Aktuell
Home | Lokales | Deiche für Flut gewappnet
Synergieeffekte nutzt derzeit der Artlenburger Deichverband: An der Einfahrt zum Elbe-Seitenkanal hat der Verband ein Sanddepot zur Aufstockung der Tiededeiche im Bereich Schwinde angelegt. Die mächtige Kleischicht auf den dortigen Schutzwällen ist in Teilen abgetragen und für die Deicherhöhungen bei Barförde, Radegast und Bleckede verwendet worden. Foto: t&w
Synergieeffekte nutzt derzeit der Artlenburger Deichverband: An der Einfahrt zum Elbe-Seitenkanal hat der Verband ein Sanddepot zur Aufstockung der Tiededeiche im Bereich Schwinde angelegt. Die mächtige Kleischicht auf den dortigen Schutzwällen ist in Teilen abgetragen und für die Deicherhöhungen bei Barförde, Radegast und Bleckede verwendet worden. Foto: t&w

Deiche für Flut gewappnet

kre Artlenburg. Das Wetter kann die Arbeit von Norbert Thiemann im wahrsten Sinne des Wortes verwässern, es kann aber auch der beste Freund des Geschäftsführers des Artlenburger Deichverbandes sein. So wie in diesen Tagen: Sonnenschein und milde Temperaturen lassen die Grassaat selbst im November noch ordentlich sprießen. Thiemann freut es: „Auf dem Deichabschnitt zwischen Wendewisch und Barförde ist die Saat prima aufgelaufen“, sagt er zufrieden.

In den vergangenen Wochen und Monaten waren nämlich Deichbaufirmen im Auftrag des Artlenburger Deichverbandes eifrig damit beschäftigt, die Deichkrone zu erhöhen, um teilweise bis zu 45 Zentimeter. Das Ziel: „Innerorts haben die Deiche jetzt wieder ein Freibord von 1,20 Metern, außerorts von einem Meter“, erläutert Thiemann.
29Die Arbeiten, die Thiemann unbedingt noch in diesem Jahr erledigt wissen wollte, sind somit geschafft: ,,Die Deicherhöhung von Bleckede bis Radegast ist abgeschlossen“, berichtet der Geschäftsführer des Artlenburger Deichverbandes. Eine Strecke von gut zehn Kilometern Länge. ,,Bis auf kleine Restarbeiten sind wir hier fertig. In den nächsten Tagen muss nur noch eingesät werden“, erläutert Thiemann.

Ende August wurde mit den Arbeiten begonnen als endlich die Fördermittel aus dem Fonds ,,Aufbauhilfe“ bewilligt worden waren. 600000 Euro haben die ersten zehn Kilometer Deicherhöhung gekostet. „Im nächsten Jahr geht es weiter“, sagt Thiemann, dann sind die restlichen 32 Kilometer der Hochwasserdeiche an der Reihe. Hier gehe es allerdings nicht nur um die Erhöhung des Hochwasserschutzes, sondern auch um die Anpassung der Deichverteidigungswege und der Überfahrten. „Durch die veränderte Deichhöhe müssen auch die Wege neu gemacht werden.“

Theoretisch hätten die Arbeiter noch mehr Kleie auf die Deichkrone packen können als die maximal 45 Zentimeter, doch dann wäre die Deichkrone zu schmal geworden: Um die Deichsicherheit zu gewährleisten, muss die Neigung von 1:3 beibehalten werden. Bei der jetzt schon in Angriff genommenen Deicherhöhung um bis zu 45 Zentimeter verringerte sich die Breite der Deichkrone von ursprünglich fünf Meter auf aktuell nur noch drei Meter. Die Mindestbreite. ,,Weniger geht nicht“, erläutert Norbert Thiemann. „Wird die Deichkrone noch schmaler, ist eine Deichunterhaltung und -verteidigung nicht mehr möglich.“ Sollen die Elbdeiche trotzdem noch höher werden, gibt es nur eine Möglichkeit: die Anpassung des gesamten Deichkörpers.

Ob die eines Tages tatsächlich notwendig wird, wird bereits auf länderübergreifender Ebene diskutiert. Um zu wissen, wie hoch die Deiche der Zukunft sein müssen, muss allerdings das Bemessungshochwasser neu berechnet werden (LZ berichtete). So lange freilich wollen und können die Elbanrainer nicht warten. Denn nach der Flut ist vor dem nächsten Hochwasser. Und Norbert Thiemann ist froh, dass zurzeit das Wetter sein größter Verbündeter ist. Denn wer weiß: In wenigen Wochen schon kann das wieder ganz anders aussehen…