen wollten. Trotzdem: Sie sind schon ein toller Typ.

        • Heidi – ich wollte genau das sagen, was ich auch geschrieben habe. Mir hat der meinem vorangegangene Kommentar gefallen, weil er den LZ-Artikel vom 24. August 2013, in dem Herr Dr. Johannes sich zu einer Bausünde äußert, in einer erhellenden Persiflage mit dem von gestern konfrontiert, in dem Herr Dr. Johannes als Initiator „einer Bürgerinitiative gegen Bausünden“ vorgestellt wird. Durch die satirische Verfremdung ist dem (oder der) Leserbriefschreiber(in) meiner Ansicht nach gelungen, genau die Geisteshaltung zu decouvrieren, die auch Herr Hans-Herbert Jenckel am 19. August 2014 erst aufgespießt hat (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/184176-und-es-ist-mir-laengst-klar-dass-nichts-bleibt-wie-es-war), bevor er sich am 29. September 2014 dann selber als ihr Anhänger enttarnte (http://www.landeszeitung.de/blog/blog-jj/192084-der-untergang-des-roten-feldes). Die Geisteshaltung, um die es hier geht, nennt man Doppelmoral. Von ihr kann immer dann gesprochen werden, wenn unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe verwendet werden, obwohl die der Bewertung zugrunde liegenden Sachverhalte (strukturell) gleichartig sind. Herr Jenckel hatte die zugrunde liegende Einstellung, die ich im mittleren Absatz meiner Wortmeldung gekennzeichnet habe, im August so umschrieben: “Ich heiße St. Florian. Ich weiß, die Welt dreht sich. Nur bitte nicht vor oder hinter meinem Gartenzaun. Mein Nachbar sieht das übrigens auch so.“

          Lassen Sie mich noch zwei Bemerkungen hinzufügen, Heidi.

          1. Hätte ich daran gedacht, dass Ulrich Völker im Juli diesen Jahres verstorben ist, woran Herr Meihsies unten erinnert, hätte ich nicht auf den Kommentar von Herrn oder Frau „Steine des Anstoßes“ reagiert, obwohl ich ihn gelungen finde und auch nicht erkennen kann, dass Herrn Völkers Andenken im Geringsten angetastet wird.

          2. Dass Sie, Heidi, mich für einen „tollen Typen“ halten, ehrt mich natürlich. Ich würde sogar sagen, es adelt mich, wenn Sie mir bloß verrieten, was eigentlich „SIE zum Thema sachdienlich beitragen wollten“. Da kann ich nämlich nichts außer schlechter Laune ausmachen.

    • meihsies andreas

      Hallo Herr/Frau -Steine des Anstoßes
      Unser Fraktionskollege Ulrich Völker ist im Juli diesen Jahres verstorben.

      Gruß Andreas Meihsies Fraktion B90/Die Grünen im Stadtrat

  3. Taaag! Sehr angenehme Wortakrobatik. Hätte ich bei einem so profanen Thema gar nicht erwartet 🙂

    Aber mal was handfesteres: Wo und wann findet denn die Bürgerversammlung statt? Nur, um die ganze Diskussion mal von Bits’n’Bytes wieder ins reale Leben zu verfrachten.

    • Für alle, die sich das auch gefragt haben. Gerade in der Print-Ausgabe gefunden:
      18.11.2014, 19.30h Aula der Uni im Wilschenbrucher Weg

    • Danke Ralf,

      in der Kantstraße 4 hatten wir schon gemutmaßt, uns ohne dieses Datum an die Auskunft aus der Enzyklopädie der philosophischen Wissenschaften halten zu sollen: § 259 „Die Dimensionen der Zeit, die Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit, sind das Werden der Äußerlichkeit als solches und dessen Auflösung in die Unterschiede des Seins als des Übergehens in Nichts und des Nichts als des Übergehens in Sein. Das unmittelbare Verschwinden dieser Unterschiede in die Einzelheit ist die Gegenwart als Jetzt, welches als die Einzelheit ausschließend und zugleich schlechthin kontinuierlich in die anderen Momente, selbst nur dies Verschwinden seines Seins in Nichts und des Nichts in sein Sein ist.“

      Unter Hegelianern ist es bekanntlich ja nicht sinnvoll, „daß die Realisierung der Idee in die Zeit, in eine Zukunft, wo die Idee auch sei, verlegt wird“ (HW 8: 143). Wenn der Gedanke des Sollens einen Sinn haben soll, so nur den, dass das Gesollte, also das Vernünftige zu aller Zeit schon da ist. Es kommt nicht als etwas Fremdes in die Gegenwart, von einer nur subjektiv gewünschten oder geglaubten Zukunft her. Es steckt objektiv schon in der Gegenwart. Dieses Vertrauen in die Vernunft, die schon immer – oder außer aller Zeit – in der Welt ist, begründet auch die Gelassenheit, die Hegel – so wie die Philosophen im Roten Feld – an den Tag legt: „Die große Revolution ist geschehen, das weitere ist der Zeit überlassen, Gott hat Zeit genug, was geschehen soll, wird geschehen.“ (Hegel PR 1821/22: 235)

      • Alter Spruch von Henry Vahl aus dem Ohnsorg Theater: „Das Seiende im Sein des Daseins, ist das Seiende im Sein des Seienden.“