Dienstag , 27. September 2016
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Am Telefon sitzen am Montag zwischen 17 und 18 Uhr (v.l.) Prof. Dr. Andreas Bonz, Dr. Margret Konle, Prof. Dr. Christian Weiß und Dr. Frank Krümel. Foto: t&w
Am Telefon sitzen am Montag zwischen 17 und 18 Uhr (v.l.) Prof. Dr. Andreas Bonz, Dr. Margret Konle, Prof. Dr. Christian Weiß und Dr. Frank Krümel. Foto: t&w

Wenn das Herz aus dem Takt gerät

lz Lüneburg. Nahezu jeder hat irgendwann in seinem Leben mit Herzrhythmusstörungen zu tun, die sich als Herzstolpern, Extraschläge des Herzens oder Herzrasen bemerkbar machen. Oft sind sie harmlos und nur selten Anzeichen für einen drohenden plötzlichen Herztod. Welche Symptome worauf hindeuten könnten und was im Fall der Fälle zu tun ist, beantworten Mediziner am Montag, 10. November, bei einer Telefonaktion zum Thema.

In der Zeit von 17 bis 18 Uhr sind unter 773540, 773541 oder 773542 die niedergelassenen Kardiologen Dr. Margret Konle, Prof. Dr. Andreas Bonz und Dr. Frank Krümel sowie Prof. Dr. Christian Weiß, Chefarzt der Klinik für Kardiologie des Städtischen Klinikums, zu erreichen.

Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 400000 Patienten wegen Herzrhythmusstörungen in eine Klinik gebracht. Die häufigste Form ist das Vorhofflimmern, an dem etwa 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden. Ob Herzrhythmusstörungen tatsächlich unbedenklich oder lebensbedrohlich sind, kann nur ein Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden.

Herzrhythmusstörungen sind in der Regel keine eigenständige Erkrankung, sondern meistens die Folge von Herzkrankheiten. Insbesondere Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit, Herzklappen- und Herzmuskelerkrankungen können zu Rhythmusstörungen führen. Etwa 70 Prozent aller Patienten mit Vorhofflimmern haben Bluthochdruck. Aber auch andere Krankheiten wie Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes oder chronische Lungenerkrankungen sowie zunehmendes Lebensalter erhöhen das Risiko. Weitere mögliche Ursachen für das Auftreten von Herzrhythmusstörungen sind erbliche Veranlagung, eine Störung im Elektrolythaushalt durch Kalium- und Magnesiummangel, der Genuss größerer Alkohol-, Kaffee- oder Nikotinmengen, üppige Mahlzeiten, Schlafmangel, Stress und seelische Belastungen.

Bei Vorhofflimmern gerät das Herz völlig außer Takt, die Herzschläge folgen chaotisch aufeinander und die Herzvorhöfe ziehen sich nicht mehr regelmäßig zusammen. Dadurch verlangsamt sich der Blutstrom. Es bilden sich Blutgerinnsel, die fortgeschwemmt werden und Gefäße im Gehirn verschließen können. So verursacht Vorhofflimmern jährlich rund 30000 Schlaganfälle. Weil es bei der Hälfte aller Patienten ohne Beschwerden auftritt, bleibt es oft unbemerkt und stellt eine verborgene Gefahr dar. Um Vorhofflimmern aufzudecken, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel sollte in jedem Haushalt ein Blutdruckmessgerät vorhanden sein. Die meisten dieser Geräte können den unregelmäßigen Herzschlag anzeigen, wenn man den Blutdruck misst. Wenn Patienten dabei Unregelmäßigkeiten ihres Pulses bemerken, sollten sie ihren Herzrhythmus beim Arzt durch ein EKG überprüfen lassen.

Für Patienten mit Vorhofflimmern gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten: Zur Schlaganfallvorbeugung stehen mehrere neue Medikamente zur Hemmung der Blutgerinnung zur Verfügung, die beispielsweise gegenüber Marcumar Vorteile in der Handhabung bieten. Wenn die Beschwerden trotz medikamentöser Behandlung nicht nachlassen, kommt eine sogenannte Katheterablation in Betracht. Dabei wird das verursachende Herzmuskelgewebe mit Hochfrequenzstrom „verödet“ oder durch Kälteanwendung „vereist“. Häufig sind die Patienten nach der Behandlung frei von Herzrhythmusstörungen. Bei anderen Formen von Herzrhythmusstörungen können das Einsetzen eines Herzschrittmachers oder die Implantation eines automatischen Defibrillators die beste Therapie sein.

Oft besteht große Unsicherheit darüber, ob Herzrhythmusstörungen harmlos oder lebensbedrohlich sind und wie ihre Beschwerden gelindert oder beseitigt werden können. Um über die heutigen Möglichkeiten der Diagnose und Therapie sowie deren Nutzen und Risiken zu informieren, veranstaltet die Deutsche Herzstiftung im November die bundesweite Herzwoche unter dem Motto „Aus dem Takt: Herzrhythmusstörungen“. Die Telefonaktion des Klinikums Lüneburg, des Kompetenznetzes Herz & Lunge und der Landeszeitung ist ein Bestandteil.