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Explosionsartig vermehrt hat sich der Waschbär zuletzt auch in der Elbtalaue. Allein im Landkreis Lüchow-Dannenberg haben Jäger im abgelaufenen Jagdjahr mehr als 1500 der possierlichen Tiere zur Strecke gebracht. Zum Vergleich: Im Landkreis Lüneburg waren es knapp 200. Foto: Angela Kraft
Explosionsartig vermehrt hat sich der Waschbär zuletzt auch in der Elbtalaue. Allein im Landkreis Lüchow-Dannenberg haben Jäger im abgelaufenen Jagdjahr mehr als 1500 der possierlichen Tiere zur Strecke gebracht. Zum Vergleich: Im Landkreis Lüneburg waren es knapp 200. Foto: Angela Kraft

Waschbären erobern heimische Reviere

ol Dannenberg/Lüneburg. Das heimische Wild ist nicht mehr unter sich. „Neubürger“ wie Waschbär, Marderhund, Mink und Nilgans bedrohen die Artenvielfalt der Fauna in den niedersächsischen Revieren.Vor allem der Waschbär macht den Jägern zu schaffen: Allein im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg wurden jetzt 1511 Waschbären erlegt. Das geht aus dem aktuellen Streckenbericht hervor. Zum Vergleich: Im Landkreis Lüneburg kamen im vergangenen Jagdjahr ,,nur“ 193 Waschbären zur Strecke.

Die Eroberung des deutschen Waldes startete der Waschbär am Edersee bei Kassel. Dort war er ursprünglich mit dem Ziel ausgesetzt worden, mit ihm eine weitere Pelztierart bejagen zu können. Daneben waren allerdings auch Tiere aus Pelztierfarmen ausgebüxt.

Somit dauerte es nur seine Zeit, bis die Vermehrung einsetzte, die Population in den vergangenen 20 Jahren geradezu explodierte. Die Hochburgen der Kleinbären, dessen Heimat eigentlich Nordamerika ist, sind in Deutschland die Landkreise Göttingen, Kassel, Holzminden und Lüchow-Dannenberg.

Ein echter „Immigrant“ ist dagegen der hundeähnliche Marderhund. Der Enok, wie er auch genannt wird, stammt ursprünglich aus Ostasien. In der ehemaligen Sowjetunion wurde er erfolgreich als zusätzliches Pelztier ausgesetzt. Von dort begann seine erfolgreiche Wanderung gen Westen und er besiedelte, von Norden beginnend, fast ganz Deutschland.

Im Nachbarlandkreis Lüchow-Dannenberg ist auch die Strecke der erlegten Marderhunde mit 260 relativ hoch. Bei dieser Entwicklung der Prädatoren befürchtet die Leitung des Biosphärenreservats Elbtalaue eine Auslöschung der dort brütenden Wiesenvögel wie Brachvogel und Kiebitz, dessen Population ohnehin durch den Strukturwandel geschwächt wurde. „Bevor die Wiesenbrüterpopulation so weit absinkt, dass diese Arten hier ganz verschwinden, haben wir die Jäger mit ins Boot geholt. Die Biosphärenreservatsverwaltung hat 20 Lebendfallen gekauft und diese an die Revierinhaber der Jägerschaft Lüchow-Dannenberg ausgeliehen. Weitere 20 werden noch für diesen Zweck beschafft“, erklärt Dr. Henning Kaiser von der Biosphärenreservatsverwaltung.

Der Lüchow-Dannenberger Kreisjägermeister Gerhard Schüssler: „Im Landkreis Lüchow-Dannenberg hat der Waschbär optimale Lebensbedingungen vorgefunden. Hochburg dieser Population ist das Elbholz, ein naturbelassener Wald mit alten knorrigen Eichen mit vielen Baumhöhlen ein oft genutztes Wohnungsangebot, das von den Waschbären gern als Schlafplatz genutzt wird. Heimische Tierarten wie Waldkauz, Dohle und Fledermäuse werden dadurch verdrängt.“

Auch im Landkreis Lüneburg hat man dieses Problem erkannt. Kreisjägermeister Hans Christoph Cohrs: „Die Jäger wollen beim Erhalten der geschützten Wiesenvögel aktiv mitwirken. Da beide Prädatoren nachtaktiv sind, ist die Jagd mit der Falle am effektivsten. Voraussetzung ist eine Ausbildung und Zulassung für die Fallenjagd. Im Teil des Biosphärenreservates des Landkreises Lüneburg ist ebenfalls der Schutz und Erhaltung der Wiesenvögel erforderlich.“

One comment

  1. einfangen und zurück in die usa schicken. sollte man mit allem machen, was wir hier von denen bekommen und nicht gebrauchen können, oder?