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Wo Mandy, Natalie und Luisa (v.l.) im Baugebiet Witthöftsfelde Kunststücke vorführen, sollte der Circus Europa seine Zelte aufschlagen. Doch der Flächeneigentümer pflügte den harten Boden um, um zu verhindern, dass Regenwasser auf die Straße läuft. Der Zirkus musste umziehen. Foto: t&w
Wo Mandy, Natalie und Luisa (v.l.) im Baugebiet Witthöftsfelde Kunststücke vorführen, sollte der Circus Europa seine Zelte aufschlagen. Doch der Flächeneigentümer pflügte den harten Boden um, um zu verhindern, dass Regenwasser auf die Straße läuft. Der Zirkus musste umziehen. Foto: t&w

Zirkus um „Circus Europa“

emi Salzhausen. Sandro Frank läuft mit dem Maßband über das Gelände, markiert die Stellen, an denen bald Zelt, Tiergehege und Wagen stehen sollen. Alles ist bereit, eine Woche, bevor der „Circus Europa“ seine bunte Zeltstadt mit 50 Wagen, 70 Tieren und 25 Mitarbeitern im Baugebiet Witthöftsfelde aufbauen will. Doch der Schock folgt am nächsten Morgen. Wo tags zuvor noch fester Boden und farbige Markierungen waren, durchziehen tiefe Furchen den braunen, feuchten Erdboden. Der Grundstückseigentümer, der im Auftrag der Gemeinde einen Entwässerungsgraben hatte ziehen sollen, hat das komplette Gelände im Baugebiet Witthöftsfelde umgepflügt. Die Fläche in Salzhausen ist unbrauchbar, der aktuelle Platz in Hamburg nur für ein Wochenende gebucht, eine Tournee-Pause undenkbar. „Eine Katastrophe“, seufzt Zirkusdirektor Sandro Frank.

Salzhausen-Oelstorf, eine Woche später. Zwischen Wohnhäusern und Firmengebäuden ragt ein blau-weiß-gestreiftes Zeltdach in den trüben Herbsthimmel. Auf der nassen Wiese vor dem halb aufgebauten Zirkuszelt erteilt Sandro Frank seinen Mitarbeitern Anweisungen. Nach langem Hin und Her und mehreren schlaflosen Nächten haben Eigentümer, Gemeinde und Zirkusleute doch noch eine Lösung gefunden. Am Montag schlug der „Circus Europa“ seine Zelte auf einer gemeindeeigenen Wiese im Gewerbegebiet Oelstorf auf. Auch wenn das Gelände genug Platz für Kamele, Lamas und Pferde bietet, richtig glücklich ist der Zirkusdirektor damit nicht.

„Das Riesenproblem ist, dass wir hier hinten nicht gesehen werden“, sagt der 42-Jährige. Zwar sind seine Mitarbeiter damit beschäftigt, alle Werbeplakate zu überkleben. Aber Sandro Frank hat Angst, dass die Leute die Aufkleber nicht bemerken und morgen, am Tag der Premiere, vor dem falschen Gelände stehen. „Wir sind da­rauf angewiesen, dass die Leute uns sehen und vorbeikommen. Das macht etwa die Hälfte an Besuchern aus ein riesiger Kostenfaktor.“

Der Zirkusdirektor will möglichst vielen kleinen und großen Gästen das aktuelle Programm zeigen. Luft- und Handstand­akrobatik, Seiltanz und Clowns wechseln sich ab mit Tierdressuren. Die sibirischen Steppenkamele führen ein schwungvolles Ballett auf, Hunde zeigen ihre Kunststücke, Reiter schlagen Saltos von Pferd zu Pferd.

„Wir glauben, dass Tiere zum Zirkus dazugehören“, sagt Sandro Frank. „Vor allem Kindern sieht man die Freude an ihnen an. Wenn nach den Artisten die lustigen Hunde oder Ponys auftreten, gröhlen die Kinder.“ Proteste von Tierschützern kann der Vater von drei Kindern verstehen. Aber pauschal sollten sie nicht sein. „Bei uns ist alles in Ordnung. Wir nehmen nur die Tiere mit, bei denen sicher ist, dass sie gut gehalten werden und genug Auslauf bekommen. Und wir werden jede Woche vom Veterinäramt überprüft.“

Wer sich selbst einen Eindruck von den Tieren verschaffen möchte, hat dazu ab morgen Gelegenheit. Die Vorstellungen des „Circus Europa“ finden am Donnerstag, Freitag und Sonnabend um 16 Uhr im Salzhäuser Gewerbegebiet Oelstorf, an der Straße Kreienbarg, statt. Am Sonntag öffnet sich die Manege bereits um 11 Uhr. Danach wird die Zeltstadt schon wieder abgebaut und die Crew zieht zur nächsten und letzten Spielstätte vor der Winterpause: Bispingen.