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Ist der Kindergarten Kunterbunt in Handorf bald unter neuem Dach? Die Gemeinde Handorf überlegt, den Kindergartenbetrieb an die Samtgemeinde Bardowick abzugeben. Foto: dth
Ist der Kindergarten Kunterbunt in Handorf bald unter neuem Dach? Die Gemeinde Handorf überlegt, den Kindergartenbetrieb an die Samtgemeinde Bardowick abzugeben. Foto: dth

Kindergärten unter neuem Dach?

dth Handorf/Barum. Parallel zu den schwierigen Haushaltsberatungen ist in der Samtgemeinde Bardowick vor und hinter den Kulissen eine Diskussion über die Zukunft der Kindergärten und Krippen entbrannt. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Frage der Trägerschaft, ob sie weiterhin in der Hand der Mitgliedsgemeinden bleiben oder an die Samtgemeinde übertragen werden sollen und die Kommunen damit ein weiteres Stück Selbstbestimmung abgeben. Die Gemeinde Handorf verhandelt jetzt die Konditionen, unter denen die Samtgemeinde ihren Kindergarten „Kunterbunt“ übernehmen könnte. Unterdessen geht das Ringen um die Barumer Kinderkrippe zwischen Gemeinde und Samtgemeinde weiter und kommt immer mehr einer Realsatire gleich.

Bereits im August hatte Handorfs Bürgermeister Peter Herm (CDU) versucht, seinem Rat die Abgabe des Kindergartens an die Samtgemeinde schmackhaft zu machen. Zumal Handorf dann jährlich rund 317000 Euro Betriebskosten aus dem Kreuz hätte. Zwar wird ein großer Teil stets über Elternbeiträge und Zuschüsse gedeckt, doch in der Regel bleibt bei den Kommunen rund ein Drittel der Kosten als Defitzit hängen. Nach Beratungen in den Fraktionen hat sich der Rat der Gemeinde Handorf jetzt „mehrheitlich dafür ausgesprochen, Verhandlungen mit der Samtgemeinde für eine Übernahme des Kindergartens aufzunehmen“, sagt Bürgermeister Herm auf LZ-Nachfrage.

Zu der neuen Entwicklung sagt Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU): „Mit dem Grundsatzgedanken wird sich voraussichtlich demnächst der Sozialausschuss der Samtgemeinde beschäftigen.“ Wenn eine Gemeinde ihren Kindergarten abgeben will, sei es allerdings „keine Frage, ob die Samtgemeinde sich das erlauben kann, sondern sie muss es“, sagt Luhmann. Neue Gedanken muss sich dann die Samtgemeinde auch machen, wie sie entweder an anderer Stelle spart oder ihre Einnahmen zur Deckung der zusätzlichen Kosten erhöht.

Grundsätzlich sei es laut Luhmann aus Samtgemeindesicht erstrebenswert, die Trägerschaft aller Kindergärten in den sieben Mitgliedsgemeinden in die Hände zu bekommen. Handorf dürfte dafür ein Versuchsballon sein. Luhmann: „Ein Vorteil wäre es, eine Gebührengleichheit in allen Einrichtungen herzustellen.“ Auch für die Verwaltung würde einiges einfacher, da sie dann nicht mehr mit sieben Kindergartensatzungen hantieren müsste. Und ein gemeinsamer Personal-Pool könnte helfen, Ausfälle schneller und besser auszugleichen. Neben Handorf hatte die Samtgemeinde auch in Barum um den Kindergarten gebuhlt. Doch dort muss jetzt erst einmal die Trägerschaft der 2012 an den Kindergarten angebauten Krippe geklärt werden.

Bislang lag die Krippe in der Hand der Samtgemeinde, der Kindergarten bei der Gemeinde Barum. Zunächst drohte die Betriebserlaubnis bis Ende des Jahres zu erlöschen, sollte die Forderung der Landesschulbehörde nicht erfüllt werden, beide Einrichtungen in eine Hand zu geben. Als Grund wurde die mangelnde räumliche Ausstattung für einen getrennten Betrieb angeführt. Erst wollte die Samtgemeinde den Kindergarten übernehmen, Barum ihn aber nicht abgeben. Notgedrungen erklärte sich der Rat Barum bereit, stattdessen die Krippe von der Samtgemeinde zu übernehmen. Allerdings unter der Bedingung, dass der Gemeinde Barum durch Abschreibungen sowie Zins und Tilgung für den Investitionskredit zur Krippe keine zusätzlichen Kosten entstehen ansonsten könnte die Samtgemeinde die Krippe doch behalten, hatte Gemeindebürgermeister Torsten Rödenbeck (CDU) deutlich gemacht. Der Samtgemeinderat kam dem entgegen.

Unterdessen ist der Anlass der beiden Ratsbeschlüsse entfallen: Unter diesen Bedingungen sei eine getrennte Trägerschaft von Krippe und Kindergarten nun doch möglich, heißt es. Laut Luhmann sei auch die unbefristete Betriebserlaubnis für die Krippe beantragt und zwar für die Samtgemeinde.

Am Mittwochabend tagte der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss in Barum. Der machte aber keine Anstalten, den Barumer Ratsbeschluss zur Übernahme der Krippe jetzt rückgängig zu machen. Rödenbeck: „Der Verwaltungsausschuss sieht kein Erfordernis, den Beschluss abzuändern und überlässt die Entscheidung dem Rat. Zumal die Samtgemeinde in den vergangenen Monaten bewiesen hat, dass es sowieso egal ist, was wir machen. Also kann sie auch weiterhin unseren Ratsbeschluss einfach ignorieren.“