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Dagmar Oertzen (Mitte) berät Tageseltern wie Sven Baumgärtel, Raika Oettle-Baumgärtel, Stephanie Else und Silvia Bertelsmann (v.l.). Foto: nh
Dagmar Oertzen (Mitte) berät Tageseltern wie Sven Baumgärtel, Raika Oettle-Baumgärtel, Stephanie Else und Silvia Bertelsmann (v.l.). Foto: nh

Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen

lz Lüneburg. Wer früh nach der Geburt wieder arbeiten möchte, muss nicht zwangsläufig auf einen Krippenplatz warten. Tageseltern sind eine Alternative. Auch für Unternehmen ist das Angebot inte­ressant: Über Kooperationen mit Tagesmüttern können Firmen ihre Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützen. Einen Informationsabend über diese Tätigkeit bietet die Fachberatung Kindertagespflege am Donnerstag, 20. November, 19.30 Uhr, Bei der St. Johanniskirche 2 an. Anmeldungen: %35513.
„Es ist nicht notwendig, dass Betriebe eigene Räume für eine eigene Tagespflegestelle vorhalten“, sagt Dagmar Oertzen, Leiterin der beim Evangelischen Kindertagesstättenverband angegliederten Fachberatung. „Firmen können auch mit Tageseltern kooperieren, Mitarbeiter ihre Kinder dort betreuen lassen. Wir beraten gern und vermitteln zwischen Firmen und Tagespflegepersonen.“ Anders als in Krippen können Eltern ihren Nachwuchs hier auch nur tageweise betreuen lassen anstatt die ganze Woche.
Um Familie und Beruf besser zu vereinbaren, haben Raika Oettle-Baumgärtel und ihr Mann Sven den Job gewechselt, sie arbeiten nun als Tagesmutter und -vater. Auch für die Tagesmütter Stephanie Else und Silvia Bertelsmann war die bessere Vereinbarkeit der Grund für den berflichen Neustart. Silvia Bertelsmann (38) war Friseurin, als die beiden ersten Kinder kamen. Für sie stand fest: „Der Beruf ist nicht familienkompatibel. Vor allem in den Ferien hatte ich Probleme.“ Sie sattelte um und wurde Tagesmutter, erst in den eigenen vier Wänden, später in einer angemieteten „Wohnung“. Seit 2001 ist sie jetzt Tagesmutter für jeweils fünf Kinder und glücklich mit ihrer Entscheidung.
Wenn Stephanie Else schon früher geahnt hätte, wie gut ihr die Tätigkeit als Tagesmutter gefällt, „hätte ich den Schritt schon eher gemacht“, sagt die 47-Jährige heute. Die gelernte Erzieherin hat Jugendarbeit im Schichtdienst geleistet, abends und am Wochenende. Als sie merkte, wie stark ihre Arbeit die Familie belastet, zog sie die Notbremse und gründete die Kindertagespflege „Kinderfroh“ in der Souterrain-Wohnung ihres Hauses. „Das hat uns allen gut getan.“
Sven Baumgärtel (35) arbeitete im Schichtdienst am Hamburger Flughafen, als die erste Tochter zur Welt kam. „Ich habe darunter gelitten, sie kaum zu sehen.“ Als seine Frau ihn auf das Thema Tagesvater anstupste, war der ausgebildete Koch zunächst skeptisch. Doch die Realität hat ihm gezeigt: Die Arbeit ist erfüllend, das Paar betreibt nun seit fünf Jahren gemeinsam die Großtagespflegestelle „Die Sternschnuppen“, seit 2012 in Mieträumen am Kreideberg. Ehefrau Raika (35) arbeitet halbtags als Steuer­fachangestellte, „für die sichere Basis“. Ihre Entscheidung, sagen beide, bereuen sie an keinem Tag. „Wir sind absolut glücklich.“
Einig sind sich die Tageseltern, dass ihre Tätigkeit wie jede Selbstständigkeit nicht nur die Freiheiten der eigenen Flexibilität beinhaltet, sondern auch das Risiko keines festen Einkommens. „Tagespflege ist perfekt als Zweitverdienst in einer Familie“, sagt daher Dagmar Oertzen. Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt funktioniere reibungslos und wenn Eltern sich darüber hinaus selbst auf die Suche nach Tageseltern begeben möchten, finden sie Informationen im Internet: Nahezu alle Tagespflegestellen haben mittlerweile eigene Seiten.