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Schäferhündin Bella hat nur drei Beine. Sie lebt aktuell im Lüneburger Tierheim. Die Einrichtung ist  wie viele andere in Lüneburg auch  auf Spenden angewiesen. Foto: t&w
Schäferhündin Bella hat nur drei Beine. Sie lebt aktuell im Lüneburger Tierheim. Die Einrichtung ist wie viele andere in Lüneburg auch auf Spenden angewiesen. Foto: t&w

Spendenboom nicht überall

us/as Lüneburg. Die Deutschen haben ein Herz für andere und greifen dafür auch tief in die Tasche. Der Deutsche Spendenrat hat jüngst vermeldet, dass in den ersten acht Monaten des Jahres bereits mehr als zwei Milliarden Euro gespendet wurden, das sind 4,6 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Eine gute Botschaft, doch in Lüneburg können nicht alle Vereine und Institutionen den Trend bestätigen.

Auf einen guten Sommer kann der Gute Nachbar, die Hilfsaktion von Lüneburger Wohlfahrtsverbänden und LZ, in diesem Jahr zurückschauen. Rund 25000 Euro waren zwischen April und August eingegangen, etwa dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Als Grund für das hohe Spendenaufkommen nennt Geschäftsführerin Heidrun Hecht unter anderem die Spende von über 5000 Euro der von Sternschen Druckerei anlässlich ihres 400-jährigen Bestehens sowie eine Unterstützung in ähnlicher Höhe „von einem Spender von außerhalb“. Trotz des erfreulichen Sommers will Heidrun Hecht aber noch nicht von einem Spendenboom sprechen: „Das Jahr ist noch nicht zu Ende, ich gehe bislang auch nicht von einem überdurchschnittlichen Spendenjahr aus.“

Mit einem eher schlechteren Ergebnis als im Vorjahr rechnet die Lüneburger Tafel für 2014. Seit 1995 gibt der Verein Lebensmittel an Menschen in schwierigen wirtschaftlichen Situationen aus. „Es ist für uns bislang kein besonders spendenstarkes Jahr gewesen“, sagt Tafel-Leiterin Marina Kroll. Zwar hat der Verein einen festen Kreis von Fördermitgliedern, die regelmäßig Geld geben, die Lüneburger Tafel hofft aber auch auf sogenannte Spontanspender. „Da könnte vielleicht am Jahresende noch etwas kommen.“

Darauf setzt auch Henry Schwier, der als Fundraiser beim evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Lüneburg für das Einsammeln von Spenden zuständig ist: „Dann gibt es das 13. Monatsgehalt, von dem viele gerne einen Betrag für Spenden abzweigen.“ Darauf hofft auch Birgit von Paris, Leiterin der Lüneburger Kindertafel in Neu Hagen, wo bedürftige Kinder ein warmes Mittagessen und Förderung erhalten. „Bislang haben wir noch keine hohe Spendenfreudigkeit feststellen können, es läuft wie immer“, sagt die Leiterin.

Von einem Boom ist auch beim Lüneburger Frauenhaus nichts zu spüren. „Bei den Geldspenden liegen wir etwa auf dem Niveau des Vorjahres“, sagt Ute Gailing, „weniger gut sieht es bei den Sachspenden aus.“ Gebrauchte Kleidung oder Möbel seien stets willkommen, denn häufig kommen hilfesuchende Frauen direkt aus einer akuten Notsituation ohne ihre persönliche Habe in die Einrichtung, in der sie dann oft mehrere Wochen bleiben.

Das Spendenaufkommen insgesamt habe nicht zugenommen, berichtet Manow von Flotow, Vorsitzende des Freundeskreises Hospiz, der unter anderem ehrenamtliche Begleitung für Schwerstkranke und ihre Angehörigen bietet. „Allerdings stellen wir fest, dass, seitdem es die Palliativstation im Klinikum gibt, deren Einrichtung wir größtenteils finanziert haben, verstärkt Spenden für bestimmte Anschaffungen fließen.“

„Klar haben uns Spender auch in diesem Jahr unterstützt, ohne sie könnte das Tierheim gar nicht überleben“, sagt Selina Martens, Leiterin der Einrichtung an der Bockelmannstraße. „Aber explizit mehr in die Kasse gekommen ist nicht.“ Sie sei aber optimistisch, dass es in der Vorweihnachtszeit noch einen Zuwachs gibt.

Sabine Reckermann, Geschäftsführerin des DRK-Ortsvereins Lüneburg, ist bei ihrer Einschätzung zurückhaltend: „Es wird tendenziell leicht weniger werden.“ Bereits 2013 mit der Flut-Katastrophe habe deutlich weniger Spenden eingebracht, „das ist immer so, wenn aktuelle Katastrophen im Mittelpunkt stehen.“

Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bezirksverband Lüneburg-Stade, geht nicht von einem Spendenrekordjahr für seine Einrichtung aus. „Leider wird es bei uns nicht so sein, im Gegenteil“, sagt Geschäftsführer Jan Effinger. Als Grund nennt er die Umstellung der Spendenkonten auf das IBAN-Verfahren, „damit sind einige unserer älteren Spender nicht vertraut. Wir hoffen aber noch auf einen Spendensegen im November und Dezember.“